Baupolitik

Die Baupolitik der 1970er Jahre war letztendlich der Anlass zur Gründung der Interessengemeinschaft Bauernhaus in der ehemaligen Grafschaft Hoya.

Diese Baupolitik sah vor, Bauen im Außenbereich strikt auf landwirtschaftliche Betriebe zu beschränken. Dies hätte für die Streusiedlungsregionen Norddeutschlands zur Folge gehabt, dass sich das über wenigstens zwei Jahrtausende überkommene Siedlungsbild innerhalb weniger Jahre grundsätzlich gewandelt hätte. Die stark zunehmende Zahl der aufgegebenen landwirtschaftlichen Betriebe hätte Wohninseln in der Landschaft ergeben, die nicht mehr lange zu nutzen gewesen wären: Umnutzungen, Erweiterungen, ja sogar notwendige Renovierungsarbeiten wären als verbotenes "Bauen im Außenbereich" deklariert worden, was eiine mehr oder weniger schnelle zwangsweise Aufgabe dieser Wohninseln bedeutet hätte - und damit eine völlig andere Siedlungs- und Landschaftsstruktur. 

Nicht zuletzt dem vehementen Einsatz von Julius Kraft und der von ihm gegründeten IgB ist es zu verdanken, dass diesem Unsinn ein Ende bereitet wurde!

Baupolitik hat daher von Anfang an, gewissermaßen wie ein basso continuo, die Vereinsarbeit der IgB mit bestimmt. Vom rein ländlichen Raum musste sich das Augenmerk aber immer stärker auf die Städte richten, nicht so sehr auf Großstädte, als auf die mehr oder weniger ländlichen Klein- und Mittelstädte mit ihrem oft erheblichen Bestand an historisch wertvollen Gebäuden.

In Städten spielt die Baupolitik traditionell eine wesentlich stärkere Rolle als auf dem flachen Land. Schon im Mittelalter wird in gewissem Umfang Baupolitik betrieben, erst Recht aber seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich die Städte aus ihren mittelalterlichen Korsetts, nicht nur der Stadtmauern oder Wallanlagen, sondern auch der Zunftzwänge, Bürgerrechtsbeschränkungen usw. befreiten. Diese Stadtentwicklungen waren hochpolitische Angelegenheiten, wie es sich beispielhaft in der von unserem IgB-Mitglied Dr. Jan Volker Wilhelm verfassten Arbeit "Das Baugeschäft und die Stadt", Göttingen 2006, nachlesen lässt.

Die IgB befasst sich in zunehmendem Maße mit dieser Baupolitik, einfach deshalb, weil es uns nicht kalt lässt und nicht kalt lassen darf, wie "moderne" Baupolitik auf Kosten traditioneller und historisch wichtiger Bausubstanz betrieben wird.

Sie finden daher hier zahlreiche Fälle, bei denen neben der Beseitigung zugunsten angeblich strukturwichtiger Neubauten auch der oft unfassbare Umgang mit Altbausubstanz eine Rolle spielt, die wir nicht unkommentiert lassen wollten. Unsere Liste ist mehr als unvollständig, aber sie möge verdeutlichen, dass es jede Stadt und jede Gemeinde treffen kann, wenn fortschrittsgläubige Verwaltungen, profitgierige Investoren, Geschäftemacher und skrupellose Politiker sich des Themas "Baupolitik" annehmen.