Das Plinseisen - ein Backgerät mit Tradition im Fläming

In der Erforschung der historischen Sachkultur – insbesondere der Ausstattung der alten Bauernhäuser – kann man das Land Brandenburg als Entwicklungsland bezeichnen. Das Wissen um Möbel, Hausrat oder Arbeitsgerät vergangener Zeiten harrt ihrer Entdeckung, so weit es dabei nicht längst zu spät ist. Hier stellt besonders die Spreewaldregion eine der bescheidenen Ausnahmen dar. Viele Sammlungsstücke in den Museen und Heimatstuben sind oft wissenschaftlich unbearbeitet und anonym. Lediglich volkskünstlerische Aspekte führten zwischen den Weltkriegen zur Dokumentation und Veröffentlichung herausragender Sachzeugnisse unserer historischen Alltagskultur. So blieb auch die Entwicklung des in Brandenburg eher schlicht gestalteten Herdgerätes bisher relativ unerforscht. Wiederum als Ausnahme sind die noch heute vereinzelt im Niederen Fläming benutzten Klemmkucheneisen zu nennen, die die gestalteten Muster ihrer Backflächen auf die Kuchen übertragen. Diese zangenförmigen Kucheneisen, die natürlich auch in vielen anderen Landschaften zu finden sind, waren erst wieder in jüngster Zeit Gegenstand einiger Veröffentlichungen.

1993 konnte ich ein urtümliches schmiedeeisernes Herdgerät aus Linthe in meine Sammlung aufnehmen. Mir war zunächst nicht bekannt, wozu es diente. Es ist inschriftlich auf 1796 datiert und hat die Form einer langstieligen Pfanne. Die oben liegende Fläche war von einer harten Kruste eingebrannter Speisereste überzogen. Der Pfannenboden hat eine quadratische Fläche (28 x 28 cm) mit stark abgerundeten Ecken. Der flache Rand (Höhe = 1,5 cm) schließt eine herkömmliche Pfannennutzung aus. Der Boden und der Rand des Pfannenkörpers sind stark angerostet – was wiederum ein sicherer Hinweis für einen Gebrauch im offenen Feuer ist. Was also bereitete man auf diesem pfannenförmigen, aber flachrandigen Gerät im offenen Feuer zu. Auch vielen älteren Leuten war es unbekannt. Nach rund zehnjährigen Forschens und Sammelns möchte ich nun dieses historische Herdgerät näher vorstellen, das in seiner regionalen Ausprägung – neben den Klemmkucheneisen – eine womöglich weitere Besonderheit des Höhenzuges im Südwesten Brandenburgs, dem Fläming, darstellt. Auf Grund der geringen Belegdichte an schriftlichen Quellen und Sachzeugen ist natürlich ein Blick weit über die Grenzen der Region unerläßlich.

Das Backen von Plinsen ist ja in Brandenburg allgemein bekannt und verbreitet, aber man kennt halt heutzutage dafür nur den Gebrauch einfacher handelsüblicher Pfannen mit hohem Rand. Meist sind es neben den Hefeplinsen die süßen Eierplinsen, die auch der Verfasser zu Hause in loser Regelmäßigkeit zum Mittagessen genießt und mit süßen Zutaten verzehrt.

Eigentlich handelt es sich bei Plinsen um dünn gebackene Pfannkuchen, wie sie auch vor allem im niederdeutschen Raum genannt werden. In der Schreibweise findet das "s" genauso wie das "z" Verwendung. Ich möchte hier im Folgenden die Schreibweise mit "s" benutzen. Um Näheres über Ursprung bzw. Geschichte der Plinse zu erfahren, ist man auf gedruckte Quellen angewiesen. Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm heißt es unter "… Plinse, Plinze: eine Art ganz dünner Eierkuchen …". Zur Herkunft des Begriffs Plinse schreibt Max Wald aus Dahme 1927 in seinem 10. Flämingheft: "…Ein […] beliebtes Essen stammt noch aus alter Wendenzeit: die Plinsen. Sie wurden einst zu Ehren des Todesgottes Plins bereitet…" O. P. Pohl kontert im Luckauer Heimatkalender 1971 dagegen: "… Als ein 'Göttergebäck' sind Plinze bekannt. Daß sie ursprünglich als Opfergabe dem Gotte Flinz geweiht wurden, ist wohl nur fromme Sage…". Aus Wick’s Lehnwöterbuch von 1939 erfahren wir, daß: "… Flinse, dünn gebackener Eierpfannkuchen’ (auch Flinze, in Schlesien, Sachsen und Thüringen: Plinse), im 16. Jh. aus dem Russischen oder Wendischen entlehnt …" wurde. Ob nun die Plinse einst Opfergebäck war oder nicht, soll hier nicht weiter interessieren.

