Wärme und Licht aus dem Wald

Eine warme Stube und ein Dach über dem Kopf sind allezeit geschätzt worden. Herd und Kachelofen waren der Mittelpunkt eines ländlichen Hauses. Einige heute vergessene Bräuche unterstrichen dies. Verließ die Braut nach der Hochzeit das Elternhaus, dann beugte sie sich zuvor noch einmal über den Herd und schaute in den darüber befindlichen Rauchschlot. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass sie später das Heimweh befällt. Beim Eintritt in das neue Heim hingegen sollte sie zuerst den Herd umschreiten. Beim Verkauf des Hauses oder Bauerngutes sicherten sich die Vorbesitzer stets das Anrecht auf einen Platz auf der Ofenbank und die Berechtigung, im Ofen oder auf dem Herd zu kochen. 

Der Lehrer Moritz Martin, der am Ende des 19. Jahrhunderts in einer größeren Studie das Leben in den Dörfern der Sächsischen Schweiz um 1800 beschrieben hat, wusste von den Öfen zu berichten, dass sie wie kleine Festungen „auf der nach der Hausflur zugekehrten Seite der Stube“ standen und „wahre Holzmörder“ waren. Diese Öfen wurden in den waldreichen Gebirgsdörfern ausschließlich mit Holz „gefüttert“. Das Feuer durfte möglichst nicht ganz verlöschen, denn das Entfachen einer neuen Flamme mit Feuerstein, Stahl und Zunder war sehr mühsam.

Das Holzschlagen im Walde und der Transport der Stämme und des Reisigs an die Gehöfte und Häuser gehörten nach der Beendigung des Getreideausdrusches mit Flegeln zu den wichtigsten Winterarbeiten der Bauernfamilie. Sobald es Frühling wurde, begann man mit dem Zerkleinern des Holzes und Reisigs, das man zum Trocknen in Stapeln und Feimen aufschichtete. Das getrocknete Reisig wurde vor allem zum Anfeuern verwendet.

Wer keinen eigenen Wald besaß und nicht über das erforderliche Geld zum Kauf von Brennholz verfügte, musste seinen Holzbedarf mit Leseholz decken. Das Sammeln von Leseholz war nur mit Zustimmung der Waldbesitzer oder der Förster erlaubt. Mitunter musste ein Leseholzschein erworben werden. Gesammelt werden durften nur auf den Boden gefallene dürre Äste und abgestorbenes Holz, das man ohne Hilfsmittel von den Bäumen brechen konnte. Die Verwendung von Sägen und Äxten war streng verboten. Wer dieses Verbot überschritt war ein Holzdieb und musste mit einer Bestrafung rechnen.

Es war auch noch bis ins 19. Jahrhundert üblich, die Stuben mit brennenden Kienspänen (Späne aus stark harzhaltigem Holz) zu beleuchten. Ein solcher ungefähr 50 cm langer Span brannte mit kleiner rußender Flamme etwa 10 Minuten. Während dieser Zeit musste das verkohlte Holz mehrfach abgeriffelt werden. Die Kienspanbeleuchtung erforderte eine ständige Beaufsichtigung. Da bis zur Verwendung von Gas, Öl und Elektrizität in den ländlichen Haushalten für die Speisenzubereitung auch im Sommer der Ofen geheizt werden musste, nahm auch in dieser Jahreszeit der Holzverbrauch nur wenig ab.

In Hinterhermsdorf (Hintere Sächsische Schweiz) erhielt bis zur Ablösung der im 16. Jahrhundert erworbenen Waldnutzungsrechte jeder Bauer alljährlich fünf Klaftern und jeder Häusler vier Klaftern Brennholz aus den umliegenden Amtswaldungen. Insgesamt lag um 1800 der Brennholzbedarf des etwa 1000 Einwohner zählenden Dorfes bei 498 Klaftern Holz (1 Klafter entspricht 2,45 m3). Außer dem Brennholz standen jedem Bauern für die Herstellung von Kienspänen jährlich zwei sogenannte „Schleiskiefern“ in einer Länge von je 24 Ellen (ca. 13 Meter) zu. Die Häusler hatten jeder eine solche „Schleiskiefer“ zu beanspruchen. 

Wurde nach dem Schlachten des Hausschweines Wurst, Fleisch und Speck in der Esse geräuchert, dann durfte des Geschmackes wegen nur Buchenholz verbrannt werden. Die beim Heizen anfallende Holzasche war ein guter Dünger für Felder und Wiesen. 

Viele ländliche Haushalte gingen erst am Ende des 19. Jahrhunderts zur Verwendung von Kohlen bei der Heizung der Öfen über.

Manfred Schober

Beim Aufschichten einer Holzfeime, Cunnersdorf (Sächsische Schweiz) 1970
Ofen in der Stube eines Häuslers in Hinterhermsdorf. Foto um 1900.