Außenstelle Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal

Sabine Pönicke führt seit Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages zwischen dem Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal* und der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB) eine Außenstelle der IgB im Naturparkzentrum Fürstenhagen.

Die Kulturlandschaft, ihre Dörfer, Häuser und Besonderheiten zu erhalten und an einer landschaftsgerechten Siedlungsentwicklung mitzuwirken, ist eine der großen Aufgaben des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal. Diesen Zielen hat sich auch die bundesweit tätige Interessengemeinschaft Bauernhaus verschrieben. In Zukunft werden der Naturpark und die IgB enger zusammenarbeiten, um ihre Anstrengungen zum Erhalt und Pflege der Hauslandschaft noch effektiver zu gestalten. Die bundesweit bisher einzigartige Kooperation wurde im Februar 2011 besiegelt.

 

Synergieeffekte nutzen

Die beiden Partner wollen Synergieeffekte nutzen, da die Tätigkeitsfelder und Interessen nah beieinander liegen. Das Netzwerk der IgB bietet Fachwissen, gibt Hilfestellung in Theorie und Praxis und tritt als Lobby für alte Häuser auf. Hierfür müssen Fachleute des planenden und ausführenden Baugewerbes auch in der Lage sein, alte, historische Techniken anwenden oder alte Baubestände richtig einschätzen zu können. Die IgB verfügt in ihren Reihen über ein großes Fachwissen in Bezug auf alte Handwerkstechniken und Fertigkeiten. Sie setzt sich stark dafür ein, gewachsene Haustypen- und landschaften nicht uniform nach Baumarktmanier glatt zu sanieren, sondern „artgerecht“ umzusetzen. Natürlich gehört aus Sicht der IgB zu einem zeitgemäßen Wohnen genügend Lichteinfall, moderne haustechnische Anlagen und genügend Raum zum Leben. Doch es muss nicht alles gerade gerückt werden. Altersbedingte Verformungen sind liebenswert und machen gerade die Anmut alter Gebäude aus.

Der Charme dieser alten Hauslandschaft und ihre Unverwechselbarkeit sind genau das, was Menschen, die Erholung im Naturpark suchen, anzieht. Alte Häuser und  Dorfbilder atmen Geschichte und vermitteln Beständigkeit und Tradition statt Beliebigkeit. So fördern die Pflege und die Aufwertung dieser typischen Fachwerklandschaft den Tourismus und ermöglichen den dort wohnenden Menschen, in Zeiten von verödenden Gegenden neue wirtschaftliche Standbeine am alten Standort zu finden.

Die Kooperation wird sich vielseitig gestalten: So kann die IgB die Einrichtungen des Naturparks als Veranstaltungsort für IgB-Seminare und öffentliche Vorträge nutzen. In der Bibliothek der Naturparkverwaltung stehen alle Sachbücher, die von der IgB veröffentlicht wurden zum Ausleihen bereit. Auch Veranstaltungen und Märkte werden gemeinsam gestaltet. Nicht zuletzt kann die IgB die publikumswirksame Einrichtung des Naturparkzentrums für Ausstellungen und Auslagen nutzen.

 

Ansprechpartnerin vor Ort

Die stellvertretende Leiterin des Naturparks, Diplom Bau-Ingenieurin Sabine Pönicke, besitzt selber ein großes Bauerngehöft und hat über zehn Jahre Erfahrungen beim Bauen und Sanieren mit traditionellen Baumaterialien gesammelt. Als Ansprechpartnerin vor Ort kann sie Kontakte zu Fachleuten und qualifizierten Handwerkern im Naturpark vermitteln.

Eine weitere Aufgabe ist der Versuch, neue Bewohnerinnen und Bewohner für leer stehende Häuser oder Hofanlagen im Gebiet des Naturparks zu akquirieren und ihnen persönliche Hilfe und Unterstützung bei dieser wichtigen Entscheidung zu geben.

Mittlerweile hat sie über die Veranstaltungsreihe Baukultur ein überregionales „Netzwerk Baukultur“ von gleichgesinnten Vereinen und Verbänden bis hin zu zuständigen Behörden und Kammern geknüpft. Hier ist Lobbyarbeit gleichermaßen wie persönliche Anteilnahme gefragt.

 

Persönliches von Sabine Pönicke

Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn habe ich einmal Bauingenieurswesen studiert. Damals stand die „Platte“ noch ganz hoch im Kurs, was bedeutet, dass ich von Fachwerkbau –und Sanierung null Ahnung hatte. Diese bittere Erkenntnis musste ich machen, als ich mich entschlossen hatte, einen Drei-Seiten-Hof am Oberlauf der Unstrut zu sanieren. Beim Kauf des Gehöftes stand nur meine Intention als Regionalplanerin im Vordergrund, nicht auf der „grünen Wiese“ zu bauen. Ich wollte keine weitere Fläche versiegeln, wenn doch so viele schöne (wenn auch völlig heruntergekommene) Bauernhäuser im Dorfkern leer stehen.

Da aber für mich nur eine fachgerechte und ökologische Sanierung in Frage kam, musste ich viel lernen und suchen – Fachwissen und Firmen, die entsprechende traditionelle, fachwerkgerechte Materialien verwenden, gab es in der Region nicht. Das hat viel Zeit und Kraft gekostet. So habe ich dann meine Erkenntnisse, was alles vonnöten ist, auf Papier gebracht und über das LEADER-Netzwerk* Gleichgesinnte gesucht. Auf einem LEADER- Netzwerktreffen habe ich dann die Interessengemeinschaft Bauernhaus kennengelernt – in Person von Alexander von Spiegel, der die IgB-Außenstelle in der Grafschaft Ravensberg – Senne führt. Seit dem Jahr 2000 bin ich nun Mitglied der IgB, habe erst eine Kontaktstelle in Mühlhausen angeboten und führe nun in der Verbindung mit meinen beruflichen Aufgaben, ehrenamtlich die Außenstelle der IgB im Naturparkzentrum.

 

 

* Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal – alte Grenzregion mit romantischen Fachwerkdörfern , eingebettet in eine naturnahe Kulturlandschaft zwischen Heiligenstadt und Eisenach

Link: www.naturpark-ehw.de/partner-der-laendlichen-entwicklung

* das LEADER-Netzwerk ist die Verbindung von Akteuren, die sich für die Entwicklung des ländlichen Raumes engagieren

Link: www.netzwerk-laendliche-raeume.de

 

 

Sabine Poenicke vor dem alten Bahnhof in Fürstenhagen

Aktivitäten

Bad Langensalza