In weiten Teilen Niederdeutschlands dominierte früher der Pfannkuchen (mundartlich: "Pannkauken") auf dem ländlichen Speiseplan. So z. B. wurde er im nordwestlichen Niedersachsen zu fast allen Mahlzeiten gereicht. Die Pfannen zum Pfannkuchen im niederdeutschen Raum haben allgemein einen hohen Rand. Die oft gebräuchliche Wortverbindung "Buchweizenpfannkuchen" nennt sogleich das verwendete Getreide. Buchweizen bzw. Heidekorn gehörte auch in unserer Region zu den kultivierten Getreidearten, wurde aber nur in geringen Mengen angebaut. In den Handmühlen wurde daraus Grütze gemahlen. Für 1808 ist auch auf unserem Hof in Linthe eine Grützmühle belegt, die unsere Vorfahren als Tagelöhner im Nebenerwerb betrieben. In den Naturalauflistungen der früheren Altenteile aus dem 19. Jahrhundert finden sich stets kleinere Mengen der grob gemahlenen Buchweizengrütze, die für die Zubereitung von Grützbrei, aber wohl auch für die der Plinsen und Klemmkuchen diente. Als weitere Parallele zu den Niedersächsischen Pfannkuchen ist ein in Linthe aufgefundener irdener Teller zu sehen, den ich zunächst nur als Topfdeckel interpretierte. In der sehenswerten Ausstellung "Wenn der Topf zerkracht – der Töpfer lacht" vom Museumsdorf Hösseringen und vom Bomann-Museum Celle waren gleiche Exponate als "Pfannkuchenteller" ausgestellt. Somit könnte man den Linther Fund, wenn auch nicht schriftlich oder mündlich überliefert, als Plinsenteller bezeichnen.

Der mit einem großen Anteil von geriebenen Kartoffeln hergestellte Pickert, der besonders in Westfalen verbreitet ist, sei hier noch kurz genannt. Im Unterschied zu den Plinsen und Pfannkuchen ist der Pichert sehr dick. Gelegentlich garte man den Pickert in der Stube auf der oberen Platte des Hinterladerofens. Ein altes Foto aus den 1930er Jahren zeigt eine solche Praktik aus dem nordwestfälischen Ort Wehdem (s. Foto rechts unten). Der Pickert gilt besonders in Lippe als eine regionale Delikatesse. Ebenso gilt das gegenwärtig auch für die Plinse in der Niederlausitz. In vielen Gaststätten werden Plinsen in verschiedenen Variationen angeboten, unter denen besonders die mit Zimt und Zucker bestreute Buttermilch-Hefeplinze zu nennen ist. Von der regionalen Bedeutung der Plinse für die Niederlausitz zeugt auch ein Reim auf einem Notgeldschein der Stadt Forst aus dem Jahre 1921: "Wo Tuch man macht und scheene Worscht / Wo’s Plinze gibt, der Ort heest Forscht". 

