Wie werde ich Energiesparlampen mit gutem Gewissen wieder los?

Diana Wetzestein

Wanfried. Wohin mit den Energiesparlampen (ESL), wenn ich sie nicht mehr in der Wohnung haben möchte? Meine Frage beantwortet mir die Seite der Deutschen Umwelthilfe im Internet. Unter „Ihre Sammelstellen“ finde ich in der direkten Umgebung: dm-Drogeriemarkt und Kaufland in Eschwege und die Müll-Deponie in Weidenhausen.

Mein Gewissen plagt mich, weil ich glaube, mit den ESL Giftmüll gekauft zu haben. Acht ESL habe ich, sechs leuchten nicht mehr, ich habe sie in Zeitungspapier eingewickelt, zwei sind noch neu und originalverpackt. Bei deren Anblick überkommt mich ein ungutes Gefühl: mein Haus ist bald gefahrenfrei, aber mit dem Sondermüll könnte ich andere gefährden. Ich will alles richtig machen und nehme meine Verantwortung ernst.

Aufmerksam wurde ich durch den Dokumentarfilm „Bulb Fiction“, in dem gesagt wurde, dass 80 Prozent aller ESL über den Hausmüll entsorgt werden. Das Quecksilber kommt so in unser Trinkwasser, eine unglaubliche Vorstellung für mich. Danach war mir klar: die Dinger sind giftig. Wenn die zu Bruch gehen, wird das Nervengift Quecksilber freigesetzt. Immerhin sind noch bis zu fünf Milligramm des Schwermetalls pro Lampe erlaubt, das soll erst ab 2013 halbiert werden. Die Verfechter dieser Dinger sprechen von “geringen Mengen Quecksilber“, aber: der ausstrahlende Dampf ist toxisch. Einige Birnen werden darum mit Kunststoff ummantelt, das macht sie noch teurer und angeblich unzerbrechlich. Die Filmemacher kritisieren die Studie, in der die Quecksilberbelastung durch zerbrochene Lampen untersucht werden sollte, alles andere als wissenschaftlich sauber sei diese gewesen. Tatsache ist: nur fünf Lampen wurden überhaupt untersucht, auf diesem Ergebnis fußt der EU-weite Beschluss zur Einführung der ESL. Jetzt haben wir die Dinger, die in der Energiebilanz nur ein Prozent ausmachen.

Zurück zu meinem ESL-Ausstieg: Da die Müll-Deponie 22 Kilometer entfernt ist, will ich zum Toom, Kaufland und dm-Drogeriemarkt fahren. Doch ich frage erst mal in Wanfried nach, erfahre im Gespräch mit der Mitarbeiterin eines Elektrofachgeschäfts, dass die ESL nicht nur teuer sind, sondern für vieles Ein- und Ausschalten nicht geeignet. Dauerbetrieb ja, Kinderzimmer, Treppenhaus, Badezimmer, alles wo öfter an und aus geknipst wird, eher nicht. Die Fachfrau empfiehlt mir als Alternative die Halogenbirne. Sie ist halb so teuer und spart schon mal 30 Prozent Strom gegenüber herkömmlichen Glühbirnen, die es ja ab September 2012 gar nicht mehr geben wird. Die ESL hätte sie mir vorsichtig abgenommen und gemeinsam mit den Leuchtstoffröhren zur Deponie gebracht. Diese Entsorgung wäre kostenlos, da der Kunde bereits beim Kauf der Birne etwa 22 Cent pro Stück für die Entsorgung bezahle, bekomme ich als Auskunft.

Aber ich gebe meine ESL dort nicht ab und fahre in den Baumarkt. Dort treffe ich in der Lampenabteilung auf einen Fachverkäufer, der mir mitteilt, dass dort keine ESL entgegen genommen werden, weil es vom Hersteller keine sicheren Entsorgungssysteme gebe. Um die Gesundheit der Mitarbeiter und Kunden nicht zu gefährden, könne er die ESL nicht annehmen. Er empfiehlt, die ESL direkt zur Deponie zu fahren und sagt noch, welches ungute Gefühl er beim Umgang mit den Lampen habe, und einen wahren Horror davor, wenn mal eine im Laden zu Boden fiele und die Quecksilberwolke sich dann dort verteile. Dann zeigt er mir die billigen ESL-Produkte aus Polen. Danach würden die Leute immer mehr greifen, was ihm Angst mache.

Mit dieser Info fahre ich zum dm-Drogeriemarkt. Dort gibt es ein System, mit dem die Angestellten zufrieden sind. Einzeln werden die Leuchtmittel im Karton verwahrt und in kleinen Mengen abtransportiert. Das kommt mir ziemlich sicher vor. Dagegen bleibt mir beim Betreten des größten Einkaufsmarktes in Eschwege die Luft weg: im Eingangsbereich, gegenüber von Bäcker- und Fleischerstand steht ein grüner Pappkarton mit der Aufschrift: „Sammelbox für Energiesparlampen. Sauberes Licht, sauber recycelt.“ In diesen Behälter soll ich die ESL werfen? Niemals. Der ist schon voll, eine Aufschrift verlangt zudem, dass ich die ESL bitte unverpackt „einwerfen“ soll. Das mache ich schon gar nicht. Überhaupt halte ich Abstand zu dem Behälter, von dem es noch einen weiteren geben soll. Der Marktleiter bestätigt, dass dies die offiziellen Entsorgungsboxen von Kaufland sind, sie einmal pro Stunde auf Schäden kontrolliert würden. Eigentlich wollte ich wissen, ob er diesen Behälter für sicher erachtet, das hat sich für mich nach dem Anblick aber erübrigt. Fotos erlaubt er nicht und verweist mich an die Pressestelle von Kaufland. Das erübrigt sich ebenfalls. Denn mein Gefühl sagt mir: Da kommt mein Sondermüll nicht rein! Schließlich bin ich dafür verantwortlich.

Nach über zwei Stunden fahre ich immer noch acht ESL durch die Gegend, die ich unvorsichtigerweise gekauft hatte. Wohin damit? Was wird daraus? Wem werden die im schlimmsten Fall noch schaden? Diese Fragen stelle ich mir am nächsten Tag auf dem Weg nach Weidenhausen. Dort zeigt mir ein Disponent  den Container, wo die ESL hineingelegt werden können. Auch der ist offen, ziemlich voll, aber nicht mit ESL sondern mit Leuchtstoffröhren. Splitter liegen auf dem Boden, aber immerhin steht die Box im Freien. Ich packe meine ESL aus, lege sie wie rohe Eier in die Box und stelle fest: Insgesamt habe ich etwa 65 Kilometer zurückgelegt, um acht Lampen zu entsorgen. Und mein ungutes Gefühl bleibt. Hätte ich vor dem Kauf der Dinger mal das Internet bemüht, ich hätte mir die bestimmt nie gekauft. Meine Verantwortung. Aber dennoch fühle ich mich auch von der Industrie und der Politik hinters Licht geführt. Warum sollen wir die kaufen?

Grafik: Der Glühlampenausstieg

Fotos: D. Wetzestein

Frau W. rät ihren Kunden zu Halogenbirnen oder LED-Technik. Fachgerechte Beratung kann Fehlentscheidungen verhindern.
Hier gehören die ESL rein. Im Gegensatz zu den Leuchtstoffröhren werden sie
immer noch in den Hausmüll geworfen. Das kann fatale Folgen haben.