Fundsache: Sonnen- oder Feierabendziegel

Auf unseren Exkursionen durch Mecklenburg-Vorpommern begegnen uns manchmal kuriose Dinge, so geschehen im Teterower Kreis.

Von einem Dach eines alten Stampflehmhauses (1756) in Gessin, wurde unserem Mitglied Herrn Schwarze vom Eigentümer mehrere handgestrichene Dachziegel/Biberschwänze mit Ritzungen und Eindrücken vorgestellt. Wie die Fotos zeigen, gibt es verschiedene Motive.

In einem alten Heft über „Ton und Töpfer” von Dr. O. A. Erich (Herausgegeben in Verbindung mit dem Staatlichen Museum für Deutsche Volkskunde, Berlin) fand ich folgende Erklärung dazu:

"...Ebenso beachtenswert für die Volkskunde sind die nicht selten vorkommenden Dachziegel mit Ritzungen und Eindrückungen von Sonnen. Sie reichen mindestens vom frühen 17. Jahrhundert bis ins 20. hinein und werden gemeinhin Sonnen- oder auch Feierabendziegel genannt. Es sind die Ziegel, die im Frühjahr, bei Wiederbeginn der Arbeit, der Geselle, der sie wohl nach Feierabend herstellen durfte, dem Meister überreichte und dafür ein kleines Trinkgeld bekam.

Ein Spruch, wie er bei dieser Gelegenheit hergesagt wurde, ist auf einem Sonnenziegel im Perleberger Heimatmuseum erhalten:

Er ist gemacht für Sie zu Ehren,
Damit Sie uns ein Trinkgeld bescheren,
Es mag sein groß oder klein:
Wir wollen damit zufrieden sein.

Auch Ziegel mit dem Modelabdruck von Darstellungen aus der Tagesarbeit der Ziegler und dem Bilde der heiligen Nothburga, (Abb. rechts) der Schützerin des Feierabends, kommen vor, ferner Originalabdrücke von Händen, Füßen und Tierpfoten. Gelegentlich haben auch Zeugdruckmodel (Hohlform) und Gebäckmodel zur Verzierung von Ziegeln herhalten müssen. ...”

Imke Thielk, IgB e.V. Rostock/Land

Fotos Ziegel:
Siegfried Schwarze