Wärme für ein altes Haus

Bei der Sanierung unseres Fachwerkhauses in der Lommatzscher Pflege (Siehe Beitrag in Heft Nr. 4/2007) wollte ich einerseits möglichst viel Originales vom alten Haus erhalten – andererseits sollten die Wohnräume auch heutigen Standards entsprechen: Ein Zielkonflikt der für viel Kopfzerbrechen sorgte. Über meine Erfahrungen bei der Kompromisssuche möchte ich im Folgenden berichten. 

Bei der Auswahl der Haustechnik ging ich von der Idealvorstellung aus, möglichst erneuerbare Energien zu nutzen und weitgehend unabhängig von Energiekonzernen zu sein. Für das Beheizen von mehreren Einzelöfen fehlt mir jedoch die Zeit: In der Woche ist die ganze Familie tagsüber in Meißen. Also sollte es eine zentral betriebene Heizung sein. Eine einfache Form wäre ein Holzherd mit Wassertaschen, der die Küche direkt erwärmt. Weitere Räume könnten mit angeschlossenen Heizkörpern nach dem Schwerkraftprinzip beheizt werden. Doch ist der Wärmebedarf unseres freistehenden Fachwerkhauses recht hoch und das Verbrennen der benötigten Holzmenge in der Wohnküche würde zu einer Überhitzung dieses Raumes führen.

Wesentlich komfortabler ist ein Holzvergaserkessel mit Pufferspeicher. Als Heizungsraum wählte ich den ehemaligen Stall im Haus: über die separate Türe zum Hof kann das Holz mit der Schubkarre antransportiert werden. Der Lärm vom Gebläse und der Staub belasten nicht die Wohnräume, und die Abwärme kommt wenigstens zum Teil über die Zwischenwände dem Haus zugute.

Wenn der Kessel die 1500 l Wasser im Pufferspeicher erwärmt hat, steht über einen Wärmetauscher eine große Menge frisches Warmwasser zur Verfügung. Im Winter wird der Kessel abends geheizt, wenn die meiste Wärme benötigt wird. Über Fußleisten wird die Wärme gleichmäßig im Haus verteilt, und sorgt für warme und trockene Wände – auch in Raumecken und hinter Möbeln. Im Sommer genügt es, einmal in der Woche den Puffer für die Warmwasserversorgung zu erwärmen. Eine sinnvolle Ergänzung für den Holzkessel wären Sonnenkollektoren bzw. ein Pelletbrenner. 

Um auch bei Stromausfall eine Heiz- und Kochmöglichkeit zu haben, steht in der Wohnküche ein holzbefeuerter Herd. Dieser leichte Ofen ist eine gute Ergänzung zur zentralen Heizung: Er liefert schnell Wärme, wenn die Wohnung einmal ausgekühlt ist. Am Wochenende werden früh in der Röhre die Brötchen aufgebacken. Auch zum Trocknen von Kräutern oder nasser Kleidung leistet er gute Dienste. 

Die Kleinteiligkeit unseres alten Bauernhauses hat energetische Vorteile: Kleine Räume mit relativ niedrigen Decken lassen sich einfacher erwärmen. Deshalb sollte man auf abgeschlossene Räume mit dicht schließenden Türen achten. Offene Grundrisse oder gar Räume über mehrere Etagen führen zu mehr Luftbewegung und damit zu einem Verlust an Behaglichkeit.

Auch die Farben und Baustoffe in der Wohnung haben Einfluss auf das Wärmeempfinden. Weiß und Blau wirken kühlend, Rot- und Gelbtöne wärmend. Ein Korkfußboden fühlt sich auch ohne Fußbodenheizung angenehm warm an – durch die geringe Wärmeleitfähigkeit. 

Nach nunmehr 7-jährigem Betrieb unserer Heizung kann ich noch folgende Hinweise geben: Bei der Auswahl des Kessels sollte man darauf achten, dass er leicht zu reinigen ist. Und das günstigste Feuerholz wächst im eigenen Grundstück: Die große Obstwiese und etwa 20 Kopfweiden haben heute auch einen Nutzen als Feuerholzplantage – und sollten gepflegt und erhalten werden.

Hans-Martin Fröhner

Ergänzt „mit schneller Wärme” die zentrale Hausheizung und dient verlässlich noch einigen anderen Zwecken – ein holzbefeuerter Herd.
Von der Natur aus ideal gespeicherte Energie: Brennholzstapel an der Hofzufahrt.
Gleichmäßige Verteilung der Wärme durch (umkleidete) Fußleisten.