Bei Befragungen erhielt ich zweimal den Hinweis, daß bei dem auch heute noch gelegentlich stattfindenden Plinsenbacken der Teig von der Menge eines Eimers verbacken wird. Gleiches ist ja vom Klemmkuchenbacken für das Fastnachtswochenende aus dem Niederen Fläming bekannt. Hatte die Plinse etwa in unserer Region in der Vergangenheit eine größere Bedeutung als heute? Die Frage läßt sich nur schwer beantworten. Ernst Otto Thiele stellte 1936 über die Verbreitung von Fastnachtgebäck in Brandenburg fest, daß sich: "…zwei große Gebäckgruppen gegenüberstehen. Im Westen und Norden überwiegen die Brezeln. Der Süden und das östlich von Berlin gelegene Gebiet bevorzugen dagegen die Pfannkuchen. Nach der Mittellinie zu überschneiden sich beide Gebäckgruppen, so daß sich eine Reihe von Orten findet, in denen beide Gebäckgruppen bekannt sind. Neben diesen beiden, in der Gegenwart verbreiteten Arten von Fastnachtsgebäcken tritt als dritte Hauptgruppe im Fläming des Kreises Jüterbog-Luckenwalde und im Nordteil des angrenzenden Kreises Luckau die Gebäckart der "Klemmkuchen" auf…" Leider geht aus dem Begriff „Pfannkuchen” nicht eindeutig hervor, ob es sich nun um Plinsen oder vielleicht den Berliner Pfannkuchen, also den gefüllten kugelförmigen Pfannkuchen handelt. Den "Berliner" soll es schon seit 1756 geben. Wie schnell er sich im ländlichen Bereich zu verbreiten und durchzusetzen vermochte und etwa eventuell die Plinse als Fastnachtsgebäck ablöste, läßt sich heute nur schwer einschätzen. Selbst aus Sachsen erfahren wir in einem Aufsatz von 1900 vom: "…Pfannkuchen in der Fastnacht, der am Familienherd gebacken war. Unsere alles ausgleichende Zeit hat auch die zeitlichen Grenzen dieser alten Fasten- und Fastnachtsgebäcke zerstört. Wohl wird auf dem Lande noch hier und da zu Fastnachten der Pfannkuchen gebacken, aber in den Städten ist er fast jeden Tag im Jahr käuflich, …". Diese Nachricht läßt auf gefüllte Pfannkuchen schließen, wie auch die folgende von Oskar Brachwitz aus Treuenbrietzen von 1935: "…die zu Fastnachten gern gegessenen Pfannkuchen stellen die Sonne dar, und je runder und lockerer sie sind, desto mehr Früchte wird das kommende Jahr bringen". Einen eindeutigen Beleg für die Plinse als spezielles Fastnachtsgebäck in unserer Region liefert schließlich 1939 Erich Sturtevant aus dem nicht mehr existierenden Ort Mehlsdorf, der sich bis dahin zwischen Treuenbrietzen und Luckenwalde befand. Er schreibt unter anderem: "Die Hausfrauen hatten alle Vorbereitungen zu dem Festtage (Fastnachten, d. V.) getroffen und auch allerlei Kuchen gebacken. Das Mehlsdorfer Spezialgebäck, namentlich in ältester Zeit, waren die ’Plinsen’ mit Rosinen, sie wurden in großen, meist runden, seltener viereckigen Eisen am offenen Feuer gebacken. Auch Pfannkuchen waren üblich, hingegen nicht Klemmkuchen". Welche geographische und zeitliche Verbreitung die Plinse als Fastnachtsgebäck in unserer Gegend tatsächlich besaß, kann freilich nicht mehr genau ermittelt werden. Man wird ihre frühere Bedeutung im Rahmen der Brauch- und Festtagsgebäcke gegenüber der heutigen Zeit höher einschätzen müssen.

