Der Innenausbau

Auf dem Hof sollte im Haupthaus ein kleines Hofcafé, Gästezimmer und eine Webstube entstehen. Große Umbaumaßnahmen sollten dabei vermieden werden. Die Atmosphäre des 200 Jahre alten Bauernhauses, die geprägt wird durch die zum Teil noch vorhandenen originalen Fußböden, die alten Treppen und Türen, sollte bewahrt werden.

Auf der anderen Seite sollte auf modernen Komfort nicht verzichtet werden. Daher mussten alle Modernisierungsmaßnahmen ganz behutsam durchgeführt und zum Teil auch dezent versteckt werden. Das gesamte Haus wurde in Eigenarbeit von innen mit Schilfmatten gedämmt. Hier kam der alte, originale Lehm aus den heraus gebrochenen Gefachen zum Einsatz. Mit diesem dann aufbereiteten Lehm wurden die Wände gleichmäßig aufgefüllt und eine ebene Fläche für die Schilfmatten geschaffen. Um keinen Zwischenraum zu lassen, mussten die Matten in feuchten Lehm eingedrückt werden.

Auf die Schilfmatten wurden Wandheizungsrohre verlegt, die an die Zentralheizung angeschlossen sind und anschließend mit Lehm eingeputzt wurden. Die Zentralheizung wurde also dezent in den Wänden versteckt und sorgt jetzt für eine sehr angenehme Strahlungswärme. 

Bei allen übrigen Wänden und Decken mussten die alten Tapeten ebenso abgenommen werden wie der darunter liegende lockere Feinputz. Alle Decken und Wände wurden neu mit Lehm verputzt. Um den Aufbau der Wand plastisch erkennen zu können, wurde im Flur ein Lehmwandausschnitt nicht gestrichen und im Treppenhaus das in der Wand sonst verborgene Geflecht sichtbar gelassen. In dem Seminarraum konnte die alte Wandmalerei erhalten und von einem Kirchenmaler aufgearbeitet werden. So ist hier ein Zeitfenster in die Vergangenheit entstanden. Im Flur und im Treppenhaus kam unter den Tapeten eine sehr farbenreiche Wandgestaltung hervor. Von der farbigen Bordüre wurde eine Schablone angefertigt. Mit Hilfe dieser Schablone konnte diese Bordüre nach Abschluss aller Innenarbeiten wieder nachgemalt werden. Für die geplanten Gästezimmer mussten in den ehemaligen Fruchtboden Wände eingezogen werden. Hierzu wurden vom Zimmermann Ständerwände aufgebaut, die wir anschließend mit Lehmsteinen geschlossen haben. Diese Wände haben durch die massiven Lehmsteine einen hohen Schallschutz und vermitteln nicht das Gefühl einer Leichtbauweise. Sie passen sich hervorragend in das Gebäude ein.

Im gesamten Haus musste die Elektrik erneuert und auf den neusten technischen Stand gebracht werden. Für die Schalter und Steckdosen konnte eine Ausführung gefunden werden, die an die alten Formen erinnert. Die Fußböden sollten, soweit möglich, erhalten bleiben. Die alten Holzfußböden wurden gründlich gereinigt und neu geölt. So blieb die Patina des Holzes erhalten. Für notwendige neue Holzböden wurden massive Lärchendielen gewählt. Die Fliesen im Eingangsbereich wurden herausgenommen und gegen die dort früher einmal vorhandenen Buntsandsteinplatten ausgetauscht. Auch den alten Terrazzoboden im ersten Stock konnten wir erhalten.

Für die sanitären Einrichtungen wurden viele alte Fliesen, die im Haus aufgetrieben wurden, verwendet. So ist ein Gästebad mit den alten sechseckigen roten Fliesen aus der sogenannten roten Küche gefliest worden. Viele alte Fliesen wurden zum Beispiel als Bordüre mit eingearbeitet. Die Toilettenspülung und Waschmaschine erhielt einen eigenen Regenwasserkreislauf und wurden an die Regenwasserzisterne angeschlossen.

Natürlich wurde auch bei der Möblierung auf den "Stil des Hauses" geachtet. So weit möglich wurden alte Möbel eingesetzt, um den Gesamteindruck des alten Bauernhauses zu erhalten.

Ein Teil der Betten wurde nach historischen Vorbildern neu hergestellt. Es werden aber auch noch immer alte Möbel zusammengetragen und das Haus entsprechend eingerichtet.

Ausmauern der neuen Innenwände mit Lehmsteinen
Alle Räume wurden an den Außenwänden mit Schilfmatten gedämmt.
Leben auf der Baustelle. Im Hintergrund die Rohre der Wandheizung auf den Schilfmatten.