Energiekaleidoskop

Über Strom, Gas, Wasser, „Windmühlen“ reden alle, auch wenn fast keiner wirklich etwas davon versteht. Dazu gibt es die Luftnummern der „tolkrunden“, Interviews, Vorträge, Artikel, Berichte, die leeren Redensarten in den Parlamenten sind nicht besser. Gesetze und Regelungen werden oft von anonymen Mächten vorgeschlagen: Monopolen, Verbänden, Vereinigungen. Die Parlamente stimmen schließlich dem zu, was die Interessengruppen oft selbst erarbeiteten und durch ihre „Ohrenbläser“ schmackhaft machten! Wir erleben nur: wenn die Versorgung auch nicht besser wird, so wenigstens bald wieder teurer - und das nicht erst nach dem nächsten „Zettelfalten“, sondern ständig.

Das Teurerwerden erfolgt regelmäßig. Mal ist es Strom, Wasser, Abwasser, oder Gas, aber fast alle Jahre etwas. Alle Profiteure versuchen zu erklären, dass es immer nur das unbedingt Nötigste wäre und dass die, die durch die Erhöhungen profitieren, sich auf das absolute Minimum beschränkten – nur die Autos der Chefs und die Verwaltungsgebäude werden immer größer. Wieso eigentlich?

Richtig daran ist, das diese großartigen, kostbaren Dinge in der DDR keine Rolle spielten, sie waren scheinbar selbstverständlich und wahrhaft billig, auf einem Preisniveau eingefroren, das Jahrzehnte vorher gültig war. Darum schätzte man diese Kostbarkeiten auch nicht so recht. Die Rohstoffpreise stiegen schon, die Anlagen konnten nur bedingt unterhalten und modernisiert werden. Unterdessen vergingen seit 1990 zwei Jahrzehnte der nicht nur grundsätzlichen Modernisierungen und des Neubaues. Gleichzeitig ging die Abnahme von Wasser, Strom und Gas deutlich zurück. Trotzdem steigen die Kosten? Wie könnte man das plausibel zu begründen versuchen? Man begann bewusster mit Strom und Gas umzugehen. Vielleicht läuft jetzt auch etwas weniger Trink- und Abwasser unkontrolliert weg und irgendwohin. Neu sind nur die Installationen der „Telekom“, denn auf diesen Gebieten tat sich in den beiden letzten Jahrzehnten Großartiges, wofür wir auch gründlich und teilweise verständlich „abgerubelt“ werden.

Langsam werden sich alle darüber klar, dass es so wie bisher mit der Energie nicht weiter gehen kann. Nur beim „Wie weiter?“ scheiden sich die Geister! Fast jeder hat eine andere, meist universelle Lösung und am lautesten sind die, die die wenigste Ahnung von der Sache haben. Der Unterschied besteht nur darin, dass die ganz oben auch oft als Ahnungslose entscheiden, wir ganz unten dann aber alles zu bezahlen haben. Die vorgeschlagenen Lösungen sind nicht nur vielgestaltig, sie scheinen grundsätzlich, schließen aber oft einander aus. Sie müssen sich aber ergänzen und nicht ausschließen. Jeder behauptet, die einzig wahre und grundsätzliche Lösung gefunden zu haben. Auf andere Vorschläge hört man nicht oder kaum, denn „man“ ist ja überzeugt, dass sie sowieso nicht funktionieren können.

Nun folgte nach 25 Jahren die nächste Pleite mit dem Atomstrom, obwohl gerade die Atomstromlobby – oder besser „-mafia“? – kurz vorher die Bundeskanzlerin so schön beim Verlängern der Laufzeiten der kaum Kohlendioxid produzierenden Meiler eingewickelt hatte, womit es möglich schien, diese Umweltvergiftung zu verzögern. 

Doch es wissen alle, das keiner weiß: Wohin mit dem Atommüll? Wieso konnte man dennoch die Laufzeiten der Meiler verlängern, wenn Grundsätzliches nicht gelöst ist? Was wird eigentlich mit dem Zeug, das anfällt, falls man wirklich einmal ein paar Atombomben verschrottet? Wieso wird das Militär mit sicher ungleich größeren Mengen bei den Betrachtungen ausgespart? Warum erfahren wir nicht, wann unsere amerikanischen Freunde ihre Depots in Deutschland von dem Teufelszeuge räumen? Bisher sind wir nur „unsere teuren sowjetischen Freunde“ losgeworden. Sie „schaufeln“ vielleicht alles in die Barentsee zu ihren ausgemusterten, atomgetriebenen Kriegsschiffen und warten auf ein Wunder!

Man wird also noch eine Weile darüber reden und hoffentlich einen akzeptablen Kompromiss finden – nicht bloß erfinden. Wir hören auch da zu oft von einzigartigen alternativlosen Lösungen, die alle den Schönheitsfehler haben, dass sie höchstens bedingt brauchbar sind. Die Politiker reden oft und lange, es muss ja nicht gleich zur Sache sein. Entscheidend scheint vielmehr, wer von welcher Partei wie lange tönt oder dröhnt oder einfach nur im Fernsehen zu sehen ist. Schnelle Entscheidungen müssen her, die zu vergessen sind, wenn das nächste Problem da ist, das man ebenso wenig lösen kann!

Aber die Dinger potenzieren sich zum Unentwirrbaren. Sicher ist es richtig, auf eine baldige Lösung zu drängen – die nächsten Probleme stehen ja schon hinter der Tür. Zu bedenken ist vorher noch sehr viel und Gegensätzliches abzuwägen, um einen halbwegs akzeptablen Kompromiss zu finden! Wenn gedacht wird, so geschieht das nicht immer in Zusammenhängen, Folgen und Konsequenzen, die in die Erwägungen eingeschlossen werden müssten, sondern vor allem in egozentrischen Bahnen.

Das uns „Ostgermanen“ als Forderung noch bekannte und viel beschworene „gesamtgesellschaftliche Denken“ reimt sich scheinbar nicht auf die gegenwärtige Gesellschaft und geht im Parteiengezänk unter. Radikale Lösungen sind meist utopisch – klingen bloß gut. Die praktikablen sind einzusehende, begründete Kompromisse. Mit dem Atomstrom wäre man den sehr grundsätzlichen Herausforderungen des Klimawandels entgegen gekommen.

Man redet heute sehr viel von „alternativen Energien“. dahinter verbirgt sich erst einmal ein großes Geschäft der Hersteller und Betreiber von Windturbinen. Dank der enormen Förderungen, erreicht durch eine perfekte Lobbyarbeit. Man versäumt aber zuzugeben, dass die angegebenen Strommengen ideale Werte der nicht ständig arbeitenden Anlagen sind. Andere Lösungen sind mit anderen Mängeln behaftet. Die wohl äußerlich am wenigsten störenden Lösungen sind die mit den tief gebohrten Wärmepumpen, deren Installationen zunächst teuer sind. Die Agitatoren für diese Lösungen kamen zu spät und waren nicht laut genug, als es um die Pfründe ging.

Wirkliches Sparen durch bewusste Energienutzung könnte schon viel bringen, auch ohne auf das Niveau extremer oder militanter Grüner zu verfallen. Verschiedene Fortschritte sind überall zu erleben. Dass auch damit verbundene Profitstreben wird im Falle der völlig überteuerten Sparbirnen zur Farce, wenn ich nachrechne, wie lange ich für die zusätzlich gezahlten Euro eine traditionelle Glühlampe weiter nutzen könnte. Und: Wo entsorge ich eigentlich eine nicht mehr brauchbare Energiesparlampe?

Rudolf Priemer