An dieser Stelle sei ein Blick auf die Feuerstellen geworfen, die für das Backen von Plinsen genutzt wurden bzw. werden. Gerade das dürfte für die an Hausforschung interessierten Holznagelleser von besonderem Interesse sein. Man wird davon ausgehen können, daß zunächst das offene Herdfeuer in den "Schwarzen Küchen" zum Backen genutzt wurde. Freilich gibt es dazu keine konkreten Belege. Die langen Stiele der älteren Stücke schützten natürlich beim Hantieren vor der großen Hitze des offenen Feuers. Vermutlich diente ein Dreifuß zur Ablage über dem Feuer, der in unserer Region zu den gebräuchlichen Herdgeräten gehörte. Für das Backen von Plinsen in Wandkaminen (Leuchtkamine), wie sie im Osten Deutschlands und so auch im Fläming weit verbreitet waren, gibt es literarische Hinweise. So schreibt Otto Bölke 1922 in seinem Aufsatz "Licht im Haus": „…Um den Raum zu erleuchten, schuf man sich bei uns auf dem Fläming den sogenannten ,Kienpolder’, verschiedentlich auch als ,Kamin’ oder ,Kamintje’ bezeichnet, der jedoch ursprünglich nur zu Beleuchtungszwecken diente und erst in späterer Zeit, als sich andere Beleuchtungsmöglichkeiten boten, nur noch zum Aufwärmen von Speisen und Getränken, zum Backen von ,Plinsen’ und dergleichen Verwendung fand… ". Eine Bestätigung dieser Nutzung des Wandkamins erhalten wir in der 1959 erschienenen Veröffentlichung „Lausitzer Holzbaukunst” von Eberhard Deutschmann. Er nennt in einer Aufzählung von im Wandkamin genutzten Herdgeräten unter anderem: "…3. der flache Tiegel = s? krodlik, eine quadratische, flache Blechschale mit Handgriff, die hauptsächlich zum Plinsenbacken verwandt wurde, …". In der Lausitz, aber auch gerade in vielen Regionen noch weiter östlich war die Kochnutzung der Wandkamine viel ausgeprägter als bei uns. Nicht zuletzt zeigt ein Foto aus dem Dorf Sprey in der Niederlausitz ein Plinseisen in einem Wandkamin. 

Damit möchte ich nun endlich zu den Backgeräten selbst übergehen. Der gleichzeitige Gebrauch von Klemmkucheneisen und Plinseisen in einem bäuerlichen Haushalt ist in einem Hinterlassenschaftsinventar von 1819 aus dem Dorf Bergholz bei Belzig dokumentiert. Dort sind untereinander "ein Plinzeisen" für 4 Groschen und "ein Eiserkucheneisen" für 8 Groschen aufgelistet. Das es sich hierbei um keinen Einzelfall handelt, wird weiter unten zu sehen sein.

Der lange, am Ende hakenförmig auslaufende Stiel des Plinseisens aus Linthe von 1796, ist an seinem unteren Teil mit einem Fischgrätenmuster versehen und in der Mitte gedreht. Er übermittelt außer dem eingeschlagenen  Herstellungsjahr noch weitere Informationen – nämlich die Besitzerinitialen und eine Schmiedemarke. Durch Kenntnis von alten Steuerlisten und Kirchenbucheintragungen sind diese eindeutig, damals in Linthe lebenden Personen, zuzuordnen. Die Initialen "CN" nennen den früheren Linther Hüfner (Bauer) Christopf Nichelmann als ehemaligen Besitzer. Die eingeschlagene Schmiedemarke "IAH" steht für den Hersteller des Plinseiens. Es handelt sich um den damaligen Huf- und Waffenschmiedemeister Johann Andreas Hinze, der neben der Schmiede noch ein Kossätengut (Halbbauer) bewirtschaftete. Das Herstellungsjahr korrespondiert mit keinem familiären Jubiläum. Christopf Nichelmann war zur Zeit der Anschaffung des Plinseisens 22 Jahre verehelicht.

In Linthe besitzt Familie Wieland ein Plinseisen, das noch ab und an auf dem Gasherd zum Backen von Hefeplinsen benutzt wird. Auch dieses Stück ist eine Schmiedearbeit, aber ohne Zier und Inschrift. An der rechteckigen Backfläche (28 x 31 cm) ist ein in einer Öse endender Stiehl angenietet, der sich mit einem Knick leicht nach oben neigt. Ein sehr altertümlich wirkendes Stück stammt vom Wassermühlengrundstück im Nachbarort Schlalach. Seine unregelmäßig rechteckige Grundfläche (30 x 28 cm) hat leicht gebogene Außenkanten und nur einen sehr flachen Rand. Der in einer Öse endende Stiel ist an den Pfannenboden geschmiedet.

