15.09.2020

BI ruft zur Rettung des klassizistischen Schlosses Warin auf

Ihre Spuren reichen ins hohe Mittelalter zurück und vielleicht sogar bis in römische Zeit: Untersuchungen zur früheren Bischofsburg Warin (1229 – 1839) deuten möglicherweise darauf hin, dass es hier bereits Jahrhunderte zuvor ein Lager römischer Legionäre gegeben haben könnte, das Castrum Warinensis. Eine hochspannende Frage zur Geschichte des heutigen norddeutschen Raumes in spätantiker Zeit, mit der sich die Historiker-Initiative „Gelbbuch“ derzeit auseinander setzt. Die Gegenwart ist leider weniger glamourös: Das klassizistische Hauptgebäude, welches 1840 auf den Fundamenten der alten Bischofsburg errichtet und zuletzt als Krankenhaus genutzt wurde, verfällt seit nunmehr 23 Jahren. Momentan kann das Hauptgebäude nur noch durch den sogenannten Zwischenbau aus DDR-Zeiten gefahrlos betreten werden. Doch viele Menschen wollen das nicht hinnehmen. Vor einigen Wochen wurde die BI "Schmuckstück Krankenhaus Warin" gegründet, die sich für die Rettung des klassizistischen Schlosses engagiert.

Lesen Sie hier den Aufruf der BI:

Liebe Retter, Freunde und Interessenten historischer Bausubstanz in WARIN!!!

Momentan sieht es leider so aus, dass die geplante Sanierung des klassizistischen Schlossgebäudes, welches auf den mächtigen metertiefen Feldsteinfundamenten der alten Bischofsburg thront, ins Stocken gerät. Von den drei gewählten Wariner Stadtvertreter-Fraktionen ZWO, GWG und CDU setzt sich nur noch die CDU verstärkt für den Erhalt des historischen "BODENDENKMAL 14 NWM EHEMALIGE WARINER BISCHOFSBURG" ein. Unter Bürgermeister Michael Ankermann, der 2019 nach zehn Jahren abgewählt wurde, wurden die Weichen gestellt, um mit dem sehr ambitionierten Unternehmer und bekennenden Katholiken Thomas Weyer aus Marburg das historische Gebäudeensemble möglichst originalgetreu zu erhalten und denkmalschutzgerecht behutsam zu sanieren. Herr Weyer ist sehr darauf bedacht, das historische Erbe unserer Vorfahren, der Bischöfe von Schwerin und deren Nachfolgern, der Nachwelt zu erhalten. In der Schwesterstadt Bützow errichteten sie ebenso eine mächtige Bischofsburg, von der heute noch oberirdisch viel erhalten ist. Selbst die heutige Bebauung mit modernen Amtsgebäuden folgt dort immer noch dem alten Burggrundriss aus dem Mittelalter!!!

WARIN als Stadt dagegen hatte nie das Glück, Gebäude für die Ewigkeit zu bewahren. Die KLOCKENBURG von Landesherrscher Heinrich II verschwand zu Pfingsten 1322. Die Bischofsburg von 1229 fiel dem Neuerungsgeist der Post-Napoleonischen Neuzeit zum Opfer (1839), ebenso die erste später evangelische Stiftskirche von 1233 (1874), die erste nachreformatorische katholische St.Josefs-Kirche fiel 1993 der Abrissbirne zum Opfer. Es folgte die Neuapostolische Kirche in der Wismarer Strasse, zuletzt erwischte es die alte Sporthalle in der Schulstrasse vor 3 Jahren. WARIN scheint dem Fluch von Abbruch und nur teilweisem Wiederaufbau zu unterliegen...

Es ist meines Wissens die einzige norddeutsche - im Mittelalter gegründete - Stadt, die nichts OBERIRDISCHES an Bausubstanz aus dieser Zeit vorzuweisen hat! Lediglich der ostseitige frühere Marstall scheint noch Reste von mittelalterlichem Mauerwerk aufzuweisen.....

...wenn da nicht die Berichte vom Großherzoglichen Archivar Georg Christian Friedrich LISCH wären, der ebenso wie Heinrich SCHLIE schreibt, dass beim Abbruch der Bischofsburg 1839 die unter dem seeseitigen Hauptgebäude der Burg und dem südwärts eingerückten Bischofsturm befindlichen zwei und drei untereinander liegenden Kreuzrippen-Kellergewölbe, ein Wendeltreppen-Fragment und der sagenumwobene Geheimgang zum Ufer des Glammsees wären. Beim Bau des Nachfolgegebäudes 1840 sei der Gang noch offen gewesen und die Keller wären nur teilweise verschüttet gewesen, so heißt es dort. Nachdem 1948 in den alten Mauern das Kreiskrankenhaus errichtet wurde, waren etliche Menschen unten in den Kellergewölben und dem Fluchtgangsystem, das die Burg einst durchzog. Selbst die Russen, die 1945 Warin besetzten, seien auf Schatzsuche gegangen.

