Zwei Feuerstellen im Vogtland

Bis weit in das 19. Jahrhundert brannten in den Häusern mit Herdstellen über eine große Zeit des Tages offene Feuer unter einer Mantelesse. Diese Orte der Speisenzubereitung sind heute als „schwarze Küchen“ bekannt. Entstanden ist der Name durch die Schwärzung zumindest der Esse und eines, wenn vorhanden, Küchengewölbes. Im Vogtland heißen diese heute nur als kalte, in Stein gesetzte dunkle Orte erhaltenen Räume Rußküchen. Es handelt sich hier aber nicht um den bekannten trockenen, staubigen Ruß, sondern um Glanzruß, der in Verbindung mit Fetten entsteht. Dieser Glanzruß bildete das Pigment für sogenannte Bisterlasuren in Stuben, in ihrer Erscheinung rotschwarz bis dunkelschwarz und aufgrund des Fettgehaltes polierbar. Der dadurch entstehende edle Glanz wertete die Stuben auf. Wer wo und wann darauf gekommen ist, aus diesem Abfallprodukt einen wertvoll erscheinenden Stubenanstrich mit Leim oder Öl herzustellen, bleibt verborgen. Verbreitet bekannt sind Bisterlasuren zumindest seit dem 17. Jahrhundert. 

Im Vogtland sind die Rußküchen schon im 18. Jahrhundert in Bruchstein errichtet worden. In den ländlichen Wohnstallhäusern in Blockbauweise erreichen die Mäntel der Essen keine vier Quadratmeter Fläche, was der Größe der Küchen überhaupt entspricht. Von diesem kleinen Raum aus wurde zusätzlich zum Herdfeuer auch der Stubenofen und der Backofen befeuert und bedient. Der Kochofen, der in der Stube stehend ebenfalls als Hinterlader funktionierte, brachte dem kleinen Raum etwas mehr Bewegungsfreiheit. 

Die Feuerstelle im Haus war so etwas wie dessen Mitte, aber auch einzelne Räume konnten durch ein sogenanntes Vorgelege vom Flur aus befeuert werden. Erst mit dem Kachelofen des 19. Jahrhunderts wird vom beheizten Raum aus gefeuert.

In einem wohl ehemaligen Gasthof in Markneukirchen steht heute noch in der Mitte des Hauses eine sehr große Mantelesse über einer Fläche von etwa sieben Quadratmetern. Entsprechend der Verjüngung der Esse nimmt sie im Flurraum darüber eine entsprechende Fläche ein und zeichnet sich durch die nach oben verjüngte Form aus. Solche eine heute fremd erscheinende Form prägte bis ins 20. Jahrhundert hinein das ländliche Haus mit Herdstelle oder Vorgelege.

Von der Stadt ausgehend erobert im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts mehr und mehr die Kochmaschine als Herdstelle mit gefangenem Feuer und russischer Röhre zur Rauchableitung das ländliche Haus. So entsteht die weiße, die rauch- und rußfreie Küche, die dadurch nun auch dem Wohnen zugeschlagen werden kann.

Eiserne Öfen, von der Stube aus befeuert, erscheinen ebenfalls im 19. Jahrhundert, in der Regel mit Röhre, Wärmfach und Wasserschiff, um zumindest im Winter als Kochofen genutzt werden zu können. Wie weit solch eine Nutzung gehen konnte, zeigt eine Situation im vogtländischen Wohlbach. Aus der Abdichtung mit Silberfolie zu schließen, wurde der Ofen auf einem Holzpodest mit Feuerloch ohne Verschluss bis in das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts genutzt. Die Intensität seines Betriebes zeigt der schwarz verkohlte Würfelbruch im Deckenbereich über dem Ofen. Der Brandschutz fand in Erlässen und Verordnungen über Jahrhunderte große Beachtung, in der Lebenspraxis wurde offensichtlich dem Stoßgebet zum heiligen St. Florian mehr vertraut, auch im protestantischen Vogtland und weit darüber hinaus.

Thomas Noky

Alle Fotos: Th. Noky

Ein Vorgelege im Oberflur eines Gasthofes in Markneukirchen, wohl zur Beheizung eines Gastzimmers. Durch die Entfernung zur Esse der Küche wurde hier eine zweite Esse im Haus notwendig.
Eiserner Ofen in Wohlbach. Die Schwärzung der Stube rührt hier weniger von einer Bisterlasur her, sondern mehr von der Nutzung des Ofens.
Markneukirchen, Essenmantel im Flur des Oberstocks des Hauses, links daneben ein Vorgelege zur Beheizung des Ofens der Oberstube.
Markneukirchen, schwarze Küche, wohl in einem ehemaligen Gasthof.