Schadensbilder Dach
Außenbereich: Nasse Innenwand - defekt Dachziegel
Die nachfolgende Dokumentation beschreibt einen an alten Gebäuden mit alten Dachziegeln immer mal vorkommenden Schaden.
Das Objekt ist ein kleines Fachwerkhaus (ein Gaden), das traufseitig in einer Gasse in Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen steht. Erstmalig wurde das Gebäude 1713 erwähnt. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass das Gefüge etwas älter ist und aus dem Jahre 1650 stammt. Nach dem Krieg, etwa 1950, wurde das Dach mit modernen Falzdachziegeln gedeckt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Die Anleitung soll helfen, eigene Bauprojekte zu planen und zu realisieren zu können. Wir empfehlen aber dringend dazu auch den 'Disclaimer' am Ende dieser Seite zu beachten!

Wasserspuren an Innenseite der Außenwand
Nach der ersten Nacht im Herbst 2025 mit Schnee bzw. Eisbelag auf dem angeschleppten Dach wurden Wasserspuren am Innenbereich der Außenwand festgestellt. Es empfahl sich, schnell zu handeln, um Folgeschäden möglichst zu vermeiden.
Zu analysieren war: woher kommt das Wasser und liegt nur ein punktueller Defekt oder eine systematischer Grund für den Wasserschaden vor. Sprichwörtlich heißt es ja: 'Wasser sucht sich seinen Weg'
Fazit: Feuchtigkeitsschäden sollten schnell analysiert und behoben werden, bevor sie Folgeschäden verursachen. Oft erkennt man aber Wasserschäden auch erst spät, wenn schon wesentliche Mauerwerksteile durchfeuchte sind und sich das Wasser von 'irgendwo her' seinen Weg gesucht hat.
Abhängigkeitsanalyse
Die Schadensanalyse von außen ergab die Erkenntnis, dass die in den 1960er Jahren in diesem Dachbereich genutzten Doppeldmuldenfalzziegel von der Qualität her mittlerweile teils große Mängel aufwiesen.
Durch Schnee und Eis auf dem Dach, wurde der Wasserabfluss auf den Ziegeln beim Tauen behindert, so dass Tauwasser tagsüber in Schadstellen in den Ziegeln eindringen konnte und zu Vergrößerung der Schadstellen durch Frostschäden in der Nacht führten. Die Gefahr des Eindringens von Wasser durch Löcher im Ziegel erhöht sich somit ständig bis zum Eintritt des obrigen Wasserschadens.
Da das Dach in der Vergangenheit mit zwei vergleichbaren, aber im Teil unterschiedlichen Ziegeln belegt wurde, ab es die Erkenntnis, dass die auf der Dachsüdseite verlegten Doppeldmuldenfalzziegel sich als haltbarer erwiesen haben, als die mit einem Ablauf. Hieraus wurde die Erkenntnis abgeleitet, dass sich diese für die Nordseite ebenfalls besser geeignet sind.

Auf dem Bild ist gut erkennbar, wie veschlissen dieser später ausgetauschte Dachziegel schon ist.
Fazit: Vor der Schadensbehebung erfolgt idealerweise die Ermittlung der Schadensursache(n) und eine ganzheitliche Betrachtung möglicher Abhängigkeiten als Grundlage für die Planung einer möglichst nachhaltigen Schadensbehebung.

Neue Dachziegel aus dem Vorrat
Es empfiehlt sich, rechtzeitig eine ausreichende Zahl Dachziegel auf Vorrat zum Austausch bei Beschädigungen, möglichst für Dachreparaturen gut griffbereit, eingelagert zu haben.
Planung der Reparatur
Erfolgt die Reparatur (mit den nötigen Kenntnissen!) in Eigenleistung - oder werden Handwerker gebraucht - oder gibt es einen Mix aus Eigenleistung und Handwerkern.
In diesem Fall hatten die Eigentümer sowohl das benötigte Ersatzmaterial im Zugriff, als auch das KnowHow für die Analyse und Behebung des Schadens.
