Lebendiges Miteinander im Alten Pastorat in Hattstedt

Ich wohne in einem wunderschönen denkmalgeschützten Haus von 1807 in einem Wohnprojekt in Nordfriesland. Das Haus gehört einem gemeinnützigen Verein, der Grund und Boden der Stiftung trias. Der Verein nutzt das Grundstück über einen Erbbaurechtsvertrag.

Eine Gruppe von sechs Menschen sorgt für Haus und Hof und für ein lebendiges Miteinander in der Wohngemeinschaft. Die Mitglieder sind teils im Ruhestand, teils berufstätig. Ich weiß, ich kann hier leben, solange ich möchte und die Gruppe es trägt. Das gilt auch für alle anderen. Vor einigen Jahren sah alles anders aus!

Zur Vorgeschichte

Zu dritt hatten wir das Haus zehn Jahre vor dem Ruhestand gekauft, um dann gemeinsam mit anderen als WG unser Leben zu gestalten. Uns ging es gut. Wir hatten geplant, den für den Hauskauf aufgenommenen Kredit gemeinsam abzubezahlen.

Die Wechselfälle des Lebens bestimmten es anders: Die eine Freundin starb, die andere zog es doch wieder zurück in ihre ursprüngliche Heimat, auch wenn sie noch Miteigentümerin war. Plötzlich blieb ich allein übrig. Statt drei Verantwortlichen gab es jetzt nur noch eine: mich.

Nach einer Weile fand ich neue MitbewohnerInnen als MieterInnen. Das Zusammenleben gestaltete sich gut, die Kreditzinsen waren hoch, aber die Raten gerade so bezahlbar.

Da drohte die weitgehende Erneuerung des großen, erst 15 Jahre alten Reetdaches! Damit hatte niemand gerechnet. Die Bank wollte keinen weiteren Kredit geben. Ich hätte ihn auch nicht bezahlen können. Für uns alle, für mich als Eigentümerin und für die anderen als MieterInnen, war plötzlich die Zukunft unsicher. Das Haus, in dem wir lebten, unser Zuhause, schien nicht zu halten!

Heute bin ich glücklich und auch ein wenig stolz auf uns alle: Wir haben den Weg, unser Zusammenleben dauerhaft auf eine zukunftsfähige Basis zu stellen und das Haus zu erhalten, gemeinsam gemeistert. Durch einen Hinweis aus dem Freundeskreis entstand der Kontakt zur Stiftung trias. Vor dem Hintergrund deren jahrelanger Erfahrungen mit Wohnprojekten entwickelten wir gemeinsam die jetzige Lösung: Die Stiftung trias erwarb von mir und der verbliebenen Miteigentümerin Grund und Boden und stellte das Hilke Heuer Haus über einen Erbbaurechtsvertrag dem – neu von uns gegründeten – gemeinnützigen Verein, in dem alle Bewohner Mitglied sind, zur Verfügung. Der Kaufpreis für das Grundstück half, bestehende Schulden zu tilgen.

Als gemeinnütziger Verein fanden wir private DarlehensgeberInnen, sodass wir die restliche Finanzierung durch die Bank ablösen konnten und von den hohen Zinsen herunter kamen. DarlehensgeberInnen sind zum einen Menschen aus dem deutschlandweiten Netzwerk der Stiftung trias, zum anderen Akteure aus unserer Region, die das Projekt und uns kannten und uns helfen wollten. Trotzdem hätten sie einer einzelnen privaten Person vermutlich kaum Geld geliehen. Bei einem gemeinnützigen Verein gestaltet sich das deutlich einfacher.

Auch konnten wir Zins und Tilgung der privaten Darlehen auf der einen Seite und den Erbbauzins an die Stiftung trias auf der anderen Seite so miteinander abstimmen, dass die daraus resultierende Belastung – trotz zu finanzierender teurer Erneuerung des Reetdachs für uns alle gemeinsam darstellbar war.

Wir haben es geschafft!

Nicht nur steht die Finanzierung heute auf soliden Füßen – auch unser Wohnprojekt gestalten wir heute gemeinsam. Es macht einen Unterschied, ob alles einer gehört und die anderen nur mieten oder ob alle gleiche Rechte und Pflichten haben. Wir alle schätzen den gemeinschaftlichen Ansatz eines Wohnprojektes auf der Basis eines gemeinnützigen Vereins, in dem alle gleichberechtigte Mitglieder sind. So bringen sich die anderen viel stärker ein. Bei Problemen suchen alle nach Lösungen. Heute bin ich zuversichtlich, dass das Wohnprojekt dauerhaft bestehen wird, auch über meinen Tod hinaus. Das ist ein schönes Gefühl.

Hilke Heuer