Weiterdenken auch nach der Grünen Denkfabrik

Bonn. Am vergangenen Wochenende fand in Bonn die Grüne Denkfabrik statt. Einen ganzen Tag lang diskutierten rund 450 Engagierte im ehemaligen Bundestag darüber, wie sie sich eine gerechte Zukunft vorstellen. Der Vorsitzende Sven Lehmann fasst das Fazit so zusammen: „Nachhaltigkeit funktioniert nicht ohne soziale Gerechtigkeit und umgekehrt.“  Die Denkfabrik soll als Startsignal weitere Denkprozesse über die Zukunft von Gesellschaft und Land einleiten.

Im Vorfeld der Grünen Denkfabrik konnten Interessierte Themen vorschlagen, die dann „gevotet“ wurden. Auch die IgB brachte ein Thema über die Zukunft des ländlichen Raums ein. Die Resonanz war überwältigend, entsprechend mussten die Verantwortlichen  121 Vorschläge auf 30 Workshop-Themen herunterbrechen. 

Das IgB-relevante Thema wurde unter der Überschrift „Fahrt ins Grüne? – Eine Landpartie 2030“ in einem „Workshop light“ diskutiert. Rund zehn Interessierte im Alter zwischen 20 und 70 Jahren stellten sich Fragen, wie der ländliche Raum in 20 Jahren aussieht,  ob noch Menschen auf dem Land leben und wie ihre Lebensgrundlagen dann aussehen werden.

Harald Grünau, Mitglied des Landesvorstandes BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW und Initiator der Landpartie, berichtet, dass es beim Sprechen über den ländlichen Raum zunächst um Definitionen und eine Standortbestimmung geht. Menschen, die in der Stadt wohnen, würden die Bedingungen und die Funktion des ländlichen Raums anders beurteilen als Landbewohnende. Die StädterInnen wünschen sich das Land als Erholungsort, in dem moderne Landwirtschaft häufig als störend empfunden wird.  Für Menschen vom Land sind meist die infrastrukturellen Bedingungen besonders wichtig.  

Erklärtes Ziel aller Diskussionsteilnehmenden war, den ländlichen Raum als Lebensraum für breite Bevölkerungsschichten zu erhalten. „Die Menschen leben schon heute nur noch zu einem geringen Anteil von der Landwirtschaft. So wird der sozio-ökonomische und kulturelle Austausch zwischen Land und Stadt künftig die vordringliche Aufgabe ländlicher Infrastrukturpolitik sein“, ist Grünau überzeugt.

Einig war sich die diskutierende Gruppe auch darin, dass der Netto-Flächenverbrauch in Zukunft auf „Null“ gebracht werden muss. Nur so könne verhindert werden, dass immer mehr freie Flächen überbaut werden und dadurch sowohl für die Landwirtschaft als auch für den Umwelt- und Naturschutz verloren sind.