11.06.2018

Der Speicher soll weg!

In der Gemeinde Bad Essen, Landkreis Osnabrück in Niedersachsen, steht seit 80 Jahren ein Getreidespeicher.

Im Norden des Gebäudes befindet sich der Mittellandkanal, im Süden die Gleisanlage der „Wittlager Kreisbahn“. Östlich und westlich des Silos standen bis vor einigen Jahren Gewerbegebäude, in denen z.B. Asbest verarbeitet wurde. Oder eine Mühle zum Mahlen des Korns. Dann entschloss sich die Gemeinde Bad Essen, ein Sanierungsverfahren über das Gebiet zu legen.

Nach einem erfolgreichen Architektenwettbewerb wurden zwischen der Harpenfelder Brücke und der Lockhauser Brücke die alten Gebäude abgerissen, lediglich der Speicher blieb stehen. Ergebnis des Wettbewerbes war, an dieser Stelle ein Hafenbecken für Mittellandkanaltouristen, eine Marina, zu bauen inklusive Gebäude für den Hafenmeister und die Serviceeinrichtungen.

Östlich der Marina wurde ein Baugebiet erschlossen, das trotz der sehr einschränkenden Gestaltungssatzung schnell verkauft war. Der Gewinner des Wettbewerbes, Architekt Wilhelm Pörtner vom Büro Ahrens und Pörtner in Hilter a.T.W., plante vom Osten her eine dreigeschossige Bauweise, die sich am Marinarandgebäude zum 4-5 geschossigen Bau erweiterte, um so dem 9-geschossigen Speicher seine Bedeutung zu geben. Westlich des Speicher waren Parkplätze für die Bewohner des Speicher sowie für Besucher der Marina vorgesehen. Leider blieb bisher ein Verkauf des Speichers, sowie ein Umbau in Wohnungen erfolglos.

Es gibt aber weiterhin Menschen mit Visionen und ernsthaft interessierte Architekten, die den Speicher einer neuen Nutzung zuführen würden. Leider will die Mehrheitsfraktion in Bad Essen davon nichts mehr hören und hat im Rat der Gemeinde mit einer Stimme Mehrheit beschlossen, den Speicher abzureißen. Und das sogar ohne irgendeinen Plan, wie das Gelände westlich des Hafenbeckens in Zukunft aussehen sollte. Nun versucht eine kleine Bürgerinitiative, den Speicher vor dem Abriss zu bewahren. Solange, es noch keine genauen Pläne gäbe, könne das Hochhaus für unterschiedliche Outdoor- oder Indoornutzungen dienen: Freilichtkino, Kletterwand, Fotostudio, Künstlerateliers: all diese Möglichkeiten sind sicherlich besser, als ein Abriss und eine nicht überplante Fläche. Möglichkeiten, wie ein Speicher nach Umbau als Wohnhaus genutzt werden könnte, finden sich im Internet reichlich. Auch wenn es sich in Bad Essen nur um einen kleinen Sole-Kurort handelt: die Lage am Mittellandkanal zwischen dem Wiehengebirge und der Norddeutschen Tiefebene, die Nähe zu Osnabrück, zu den Ballungszentren in NRW sollten Grund genug sein, hier aus dem alten Kornspeicher ein modernes Wohnhaus mit großzügigen Wohnungen zu schaffen.

Es steht zu befürchten, dass es auch hier nicht um den Erhalt eines typischen Gebäudes, sondern schlicht und einfach um politische Macht geht.

Jutta Lange-Lücht

 

 

 


Speicher Bad Essen Foto: Anja Otte