Energiepropaganda im Kreislauf, oder: Wie man richtig viel Geld verschwendet

1. Teil

Nach der Wende hatte mich das Energiesparfieber gepackt. Ich fand die Möglichkeiten, die es plötzlich gab, noch nie dagewesen und einfach himmelhoch grandios. Ich rechnete es mir sogar soweit aus, dass ich in einem Haus auf dem Lande völlig unabhängig von allen weiteren Energiemedien sein könnte. Kataloge horteten sich über Wind räder und Windkräfte und Vertreter von Solarsystemen gaben sich fast die Klinke in die Hand. Ich stellte mir mein eigenes Windrad vor und wie die Sonnenenergie auch an Wintertagen regelrecht durch ein ausgeklügeltes System von Röhren und Speichern pulsiert und das Haus mit erwärmt. Firmen setzten noch eins drauf. Sie meinten, das sei alles längst überhaupt kein Problem mehr und meine Vorstellungen seien absolut realistisch. 

Von einer bekannten Heizungsfirma aus der Nähe von Meißen als das allerallerbeste, dass allerallerinnovativste und dass allerallerrationellste heiß empfohlen und vom Staat mit zweieinhalb Fördertausendern unterstützt, habe ich damals stolze 27.000 DM für 7 m² nonplusultra Solarkollektoren einschließlich Montage auf den Tisch geblättert. Der fromme Wunsch nach eigenem Windrad war dann doch etwas zu hoch gestochen. Das erwies sich bald als Glücksfall. Der Verzicht auf ein Windrad war die Rettung meines Hausenergiesystems. 

Beim Ausfüllen der Lücke für die nun nicht fließenden Windkraftwärme kam „...nur ein bisschen Strom vom Netz...“ in Frage, so wie mir es Fachfirma und Stromversorger versicherten. Strom wurde genauso heiß angeboten wie die Solarflächen. Nachtstrom, bitte schön, billig für ewige Zeit. Ich wunderte mich nur, dass sich die Dorfbewohner über mich wunderten. Wie ich die Winter über in einem Haus leben konnte, welches keinen Schornstein besaß.

Es wäre ungerecht, wenn ich sagen würde, die Anlage lief schlecht. Zumindest bügelte der Strom über Jahre den sich als kläglich herausstellenden Effizienzgrad der Solaranlage einigermaßen aus. Solaranlagen sind nur in wenigen Fällen nördlich der Alpen wirklich effektiv, wurde mir sonnenklar: Im Sommer konnte ich an einem Tag durchaus 12 bis 14 mal die Badewanne voll sonnenbeheiztes heißes Wasser laufen lassen und stolz hineinsteigen. Aber da zog ich doch lieber ein Freibad im kühlen Wasser vor. Und bei etwas kühleren Temperaturen und Wolkenhimmel brach die Wärmezufuhr „von oben“ abrupt zusammen. Das Haus blieb sozusagen kalt für viel Geld. 

Wenn ich mir heute alles in Ruhe überlege, hätte ich damals viel Geld sparen können. Wenn ich am Energiesparsystem gespart hätte. Wäre das relativ kleine Haus nur mit Nachtstrom beheizt worden und nur allein der Heizanteil des Stroms hätte jedes Jahr 1200,00 DM (600,00 €) gekostet, ich hätte heute noch gutes Geld übrig! Für den nachträglichen Einbau eines Kachelofens zum Beispiel. Ich gab zumindest in meinem Inneren zu, dass die anderen Dorfbewohner doch ein bisschen Recht hatten mit der Frage nach dem Schornstein seinerzeit...

Leider bin ich mit meinen 7m² Solarfläche gezwungen andere Wege zu gehen. Irgendwann werde ich sie einmal abbauen, was eine Menge Geld kosten wird. Zweitens dann muss ich die offene Dachfläche sanieren, was wiederum eine Menge Geld erfordert. Und schließlich drittens muss ich die sperrige Anlage wegtransportieren und entsorgen lassen. Auch das schlägt wiederum finanziell kräftig zu Buche...

2. Teil

Ein Bekannter, der etwas über 30jährige Steffen S., kam vor etwa einem halben Jahr begeistert von der Dresdner Hausmesse. Ich weiß, dass er vorhat, für sich und seine Familie ein Haus zu bauen. Ich dachte, als er so berichtete, dass ihn das Energiesparfieber regelrecht gepackt hat. Er schwärmte von Möglichkeiten, die es heute gibt, die einfach grandios sind. Er rechnete sich sogar aus, damit in dem zukünftigen Haus auf dem Lande weitgehend unabhängig von allen weiteren und immer teurer werdenden Energiemedien leben zu können. Ihm hatte es ganz besonders die Sonnenenergie, die Fotovoltaik, angetan. Er beschrieb mir, wie diese auch an Wintertagen durch ein ausgeklügeltes System von Röhren und Speichern pulsieren und das Haus effektiv mit erwärmen würde ...

Halt!

Ich stutzte.

Spätestens an dieser Stelle kam mir etwas bekannt vor.

Und ich merkte, dass es längst nicht nur meine Geschichte ist... 

Manfred Hammer