27.08.2018

Exkursion am 21. Juli 2018 nach Grieben und der Kirche Lübsee

Durch 30 Grad im Schatten lassen eingefleischte IGB-ler sich schon gar nicht schrecken. Am 21. Juli trafen wir uns, etwa 60 Mitglieder und Gäste, in der Diele von Edith und Karl Schröder in Grieben.

Nicht zuletzt ein Artikel in den “Lübecker Nachrichten” vom 13. Juli 2018, in dem über die Hofstelle 3 in Grieben berichtet wurde, sowie ein entsprechender Artikel in der Ostseezeitung, aber auch die Einladung zu der Veranstaltung im vorhergehenden “Holznagel” und die Einladung des “Freundeskreises der Lübseer Kirche” trugen zu dieser Besucherzahl bei.

 

Nach Begrüßung durch Sönke Reimann, den Leiter der Kontaktstelle in Hoben/ Wismar gab Olaf Both, Leiter des “Volkskundemuseums in Schönberg“, eine kurze Einleitung zur Dorfgeschichte. Wer, wenn nicht er, kennt sich aus in der Geschichte dieser Region.   

 

Grieben wurde 1237 erstmals urkundlich erwähnt. Von dem Namen “Grieben” lässt sich “Pilzort” ableiten. Er berichtete über die damaligen Regierungsverhältnisse in Mecklenburg. So gehörte Grieben beispielsweise in der Vorzeit zum Ratzeburger Land. Der Grenzgraben ist bis heute sichtbar. Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte die Regulierung, durch die die Bauern das Land als Eigentum erhielten. Der Dorfkern insgesamt ist mit seinen 11 Höfen denkmalgeschützt. Zu jedem Hof gehören oder gehörten außer dem Wohnhaus eine Scheune/Stall, Backhaus und auch ein Teich.

Edith und Karl Schröder erläuterten die Besonderheiten ihres Hauses.

 

 

 

Es blieb nach der denkmalgerechten Sanierung am ursprünglichsten erhalten. So verfügt beispielsweise die Küche noch über einen Rauchfang.

Weiter ging es zum Hof von Jutta und Stefan Schad. Stefan informierte über die derzeit laufenden Sanierungsarbeiten, die die Diele sowie die angrenzenden ehemaligen Ställe betreffen. Das Dach wurde im vergangenen Jahr neu gedeckt.

 

 

Jutta kümmert sich liebevoll um den Bauerngarten. Ihn durften sich die Besucher ansehen und vielleicht auch die eine oder andere Idee für sich selbst mitnehmen.

Dann ging es weiter zum Wohnhaus von Andrea und Christian Lenschow. Sie sanierten vor Jahren das zum Hof gehörige ehemalige Backhaus. Es entstand auf den alten Grundmauern ein Wohnhaus, das den Ansprüchen der Familie gerecht wurde. Das Haus liegt eingebettet in einen großzügigen Garten. Ein Foto im Flur zeugt von dem damaligen Zustand des Gebäudes und lässt auch hier erahnen, wie viel Kraft und Energie für ein solches Unterfangen erforderlich sind.

 

 

 

 

Nach der Hälfte des Dorfrundganges konnten die IGB-Mitglieder und Gäste auf der Diele des Hofes Wigger einen kleinen Imbiss zu sich nehmen, Fotos der Hofstellen von früher und heute ansehen und Gunnars Bericht zu den Sanierungsarbeiten der letzten 20 Jahre hören. Er erzählte, dass auch er aus anfänglichen Fehlern lernen musste und bei weiter voranschreitenden Arbeiten wieder auf den altbewährten Lehm zurückgegriffen habe. Einige Räume standen zur Besichtigung offen. Karin Liersch steuerte spontan ein Gedicht zur Hofstelle I bei. Es kam zum Vorschein, dass der damalige Bauer seine Herzallerliebste erst freien konnte, nachdem er den Stall vom Wohngebäude abtrennte. Sie wollte nicht mit dem Vieh unter einem Dach wohnen.