Die betroffene Dachfläche war von der Höhe und Dachschräge her für eine eigenständige Reparatur für den Bau erfahrenen Besitzer ausreichend geeignet, für eine eigene Reparatur. Die Traufenhöhe beträgt ca. 2,50m und die Montage wurde mit geeigneten Leitern von zwei Personen vorgenommen. Ebenso verfügte der Eigentümer über einen Vorrat an Dachziegeln, welche für den Tausch der offentichtlich defekten und stärker beschädigten Dachziegel für einen Tausch genutzt werden konnten.
Der Tausch von Dachziegeln fällt in der Praxis bei erstmaliger oder seltener Reparatur oft aus, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Dachziegel sind immer 'im System' verlegt - als in Kontakt mit allen angrenzenden Dachziegeln. Daher ist der Tausch einzelner Ziegel mit unter 'Fummelarbeit' und es müssen mehr als nur eine Ziegel angehoben und bewegt werden.
Fazit: Reparaturen auf dem Dach können gefährlich werden. Jeder muss hier die Risikosituation ausreichend gut einschätzen. Gerade bei Dachziegeln ist es immer wichtig, einen ausreichenden Vorrat für den Tausch bei Defekten bereitzuhalten, wenn noch kein Schaden eingetreten ist.
Exkurs: Austausch von Dachziegeln
Wir haben uns bei Erstellung dieses Themas zwei Fragen gestellt:
- Beschreiben wir das Vorgehen des Tausch bei Dachziegeln oder setzen wir voraus, dass schon jeder Wissen wird, wie das geht
- Schreiben wir einen Bericht dazu wie das geht eigenständig, oder fragen wir mal eine 'Künstliche Intelligenz' dazu, was diese empfiehlt wie vorzugehen ist (ja - auch IgB'ler gehen mit der Zeit ;))
Nachfolgender Bericht zum 'wie ist vorzugehen beim Tausch einzelner Dachziegel' wurde von ChatGPT 3.2 auf Basis einer von uns 'qualifiziert zum Thema gestellten Frage' erstellt. Wir fanden die Zusammenfassung 'überraschend gut beschrieben', weshalb wir sie hier mal 1:1 weitergeben als Erfahrungswert mit ChatGPT. Aber Achtung: was sich her für uns gut lesen ließ, wo wir als Redakteure schon alle Dachziegel in der Hand hatten, muss nicht automatisch für 'Erstversuche' gleich bewertet werden... Also wie schon oben beschrieben: Risiken & Nebenwirkungen stets auf eigene Gefahr!

Auf dem Bild erkennbar: Ausgetauschte defekte Dachziegel.
Es bleibt die Frage: wann muss das gesamte Dach mit den schadhaften Ziegeln wohl neu gedeckt werden.
Im konkreten Fall hier gut erkennbar: Doppelmulden und Muldenfalzziegel liegen gemischt auf dem Dach - was hier 'funktioniert'.
Das sagt ChatGPT 3.2 bei unserem Test auf unsere Fragen zum Thema 'Tausch von Dachziegeln':
1. Kann ich einfach auf jedes Dach klettern?
Nein. Was du beachten musst: Zugang, Leiter: Muss standsicher sein, korrekt angestellt (ca. 65–75°) und oben gesichert, Dachausstieg / Dachfenster: Ideal, weil man nicht über die Traufe einsteigen musst, Gerüst: Bei längerer Arbeit oder steilen Dächern eigentlich Pflicht, Absicherung, ab ca. 2–3 m Absturzhöhe ist eine Absturzsicherung sinnvoll oder vorgeschrieben, Sicherungsseil / Dachhaken / PSA (Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz), nie allein arbeiten, Schuhwerk, Rutschfeste, weiche Sohle (keine harten Arbeitsschuhe), Dachpfannen werden bei Feuchtigkeit extrem glatt, Witterung, Nicht arbeiten bei: Regen, Frost / Reif, starkem Wind, großer Hitze (Ziegel werden sehr heiß und brüchiger) Wenn es sich um ein älteres oder denkmalgeschütztes Dach handelt: Oft keine moderne Absturzsicherung, Ziegel können spröde sein, Unterkonstruktion eventuell nicht für Begehung ausgelegt → Das erhöht das Risiko deutlich
