Die Wärme der Sonne

Sonnenenergie haben die Menschen schon immer genutzt. Auch in einer Zeit bevor man in energieaufwändigen Prozessen dünne Silizium scheiben herstellte, die es vermögen, bestenfalls 20 % der in der Sonnenstrahlung enthaltenen Energie in elektrischen Strom umzuwandeln. Letztendlich ist ja alle Energie, die im Holz und in den Pflanzen steckt, gespeicherte Sonnenenergie. Doch die wärmenden Strahlen wurden auch direkt genutzt. Auch im Winter kann eine massiv gemauerte Südwand einen großen Teil der Strahlungswärme aufnehmen und so die Heizenergieverluste des Hauses deutlich reduzieren – ein Effekt der mit moderner Wärmedämmung übrigens verloren geht. 

Im Sommer ist diese Erwärmung lästig, will man es doch im Haus kühl haben, wenn draußen die Hitze mächtig wird. Auch zum Kühlen braucht unsere moderne Gesellschaft immer mehr Energie. Verglaste Gebäudefassaden lassen mit dem Licht viel Sonnenwärme in die Gebäude dringen, die dann technisch wieder nach außen befördert wird. Unsere Vorfahren haben sich nicht selten durch geschickte Bepflanzung geholfen. Ein Baum im Hof spendet im Sommer nicht nur Schatten, bei der Verdunstung über die Blätter werden erhebliche Wärmemengen verbraucht. Das können 80 % der eingestrahlten Eneriemenge sein. Eine asphaltierte Fläche dagegen wandelt 90 % dieser Energie in Wärme um.

Die heute üblichen Koniferen können solche klimatische Hilfe nur sehr begrenzt leisten. Nicht allein dass ihre Verduns tungsrate weit geringer ausfällt. Sie werfen auch im Winter Schatten. können aber den Wind abhalten. Das ist eine andere energierelevante Einsatzmöglichkeit für Pflanzen. Efeu, der an der West- oder Nord fassade eines Gebäudes emporrankt, bremst den Wind aus und reduziert die Luftbewegung an der Oberfläche der Hauswand. Weniger Wärme kann in die Luft übergehen, der Ergieverlust wird ein wenig gesenkt. Darüber hinaus schützen die Pflanzen den Putz vor Schlagregen und auf den südlichen Seiten vor übermäßiger Erhitzung, die leicht zu Spannungen und Rissen führt. Allerdings sollte man nach den südlichen Seiten Wein ranken lassen, damit im Winter die Sonne das Mauerwerk erwärmen kann.

Solche Regeln wurden in der Vergangenheit beim Bauen beachtet. Weniger aus Kenntnis der Zusammenhänge, vielmehr aus Erfahrung und „weil man das eben so macht“. Die Wirkungen sind relativ ungewiss, nicht ohne weiteres quantifizierbar. Das scheint mit einer Styroporschicht einfacher zu sein. Bei der und der Dicke ist der Wärmedurchgang so und so groß, dann spart man bei 20 °C Raumtemperatur und -5 °C Außentemperatur so und so viel Energie. Nur nicht, wenn die Bewohner plötzlich auf 22 °C heizen und die Außentemperatur schwankt. Dann wird alles anders und komplizierter und ohne Erfahrung kaum mehr als ein Zahlenspiel.

Aus den Erfahrungen unserer Vorfahren sind die heute historischen Bauweisen entstanden. Wenn wir sie gut erhalten und genau ansehen, können wir daraus eine Menge lernen. Auch über die Nutzung von Sonnenenergie. 

Olav Helbig

Zwei große Bäume auf der Südseite dieses Hauses lassen im Winter dennoch die Sonne auf Wand und Dach scheinen, so dass diese von den Strahlen erwärmt werden. Im Sommer spenden die belaubten Kronen Schatten und verhindern ein übermäßiges Aufheizen des Hauses.