 

 

 

Ein großes Thema war die Geschichte und der derzeitige Zustand der Hofstelle III. Daher zog Olaf anhand von Fotos nochmals ein Resümee zum Zustand des Hauses mit angebautem Stallteil. Es verfiel zusehends über Jahre, bis nunmehr der Eigentümer auch auf Drängen der Gemeinde durch die zuständige Denkmalbehörde verpflichtet wurde, Sicherungsmaßnahmen ausführen zu lassen. Das Backhaus wird wohl leider zusammenbrechen. Dazu berichtete wie bereits erwähnt, die hiesige Tagespresse.

Ralf Lenschow öffnete sein Backhaus und die Scheune. Beide wurden vor Jahren saniert.

Das Backhaus verfügt sogar noch über einen funktionierenden Ofen mit drei Kammern. Wer weiß, vielleicht kann er ja einer entsprechenden Nutzung zugeführt werden…

 

 

 

Die Hofstelle III erregte die Gemüter. Es wurde darüber diskutiert, wie der Eigentümer unterstützt werden könnte. Eventuell gibt es ja schon einen Interessenten, der sich des Hofes annehmen würde. Verfallenes ist schwer wieder herzustellen. Die Sanierung dieser Hofstelle würde das Dorfbild vervollkommnen und insgesamt abrunden.

Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen im Schatten einer großen Fichte an der Feuerwehr und ausgiebigen Fachsimpeleien, ging es weiter nach Lübsee. Dort hatte Christian Podlasly sein Haus geöffnet. Es ist weitestgehend in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Die Exkursionsteilnehmer konnten den gesamten Hof erkunden und auch mehr über seine Imkerei erfahren.

 

 

 

Auf Einladung des Freundeskreises der Lübseer Kirche, dem die Erhaltung und Sanierung der

Kirche am Herzen liegt, konnten der Friedhof und auch die Kirche selbst besichtigt werden.

Vorsitzende ist Andrea Lenschow.

Auf dem Friedhof befindet sich eine Grabstelle der Familie von Siemens. Sie wird durch die

Kirchgemeinde gepflegt.

 

 

 

Olaf informierte über die Kirche, deren Erbauung und die Innengestaltung. Die Malereien im Innenraum wurden zum Teil durch Restaurierungsarbeiten wieder hergestellt. So gibt es beispielsweise einen “Höllenschlund” zu sehen. Mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten, denn sowohl Grieben als auch die Kirche Lübsee sind eine Reise wert.

Andrea berichtete über den Stand der vorgesehenen Sanierungsarbeiten und das Einwerben

von Fördermitteln.

Den Abschluss bildete ein Orgelkonzert mit Gesang. Danke an Cordula und Michael Karow.

Und danke auch an Edith und Karl, die auf ihrem Spaziergang mit Steffi und Sönke zufällig

Andrea begegneten, sie miteinander bekannt machten und die Idee einer gemeinsamen Veranstaltung geboren wurde.

Herzlichen Dank auch an Olaf, der uns durch sein umfangreiches Wissen eine fachkundige

und auch unterhaltsame Führung zuteil werden ließ. Besonders schön waren die amüsanten

Übergänge zwischen Hochdeutsch und einem eingeflochtenen Platt.

Ebenso ein großes Dankeschön an alle, die bei den Vorbereitungen geholfen, ihre Häuser und Höfe geöffnet und den guten Verlauf der Exkursion ermöglicht haben.

Durch den Mittagsimbiss sowie Kaffee und Kuchen konnten wir dem “Freundeskreis der Lübseer Kirche” einen Betrag von 250,-- EUR übergeben. Allen Spendern besten Dank.

Leider gingen im Laufe der Zeit einige Gebäude durch Verfall verloren. Aber – die jetzigen

Eigentümer haben sich mit viel Enthusiasmus, Energie, der Erfahrung der “Alten” und nicht zuletzt durch den Austausch während der IGB- Treffen, entsprechender Literatur und natürlich mit einem Augenzwinkern, durch die digitalen Medien, der Erhaltung und soweit erforderlich, der Sanierung ihrer Häuser und Höfe verschrieben.

 

Ilka Behrens