Rückblick

Die gesamte Hofanlage des Vierseithofes Sickenberg Nr. 9 in Asbach-Sickenberg wurde am 1.12.1995 vom thüringischen Landesamt für Denkmalpflege in das Denkmalbuch aufgenommen. Hervorgehoben wurde der stattliche zweistöckige Fachwerkbau auf Sandsteinsockel mit Krüppelwalmdach, sowie das Zwerchhaus und die zweiläufige Treppe auf der Hofseite. Zur Hofstelle gehören die den historisch gepflasterten Hof umgebenden Wirtschaftsgebäude. Die als Kulturdenkmale ausgewiesenen Gebäude sind, so heißt es in der Urkunde, "als Quelle und Zeugnisse zu verstehen, die die menschliche Geschichte und die Entwicklung für die Nachwelt erlebbar und erfahrbar machen". Die Hofanlage ist vermutlich im Jahr 1806 als ein klassischer hessischer Vierseithof errichtet worden. Dabei bilden Wohnhaus, Scheune, Torhaus und Stall eine geschlossene Einheit um einen mit Buntsandsteinen gepflasterten Innenhof. Das gesamte Gebäudeensemble war einschließlich des traditionellen Backhauses mit Lehmbackofen, der Streuobstwiese und dem Bauerngemüsegarten komplett und unverfälscht erhalten. Nicht nur die Gebäudehülle, auch die Innengestaltung des Haupthauses und die der Ställe sind in der Vergangenheit wenig verändert worden und hatten aus heutiger Sicht einen musealen Charakter.

Dieser unveränderte Erhalt des gesamten Vierseithofes bis in die heutige Zeit war auf seine besondere Lage, 50 Meter entfernt von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze auf dem damaligen Staatsgebiet der DDR zurückzuführen. Diese Grenzlage im sogenannten Sperrbezirk brachte für die ehemaligen Besitzer viele Unannehmlichkeiten mit sich. Auch die Ortschaft Sickenberg entvölkerte sich zunehmend. In die weiterhin bewohnten Häuser wurde selten investiert und größere Modernisierungsmaßnahmen unterblieben.

Leer stehende Gehöfte wurden abgerissen. Zur Zeit der Grenzöffnung im Jahr 1989 wohnte auf dem Hof Sickenberg 9 die über 80-jährige "Tante Else" Rühling unter Wohnbedingungen, die sich seit ihrer Kindheit wohl nicht wesentlich verändert hatten. So hatte das Haus keine sanitären Einrichtungen, als Toilette diente das Plumpsklo im Garten. Fließend Wasser gab es nur an einem Handspülbecken in der Küche. Natürlich hatte das Haus keine Zentralheizung, sondern wurde ausschließlich über einen Kachelofen und mehrere Einzelöfen beheizt. Die Stromversorgung stammte aus den 20-er Jahren und ein Klärsystem für die häuslichen Abwässer gab es auch nicht. Die landwirtschaftlichen Gebäude wurden seit langem nicht mehr genutzt und waren dem Verfall preisgegeben. "Tante Else" verstarb im Jahr 2000. Danach stand das Gehöft leer und fiel in einen "Dornröschenschlaf".

Trotz des recht traurigen Anblicks und desolaten Zustandes der Gebäude konnte man das Kleinod erkennen, das sich einmal aus diesem Gebäudekomplex, hier in der idyllischen Landschaft, direkt an dem Grünen
Band, der ehemaligen innerdeutschen Grenze, entwickeln könnte. Als ich im Jahr 2003 das erste Mal von der Existenz dieses Hofes von dem Denkmalpfleger des Landkreises Göttingen erfahren habe, war klar, dass es dieser Hof sein sollte. Hier ließ sich mein Traum, Landwirtschaft und Tourismus miteinander zu verknüpfen und altes Kulturgut zu erhalten, umsetzen. 

Bis zum tatsächlichen Erwerb am 4. April 2005 verblieb noch viel Zeit, um Pläne zu schmieden, die den gesamten Hof behutsam aus seinem "Dornröschenschlaf" erwecken sollten.