"Das muss anders gehen!" - Nachdenkliches zum Thema 'EnEV und Denkmal'!

Ein Thema wie Hund und Katze. Die beißen sich in der Praxis meistens. Oft ist es kaum zu fassen, landauf und landab wird in den meisten Fachzeitschriften sowie in Presse, Funk und Fernsehen die ‚energetische Ertüchtigung‘ des historischen Gebäudebestandes gefordert. Dabei wird nicht haltgemacht vor wunderschönen Stuckfassaden, Fachwerkhäusern oder Backstein-Architektur. Alles dick mit Wärmedämmverbundsystemen eingepackt. Und wenn die Forderungen der Denkmalämter allzu hartnäckig sind, müht man sich sogar mit bühnenbildnerischer Akribie um dreidimensional zugekleisterte Polystyrol-Fakes. Sozusagen eine 3-D Fototapete. Das muss anders gehen!

Unglaublich aufwändige Innendämmungen und zig-fach abgedichtete, 4-fach verglaste, goldbedampfte, vakuumierte und mit Spezialgasen gefüllte Fenster können es auch nicht sein. Wegfaulende Balkenauflager in Außenwänden und rasenartiger Bewuchs durch Schimmelpilze an der Wand über dem Kinderbett lassen grüßen. Man könnte den Eindruck gewinnen, hier würde mit Streubomben die Hasenjagd geprobt. Zu viele Kollateralschäden bei ungenügender Jagdstrecke. Sie merken sicher, der Autor ärgert sich.

Unsere Umwelt braucht Schutz vor uns, keine Frage. Aber wie wäre es, wenn man sinnvolle Dinge täte, um die Natur zu schützen. Öfter das eigene Fahrrad bemühen, die Bahn statt das Flugzeug nutzen. Vielleicht sogar darüber nachdenken, den Sommer-Urlaub nicht im Urwald von Borneo zu verbringen.

Auch erscheint es mir sinnvoll, durchdachte historische Gebäudekonstruktionen maßvoll komfortabler auszustatten, z.B. mit strahlungsintensiven Heizungssystemen. Da hierdurch mehr die umgebenden Bauteile aufgeheizt werden, geht auch nicht alle Heizungsenergie gleich bei jedem Lüftungsvorgang wieder verloren, wie es bei Konvektionsheizungen der Fall ist. Auch könnten beispielsweise sparsame und günstige Holzscheitheizungen zur positiven Energiebilanz beitragen. Die schönen alten, filigranen Holzfenster könnten sorgsam restauriert und durch Innenfenster energetisch sinnvoll verbessert werden. Unvorstellbare Mengen an energiereich hergestelltem und zukünftig zu entsorgendem Sondermüll in Form von alten Wärmedämmverbundsystemen könnten eingespart werden.

Man darf sich Sorgen machen, dass EnEV-gerecht sanierte alte Häuser aufgrund der immer häufiger auftretenden verheerenden Schadensbilder zunehmend in Verruf geraten. Ähnliches erleben wir bereits bei den weit verbreiteten, falsch konstruierten modernen Holzbrücken. Unsere wunderschönen alten Häuser und Denkmäler brauchen respektvollen und verständigen Umgang. Die Möglichkeiten zur Befreiung von EnEV-Auflagen sind vorhanden. Sie sollten genutzt werden, wo immer es sinnvoll erscheint.

Es wäre doch schade, wenn wir schon bald in hochgezüchteten Kulissen unserer Häuser sitzen und feststellen, dass wir nicht nur unsere gebaute Kultur, sondern auch unsere einmalige Natur verloren haben, weil wir die wirklichen Probleme nicht angehen wollten. Daher sollte gelten: Sparen Sie sich das viele Geld für ‚energetische Ertüchtigungen‘. Stecken Sie lieber etwas in die Erhaltung der Bausubstanz und in sinnvolle und sparsame Haustechnik. Zusätzlich kann jeder, der sich berufen fühlt, wirklich Energie sparen durch sinnvollen Verzicht bzw. ‚downsizing‘ im alltäglichen Konsum. Unsere Nachkommen würden es uns danken…

Markus Thinius

Markus Thinius