IgB-Fachtagung: „Klimaschutz ist mehr als Wärmedämmung“ in Lauenhagen

Fachtagung der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.

Ort

Lauenhäger Bauernhaus Hülshagen 10 31714 Lauenhagen

Veranstalter

Interessengemeinschaft Bauernhaus

Termine

Fr, 31.03.2023 - Sa, 01.04.2023, 23:00 Uhr

 

Vor dem Hintergrund der immer deutlicheren Folgen des Klimawandels werden insbesondere die Menschen in den Industrieländern künftig Veränderungen und Einschränkungen ihrer bisherigen Lebensweise in Kauf nehmen müssen. Das betrifft nahezu alle Bereiche – natürlich auch den Sektor Bauen und Wohnen. Hierzu hat die EU ja auch schon eine „Renovierungswelle“ gefordert, die über Europa hinweg rollen soll bzw. muss.

Erfreulich aus Sicht der IgB ist die darin formulierte Erkenntnis, dass dem Erhalt von Bestandsgebäuden gegenüber dem Neubau deutlich mehr Bedeutung zukommen muss als bisher. Dem kann die IgB nur zustimmen – ist das doch ihr Kernanliegen seit der Gründung vor fast 50 Jahren.

Noch recht unklar ist allerdings die Frage, in welchem Umfang und auf welche Weise Altgebäude einer energetischen Sanierung unterzogen werden sollen. Die bisherige Strategie, für Baudenkmale lediglich Dispens von den Anforderungen der Energieeinspargesetze zu erstreiten, kann auf Dauer nicht aufrechterhalten werden: Auch historische Gebäude müssen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und zu moderaten Kosten zeitgemäß nutzbar sein.

Das tun sie natürlich schon dadurch, dass die in ihnen verbaute „Graue Energie“ bei langjähriger Nutzung auch weiterhin erhalten bleibt. Es ist deshalb höchste Zeit, die bisher geltende Berechnungspraxis zur Bewertung von Energieeffizienz, die lediglich den künftigen Betriebsenergiebedarf eines Gebäudes berücksichtigt, in diesem Sinne zu ändern.

Unabhängig davon ist es geboten, sich bei historischen Gebäuden nicht allein auf die Graue Energie zu berufen, sondern intelligente Maßnahmen zur Energieeinsparung, CO2-Reduzierung und Ressourcenschonung zu ergreifen. Bei den zu erwartenden Energiepreissteigerungen wird dies auch im ureigensten Interesse der Hauseigentümer und -nutzer liegen!

Aber was sind denn „intelligente Maßnahmen“?
Diese dürfen sich nicht wie bisher auf periodisch steigende Anforderungen an die rechnerisch ermittelten Wärmedämmwerte der einzelnen Bauteile und innovative Haustechnik beschränken. Hier müssen dringend auch andere Faktoren wie die besonderen Gegebenheiten des jeweiligen Gebäudes, Wärmespeicherung und passive Solarenergienutzung, thermische Zonierung, die Art der Wärmeübertragung, dezentrale Energieerzeugung usw. stärker in den Focus genommen werden.

Dazu gibt es viele gute und teilweise schon langjährig erprobte Ideen und Prinzipien, die aber in der jetzigen Gesetzes-, Verordnungs- und Förderpraxis komplett durchs Raster fallen.

Die IgB ist eine der wenigen Organisationen bundesweit, die auf diesem Gebiet umfangreiche praktische Erfahrungen ihrer Mitglieder vorweisen kann. Die geplante Tagung soll dazu dienen, diesen Erfahrungsschatz systematisch darzustellen, zu diskutieren und öffentlich zugänglich zu machen.

Es sind möglichst kurzgefasste Impulsvorträge mit anschließender Diskussion vorgesehen:

  • Zur Ausgangssituation, der derzeitigen Beurteilungs- und Förderpraxis
  • Zu typischen, daraus resultierenden Bauschäden und methodischen Problemen
  • Vor allem aber zu weiteren Lösungsansätzen wie:
  • Graue Energie mit bewerten
  • Passive Solarenergie und Wärmespeicherung nutzen
  • Flexible Grundrisse und Wärmezonierung einplanen
  • Wärmeübertragung optimieren: Strahlungswärme statt Konvektionswärme bevorzugen
  • Wärmeerzeugung optimieren (z.B. mit Grundöfen)
  • Innendämmung von Außenwänden (Auswertung bisheriger Erfahrungen und Weiterentwicklung risikoarmer Methoden)
  • Lüftung und sommerlichen Wärmeschutz nicht primär elektrotechnisch lösen
  • Generell einfache und fehlertolerante Lösungen anstreben

Da die Materie sowieso schon sehr komplex ist, sollen rein haustechnische Themen zwar im erforderlichen Umfang mitbehandelt, jedoch nicht fachspezifisch vertieft werden – der Schwerpunkt der Tagung liegt auf dem Gebäude und den optimal darauf abzustimmenden Maßnahmen. Einige dieser Aspekte können auch am Lauenhäger Bauernhaus oder in der näheren Umgebung erkundet werden.

Optimalerweise soll ein Tagungsband entstehen, der hilft, die Energiesituation von Altbauten ganzheitlich zu beurteilen und Klimaschutz mit Wärmedämmung zusammenzuführen.

Der Kostenbeitrag wird sich im üblichen Selbstkostenrahmen bewegen. Die Teilnehmerzahl ist durch den Tagungsort auf max. 100 Personen begrenzt. Interessierte Zuhörer und alle, die zu den einzelnem Themen durch eigene Referate beitragen möchten, werden gebeten sich unter folgender Kontaktadresse zu melden.

Ort der Veranstaltung

Lauenhäger Bauernhaus
Hülshagen 10
31714 Lauenhagen

Kontakt

Manfred Röver
IgB-Landesbeauftragter für Niedersachsen

Am Salinenplatz 3
31552 Apelern OT Soldorf
Telefon: 05723 3845
Fax: 05723 75093
E-Mail: manfred.roever@igbauernhaus.de

Das „Lauenhäger Bauernhaus” gehört zu einem Ensemble aus drei translozierten Fachwerkhäusern, von denen zwei immer noch bzw. wieder in der Liste der Baudenkmale stehen! Das Haus stellt einen gelungenen Kompromiss zwischen weitgehender Bewahrung des Denkmalwertes und den Annehmlichkeiten eines modernen Tagungsortes dar.

Zu verdanken ist dies der Gemeinde Lauenhagen, die mit Hilfe von Fördermitteln nicht nur ein recht außergewöhnliches Dorfgemeinschaftshaus, sondern auch ein regionales Kulturzentrum geschaffen hat. Sie ist übrigens seit über 20 Jahren Mitglied der Interessengemeinschaft Bauernhaus.