Auch das Museum auf der Burg Eisenhardt in unserer Kreisstadt Belzig präsentiert ein Plinseisen in seiner Ausstellung, welches erst durch meine Nachforschungen als solches erkannt wurde. Glücklicherweise ist von diesem Stück die Herkunft in den Museumsakten dokumentiert. Es stammt von der Familie Braune in Schwanebeck, westlich von Belzig. Dieses Eisen besitz eine runde Form (Ø 32 cm), von der wir bereits aus dem Ort Mehlsdorf hörten. Der angeschmiedete Stiel hat am Ende eine Bohrung zum Aufhängen.  Hervorzuheben sind hier wiederum das Hehrstellungsjahr "1872" und die Besitzerinitialen "AZ". Mit Hilfe des in der Familie Braune aufbewahrten „Ahnenpasses” war der damalige Besitzer schnell ausgemacht. Das Plinseisen gab der Hüfner (Bauer) Andreas Zimmermann 1872 in Auftrag. Da er in diesem Jahr 25 Jahre verheiratet war, kann hier die Silberhochzeit als Grund der Anschaffung angenommen werden. Wie beim Linther Eisen von 1796 wird auch hier der Mann und nicht die Frau genannt, was eigentlich zu erwarten wäre.

Ein weiteres schmiedeeisernes Plinseisen aus meiner Sammlung stammt, nach Angaben eines Trödelhändlers, aus Herbersdorf bei Dahme im Niederen Fläming. Die Backfläche ist bei diesem Eisen flachrechteckig (29 x 17 cm) und hat eine Randhöhe von 2 cm. Der in seiner Mitte zum Teil kunstvoll gedrehte Stiel ist an den flachen Partien mit einer Zickzacklinie und einigen kleinen Blüten verziert. Außerdem finden sich als Initialen ein gespiegeltes "L" und "A" darauf. Diese Verzierungen erinnern an die in diesem Raum verbreiteten Klemmkucheneisen. Ein ähnliches, aber etwas kleineres Stück befindet sich im Heimatmuseum der Stadt Dahme. Der ebenfalls angenietete und mit einer Öse versehene Stiel ist hier etwas schlichter gehalten. Aber auch ein rundes geschmiedetes Eisen (Ø 25,7 cm) mit gleichartigem Stiel befindet sich in der Dahmer Sammlung.

Als ich vor zwei Jahren bei Irmgard Schuster im Keller ihres Hauses in Meinsdorf bei Dahme dem Klemmkuchenbacken beiwohnen durfte (siehe den Beitrag im Holznagel 1/2004), überlies sie mir ihr altes, nicht mehr genutztes Plinseisen. Sie benutzte es auf der alten Kochmaschine in der Küche, wozu sie einige Ringe aus der Herdplatte entfernte, so daß das Feuer den Pfannenboden direkt berührte. Bei diesem Plinseisen ist die Backfläche wieder etwas größer (34,5 x 24,5 cm). Der angenietete Stiel ist hier auf etwa zwei Drittel seiner Länge aus einem rechteckigen Querschnitt rund geschmiedet worden, sein flaches Ende besitzt zum Aufhängen eine Bohrung. Wie für die Klemmkuchen, hat Frau Schuster auch ein Rezept für Hefeplinsen während ihres Aufenthalts 1943/44 in der Landwirtschaftsschule in Jüterbog niedergeschrieben, das als eines der vielen Beispiele nachfolgend wiedergegeben wird:

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„Hefeplinsen (für 8 Personen), Zutaten:
1 Pfund Mehl,
20 Gramm Hefe,
1 Liter Milch,
75 Gramm erwärmte Butter,
1 Teelöffel Salz,
2 Eier (oder nur Eigelb),
50 Gramm Zucker
(und Zimt, d. V.).

Von dem Mehl, der Hefe und einem Teil der Milch wird ein Hefestück gemacht, das gut aufgehen muß. Dann rührt man die übrigen Zutaten und die Milch dazu. Wenn der Teig glatt gerührt ist, gibt man die übrige Milch noch hinein und läßt alles noch einmal gehen. Eine Stielpfanne wird mit Fett bestrichen, etwas Teig darauf getan, auf beiden Seiten gebacken, mit Zucker und Zimt bestreut und zusammengerollt".

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Nun kommen wir zu den jüngeren Vertretern der Plinseisen. Diese wurden besonders ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie viele andere Kochgefäße und Küchenutensilien kostengünstiger aus Gußeisen hergestellt und lösten nach und nach die Erzeugnisse der Schmiede ab.