2. Kann ich einfach jede Dachpfanne herausnehmen?
Nein. Dachpfannen sind Teil eines Systems, nicht Einzelteile. Wovon es abhängt: Ziegeltyp, Tonziegel (Biberschwanz, Hohlpfanne, Falzziegel), Betondachsteine, Historische Handstrichziegel
- Jeder Typ hat andere Falze, Überdeckungen und Verriegelungen
Verlegung:
Unverstrichen: Ziegel liegen „trocken“ ineinander → leichter zu tauschen - Verstrichen:
Mit Mörtel fixiert (häufig bei alten oder sturmgefährdeten Dächern) - Pfanne ist „festgeklebt“
Ausbau kann Nachbarpfannen beschädigen Unterkonstruktion, Unterspannbahn / Unterdeckung: Moderne zweite wasserführende Ebene, keine Unterbahn: Bei alten Dächern oft direkt auf Lattung - Dann ist jede falsch liegende Pfanne ein echtes Leck
3. Ideale Vorgehensweise:
Dachpfanne herausnehmen
Grundregel:
Nie die Zielpfanne zuerst bewegen. Immer erst die darüberliegenden.
Schritt-für-Schritt:
1. Umgebung prüfen:
Liegt Mörtel zwischen den Pfannen? Ist eine Unterspannbahn
sichtbar? Wie sind die Pfannen verzahnt (Falze, Nasen, Haken)?
2. Pfannen oberhalb anheben:
Die Pfanne direkt über der Zielpfanne vorsichtig
hochschieben, eventuell auch die beiden seitlichen leicht anheben
→ Dadurch wird die Zielpfanne „entlastet“
3. Zielpfanne lösen:
Bei unverstrichenen Pfannen: Nach oben schieben, dann
seitlich herausziehen oder nach oben abheben, bei verstrichenen Pfannen: Mörtel
vorsichtig mit Kelle oder Schraubenzieher lösen - erst dann bewegen
4. Unterkonstruktion prüfen:
Sichtkontrolle: Lattung, Unterspannbahn,
Feuchtigkeit,Schäden
4. Neue Dachpfanne einlegen – Reihenfolge Schritt-für-Schritt:
- Pfanne einsetzen:
Erst unten einhängen oder auf die Dachlatte aufsetzen, dann nach unten ziehen, bis sie sauber im Falz liegt - Seitlich ausrichten:
Muss bündig mit den Nachbarpfannen abschließen, keine sichtbaren Spalten - Pfannen darüber zurücklegen:
Die vorher angehobenen Pfannen wieder herunterziehen, Überdeckung kontrollieren - Bei Bedarf fixieren:
Bei Sturmzonen oder alten Dächern: Sturmklammer oder neuer Mörtel, aber nur dort, wo es konstruktiv vorgesehen ist - Wie prüfe ich, ob die Pfanne richtig liegt?
Sichtprüfung: Sitzt sie in einer Linie mit den Nachbarpfannen? Gleiche Fugenbreite links und rechts? Liegt sie flach auf, nicht „hochstehend“? Tastprüfung: Mit der Hand leicht wackeln: Eine korrekt liegende Pfanne bewegt sich kaum Klappert sie → liegt sie falsch, Blick von unten (wenn möglich) Siehst du Licht? Hängt die Unterspannbahn durch? - Anzeichen, dass sie falsch liegt:
Typische Indikatoren:
Pfanne steht sichtbar höher als die anderen, Klappern bei Wind, Unregelmäßige Fugen, sichtbare Unterspannbahn, Wasserflecken auf der Unterkonstruktion, Pfanne rutscht nach kurzer Zeit wieder nach unten - Warum man nicht „wild anfangen sollte“
Beim Bewegen einer Pfanne: Verändern sich die Lasten auf die Nachbarpfannen, können sich mehrere Reihen „mitverschieben“, können Sturmklammern oder Mörtelverbindungen brechen, kann die Unterspannbahn beschädigt werden, deshalb: > Dachpfannen werden immer als „Verbund“ behandelt, nie als Einzelteile.
