Mehlsack-Rüttelkasten und Flotte Lotten

Was machen Sie eigentlich, wenn der Strom ausfällt?

Wir (alle) haben uns mittlerweile derart an diesen komfortablen Energie-Spender gewöhnt, dass bei einem Ausfall nicht nur private Haushalte aus dem Lot geraten, sondern im Zweifel ganze (Volks-) Wirtschaften am Stock gehen würden – wenn’s denn länger dauert. Glücklicherweise sind die Ausfälle in Deutschland meistens noch selten und kurzfristig, und die damit verbundene "Beunruhigung" hält sich dann auch in Grenzen. Geht die Uhr gen Mitternacht, ist vielfach auch relative Entspannung angesagt: schnell eine Kerze anzünden – wann hat man sonst auch Gelegenheit, eine „heimeliche“ Stimmung zu erzeugen – und dann schnell ab ins Bett.

Tagsüber würde es aber durchaus kritisch werden: Unsere computergestützten Verwaltungen und Produktionsbetriebe müssten Zwangspausen einlegen – und natürlich bleibt auch die Küche kalt. Das geringste Übel wäre noch, dass man auf so sinnige Erfindungen wie elektrische Messer und Dosenöffner verzichten müsste. Der Ausfall des Herds ließe sich auch kompensieren, da sich doch in fast jedem deutschen Haushalt mindestens ein holzkohle-befeuerter Grill befindet. Diese Anheizer männlicher Ur-Instinkte eignen sich zwar nicht unbedingt zum Kaffee-Kochen, aber die Forderung, "etwas Warmes braucht der Mensch", ließe sich damit ansatzweise erfüllen.

Und – dabei ist es doch noch gar nicht so lange her, dass in unseren Küchen und Werkstätten noch echte Handarbeit angesagt war – und vieles lief ohne Motor.

Unter dem Motto „Ohne Motor“ eröffnete das Freilichtmuseum Klockenhagen am 1. April (kein Scherz) eine Sonderausstellung, die an die gute alte Kurbel erinnert. Zusammengetragen wurde so allerlei fast vergessenes – zwischen nützlich und kurios. Viele der ausgestellten Objekte dürften den meisten noch bekannt sein – und rufen sicherlich nostalgische Erinnerungen wach. Gameboy-trainierte Jugendliche dürften sich in der Ausstellung aber sicherlich irgendwie zwischen Hilflosigkeit und Lachanfall bewegen.

Angetan hatte es mir ein Holzkasten, der auf den ersten Blick eine Kreuzung aus Sekretär und mechanischem Klavier zu sein schien. Das Ding entpuppte sich dann als sogenannter Mehlsack-Rüttelkasten aus einer Bäckerei. Die leeren Mehlsäcke wurde links gewendet auf die Stempel gehängt, Klappe zu und dann kräftig an der Kurbel gedreht. Unten in der Schublade landete dann das Mehl.

Das Freilichtmuseum in Mecklenburg-Vorpommern ist für Interessierte sicherlich immer eine Reise wert – und die Sonderausstellung mit Sicherheit eine amüsant-informative Abwechslung; täglich geöffnet von 9-17 Uhr.

Info: Museumsverein Klockenhagen
Mecklenburger Str. 57,
18311 Ribnitz-Damgarten
Telefon: 03821-2775

Ananda Mide

Kein vollwertiger PC-Ersatz - Russische
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