Bei Regina Schmidt in Herbersdorf sind noch zwei runde gußeiserne Plinseisen (Ø 24 cm) in Gebrauch. Diese Stücke besitzen je zwei seitlich eingelassene Drahtbügel als Griffe. Erhitzt werden sie auf dem großen Sparherd von 1936, der bereits keine herausnehmbaren Ringe mehr besitzt. Die Plinseisen liegen hier also nur auf der Herdplatte auf. Frau Schmidt bereitet in den Eisen Eierplinsen oder Kartoffelpuffer zu. 

Im Dahmer Heimatmuseum werden eine ganze Reihe weiterer gußeiserner Plinseisen in verschiedenen Formen aufbewahrt. Da sind zunächst rechteckige Platten mit Bügelgriffen, die auch durch einen Steg in zwei Backflächen aufgeteilt sein können. Auch die runde Form kommt dabei vor, und hier dann teilweise mit Stiel. Bei zwei Stücken sind sogar die Backflächen emailliert. Natürlich trifft man in den Sammlungen verschiedener Museen und Heimatstuben in der Niederlausitz auch auf Plinseisen, aber leider nur auf die jüngeren Stücke aus Gußeisen. Lediglich im Heimathaus in Prieros an der Spree befindet sich noch ein älteres vom Schmied gefertigtes Eisen (Länge: 56 cm), das eine längliche sechsekkige Form besitzt. Natürlich waren die gußeisernen Stücke auch als "Pfannkuchenplatten", "Eierkuchenpfannen" oder etwa als Pickertplatten in anderen deutschen Landschaften verbreitet. Nur in drei Fällen konnte ich Herstellermarken auf den Eisen feststellen. Zwei rechteckige Plinseisen (36,5 x 23,5 cm mit Mittelsteg / 27 x 18,5 cm emailliert, einflächig) aus dem Dahmer Heimatmuseum und ein rundes (Ø 31,5 cm) aus dem Heimatmuseum in Dissen bei Burg in der Niederlausitz stammen aus der "MARIENHUETTE" im Schlesischen "KOTZENAU". In Dissen hörte ich übrigens auch von der Bezeichnung „Plinstiegel” für die Eisen. Die Ränder der gußeisernen Stücke sind durchschnittlich 10 mm hoch. Sicher könnten alte Firmenkataloge weitere Hinweise auf die Hersteller von Plinseisen liefern, mir standen leider keine mit solchen Angeboten zur Verfügung.

Wie bereits oben erwähnt, werden in manchen Haushalten gelegentlich noch größere Mengen von Plinsen gebacken. Zu ihnen gehört Brunhilde Thiele aus Mörz bei Belzig. Sie beteiligt sich bereits seit 2003, am jährlich im September stattfindenden Erntefest auf dem Gasthof "Zum Taubenhaus" in Rädigke im Hohen Fläming, mit dem Backen und den Verkauf von Hefeplinsen. Der Gasthof der Familie Moritz wird den Teilnehmern der Sonntagsexkursion vom IgB-Herbsttreffen 2002 in Belzig noch gut in Erinnerung sein. Genauso wie die Frauen vom Nachbarstand, mit ihren in den historischen Klemmeisen gebackenen Klemmkuchen, kann auch Frau Thiele über einen mangelnden Absatz nicht klagen. Sie benutzt zum Backen der Hefeplinsen eine dicke Eisenplatte ohne Rand (52 x 26 cm), die an einer Schmalseite einen angeschweißten Tragebügel besitzt. Die Platte wird durch einen zweiflammigen Gaskocher erhitzt – genauso praktiziert sie es auch zu Hause. Dieses einfache Plinseisen ließ ihre Mutter 1967 für sie anfertigen, nachdem sie nach Mörz einheiratete, weil sich dort kein Eisen im Haushalt befand.

Am Ende dieses Berichtes möchte ich noch ein Plinseisen vorstellen, das erst vor kurzem in meine Sammlung gelangte. Es handelt sich kurioser Weise wieder um ein Eisen aus Linthe von 1796, welches – wie das bereits anfangs vorgestellte – vom Schmiedemeister Johann Andreas Hinze hergestellt wurde. Es gleicht auch in Form und Gestaltung dem anderen Eisen. Lediglich die Abmessungen unterscheiden sich ein wenig. Dieses Stück hatte natürlich einen anderen Auftraggeber. Es war der ehemalige Erb-, Lehn- und Gerichtsschulze Erdmann Mittelhaus, der zu seiner Zeit für die Belange des damals noch sächsischen Amtes Belzig, im Dorf Linthe zuständig war. Auch in diesem Fall lag kein Jubiläum in der Familie vor.