Die Nationalsozialisten legten im Jahre 1933 willkürlich das Jahr 1233 als Gründungsdatum der Stadt Warin fest, weil es perfekt zu ihrer Machtübernahme passte. Wohl wissend, dass WARIN samt Dörfern des Stiftslandes bereits zwischen 1178 und 1197 in vier päpstlichen Urkunden erwähnt wird. Am 10.04.1933 landete beim Landesdenkmalpfleger August Friedrich Lorenz in Schwerin eine dubiose Kiste mit alten Unterlagen der Bischofsburg und Bauplänen des klassizistischen Nachfolgebaus von 1840. Schon am 29.04.33 hatte Lorenz Rekonstruktionsversuche der Burg exzellent handwerklich gezeichnet (Grundrissversuch, Vogelschauperspektive um 1500). Danach kennzeichnete er die verstaubte Kiste mit dem Vermerk "Für die Denkmalpflege nicht brauchbar. Z.d.A." (Zu den Akten). Seitdem sind diese wichtigen Unterlagen im Nebel der Geschichte spurlos verschwunden...oder auch nicht...

Hauptaugenmerk liegt deshalb momentan auf folgenden vier Punkten:

- Auffinden von Zeitzeugen, ehemaligen Mitarbeitern des Krankenhauses, z.B. Ärzten oder Krankenschwestern, die beruflich in den Kellergewölben und im Fluchtgang waren (Keller war Küche, Wäscherei, Pathologie, Abstellräume)

- Auffinden der mysteriösen Kiste von 1933 mit den Unterlagen über die Bischofsburg im Staatsarchiv oder Landesamt für Denkmalpflege Schwerin

- Notuntersuchung der Reste der Bischofsburg, Suchgrabungen im unbebauten Bereich und Suchschnitte, um das komplette Geviert mit Fundamentresten und Mauerecken unter Niveau Rasenkante aufzufinden (Feldsteinfundamente hat man 1839 mit Sicherheit nicht vernichtet, laut Schlie standen sie damals noch alle)

- Datierung des Mauerwerks von Bergfriedfundament im Norden, Geviertmauerwerk, Kellergewölben und Fluchtgang durch neuartiges Verfahren der THERMO-LUMINESZENZ durch Firma Curt- Engelhardt aus Mannheim (Frau Lindauer, Kostenpunkt 3000-4000 EURO)

Es wäre eine einmalige Chance, festzustellen, ob WARIN und auch BÜTZOW Gründungen durch Legionäre Westroms vor 500 n.Chr. sind, denn nach neuesten Erkenntnissen der Historiker-Initiative GELBBUCH um den vereidigten Sachverständigen, Gutachter und Architekten Dr.-Ing. Horst Leiermann deutet Vieles auf das Vorhandensein eines Römerlagers hin. Dazu erschien im Juni 2020 das 111-seitige GELBBUCH 57 über das CASTRUM WARINENSIS. Investor Weyer ist sehr interessiert an der Römerforschung rechts des Rheins und könnte sich eine spätere touristische Nutzung der ältesten Burgräumlichkeiten gut vorstellen. Als Bauunternehmer kann er bereits auf erfolgreiche Sanierungen des Kammerhofes in Bad Doberan, der Villa Scandinavia in Kühlungsborn-West und in Bayreuth verweisen. Die von einigen Wariner Stadtvertretern gestreuten Verleumdungen betreffs seiner angeblich schlechten Bonität widerlegten vier führende Kreditinstitute bzw. Auskunfteien. Eine neu gegründete Bürgerinitiative (BI) "Schmuckstück Krankenhaus Warin" sammelte bereits 600 Unterschriften und es wird vermutlich zu einer Bürgerbefragung kommen, um die Wariner Stadtvertreter darauf hinzuführen, Weyer das Burgareal zu verkaufen, nachdem sie bereits dreimal mehrheitlich sämtliche Kaufvertragsentwürfe abgelehnt hatten...

Zeichnungen: Klaus Friedrich, Fotos: Michael Hoffmann