Kurzfazit Eine Dachpfanne ist kein „Stein, den man einfach rausnimmt“, sondern Teil eines wasserführenden, lastverteilenden und windsichernden Systems. Der Tausch erfordert: sichere Begehung Kenntnis der Verlegeart Bewegung mehrerer Pfannen Kontrolle der Unterkonstruktion saubere Wiedereinbindung in den Verbund
Fazit: Statische Auswirkungen sollten bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Die Positionierung der Stützen sollte mit den Gewerken gemeinsam abgestimmt werden, damit diese später möglichst wenig 'im Weg' stehen.
Der Aufwand für die Reparatur der defekten Dachziegel lässt sich mit ca. 4 Stunden wie folgt abschätzen:
- 1h Analyse der Schadensursache
- 1h Bereitstellen der Dachziegel aus der Reserve
- 4 h Absicherung und Austausch der defekten Dachziegel
Die benötigten Eichenbalken wurden mit eigenem Hänger aus dem Sägewerk geholt; Sand für Maurerarbeiten ebenso) - 1h notwendige statische Abstützmaßnahmen vornehmen
- 4h Gefachausmauerungen entfernen
- 3h Steine der Gefachausmauerungen säubern und Steine Zwischenlagern
- 4h alte Balkenteile entfernen (das kann bei Bedarf z.B. vernagelten Innenraumteilen an das Aussenfachwerk auch mehr Aufwand werden!)
- 6h Neuen Balken abbinden & anpassen und einbauen
- 5h Gefache neu mit alten Steinen ausmauern
- 2h Aufräumen der Baustelle
- 1h Bauschutt entsorgen
- 0h Gerüst auf- und abbauen (für den Eckpfosten war kein Gerüst notwendig)
Ein finanzielles Budget war wegen der vorhandenen Ersatz Dachziegel und der Eigenleistung nicht notwendig.
Eigenleistung des altbauerfahrenen Bauherren
- Schadensanalyse
- Materalbereitstellung (aus Reservebestand)
- Tausch der defekten Dachziegel
Eingesetzte Gewerke
- keine - es wäre aber der Dachdecker des Vertrauens gewesen im Bedarfsfall.
Bauschänden und Behebung sind komplexer als es hier darstellbar ist. Auch gibt es oft mehrere mögliche Wege zur Instandsetzung von Bauschäden und nur Feinheiten entscheiden jeweils vor Ort, was der jeweils passendste Weg ist.
Auch die jeweiligen spezifischen Gegebenheiten des Objektes und Grundstücks, das verfügbare Zeitfenster für eine Instandsetzung sowie die Jahreszeit der Behebung, das Budget, die Verfügbarkeit des Materials und der jeweilige Zeitgeist spielen eine Rolle bei der Auswahl des Vorgehens für die Instandsetzung.
Unsere Beispiele zeigen daher beispielhafte Themenstellungen mit dem konkreten Vorgehen jeweils eines unserer Mitglieder. Das bedeutet nicht, dass dieses Vorgehen ohne Einschaltung von Bauexperten vor Ort 1:1 übertragbar ist oder es keine anderen Varianten zur Analyse und Behebung gibt.
Entsprechend freuen wir uns über jede Einsendung zu unserer Schadensbildübersicht mit vergleichbaren Themen und anderen Lösungsansätzen. Ebenso können wir keine Gewähr für das hier vorgestellte Vorgehen aus diesen Gründen übernehmen.
Professionelle ganzheitliche Schadensanalysen an Objekten vom Keller biszum Dach bietet der Baukulturdienst (BKD) der IgB übrigens im südlichen Niedersachsen. Der BKD führt geförderte Hausuntersuchungen durch. Mehr Infos sind auf der Internetseite des Baukulturdienst zu finden.
Darüber hinaus bieten die IgB Außen- & Kontaktstellen ein Netzwerk zu bundesweit über 6.000 Besitzern historischer Objekte – und am Ende des Tages ist der Austausch mit Leuten die vergleichbare Probleme hatten und diese schon haben beheben lassen das, was das Netzwerk der IgB so wertvoll macht für unsere Mitglieder.