Ich konnte hier ein Herdgerät vorstellen, das in früherer Zeit sicher eine große Verbreitung und Bedeutung bei der Zubereitung der Alltagsspeisen besaß, das Plinseisen. Die Plinse gehörte hier in der Region des Flämings womöglich zu den Festtagsgebäcken und wurde, wie zu erfahren war, auch teilweise besonders zu Fastnachten gebacken. Glück-licherweise waren die drei datierten Stücke durch die vorhandenen Initialen ihren ehemaligen Besitzern zuzuordnen. Dadurch stellen diese Plinseisen, neben den anderen erhalten Stücken, als Sachzeugen einen besonderen heimatgeschichtlichen und kulturhistorischen Wert dar.

Fotos außer den beiden untersten auf der rechten Seite: W. Beelitz

Wolfgang Beelitz, IgB Potsdam-Mittelmark

Ein Foto aus dem niederlausitzer Dorf Sprey (Altkreis Weißwasser) zeigt neben einem alten Ofen aus Napfkacheln mit Ofenblasen und Kochröhre auch einen Wandkamin mit einem Plinseisen darin.
Unter anderem auf solchen Tellern (Durchmesser 32 cm ) aus Irdenware, wie diesem aus Linthe, wurden früher die Plinsen gestapelt und serviert. Um 180° gedreht, wurden sie auch als Topfdeckel benutzt.
Dieses Plinseisen fertigte 1796 der Huf- und
Dieses Plinseisen fertigte 1796 der Huf- und
Aus der Wassermühle in Schlalach bei Treuenbrietzen stammt dieses altertümliche Plinseisen (Länge: 63 cm).
Das runde Plinseisen des Hüfners Andreas Zimmermann aus Schwanebeck bei Belzig wurde 1872 wahrscheinlich zur Silberhochzeit in Auftrag gegeben (Länge: 72 cm).
Das runde Plinseisen des Hüfners Andreas Zimmermann aus Schwanebeck bei Belzig wurde 1872 wahrscheinlich zur Silberhochzeit in Auftrag gegeben (Länge: 72 cm).
Aus Herbersdorf bei Dahme im Niederen Fläming stammt dieses Plinseisen mit flachrechteckiger Backfläche und den Initialen „LA” (Länge: 65,5 cm).
Aus Herbersdorf bei Dahme im Niederen Fläming stammt dieses Plinseisen mit flachrechteckiger Backfläche und den Initialen „LA” (Länge: 65,5 cm).
Etwas schlichter gehalten ist das Plinseisen
Die beiden runden gußeisernen Plinseisen
Runde Plinseisen aus Gußeisen gibt es auch mit einem Stiel, wie dieses Exemplar aus dem Heimatmuseum in Dahme zeigt (Länge: 45 cm, Ø 27 cm).
Im Dahmer Museum sind auch rechteckige gußeiserne Plinseisen vorhanden. Sie können, wie hier, durch einen Mittelsteg in zwei Backflächen aufgeteilt sein (Fläche: 36,5 x 23,5 cm).
Das Detailfoto von der Rückseite zeigt eine Artikelnummer und die Herstellermarke der schlesischen „MARIENHUETTE KOTZENAU”.
Das Plinseisen des Dorfschulzen Erdmann Mittelhaus aus Linthe aus dem Jahre 1796 ist das zweite erhaltene Eisen aus diesem Jahr (Fläche: 31 x31 cm, Länge: 85 cm).
Das Plinseisen des Dorfschulzen Erdmann Mittelhaus aus Linthe aus dem Jahre 1796 ist das zweite erhaltene Eisen aus diesem Jahr (Fläche: 31 x31 cm, Länge: 85 cm).
Brunhilde Thiele aus Mörz, beim Backen von Hefeplinsen auf dem Erntefest 2003, in Moritz’ Gasthof „Zum Taubenhaus” in Rädigke im Hohen Fläming.
Pickertbacken. Hist. Foto aus dem westfälischen Ort Wehdem