25.10.2021

Bethel reißt seine „Quelle“ ab

Der Quellenhof wird trotz Protesten abgerissen

Schon seit Jahren steht der „Quellenhof“ in Bielefeld Gadderbaum leer. Der älteste Teil des Gebäudekomplexes stammt aus dem Jahre 1842, so steht es auf dem „Engeltor“, das erhalten werden soll.

1904 hat Bethel den Hof - der Quellen wegen - gekauft. Anbauten aus den Jahren 1911 und 1925 zeugen von einer Nutzung der Hofanlage im letzten Jahrhundert. Leider hat Bethel den historischen Teil des Hofes, zumindest in diesem Jahrhundert, nicht gepflegt. Nun will Bethel ein Hospiz für 15 Personen mit einem Budget von 5 Mio. € auf dem Standort bauen, denn das Haus „Zuversicht“, ein Gebäude aus dem Jahr 1905 wird modernen Ansprüchen an ein Hospiz nicht mehr gerecht. Nach dem Wohn- und Teilhabegesetz soll jedes Zimmer einen eigenen Sanitärraum bekommen. So eine Anforderung sprengt unserer Ansicht nach natürlich jedes bestehende Hospiz, welches diese Ausstattung nicht aufweist. Da wäre es eventuell einfacher, Hotels zu Hospizen umzubauen.

Bethel hat nach eigenen Angabe geprüft, ob nicht das Kerngebäude erhalten bleiben kann. Natürlich ist die Prüfung negativ ausgefallen. Es werden Zusatzkosten von 3. Mio. € ins Feld geführt.

Als weitere Argumente für den Abriss werden angeführt, dass kein Freilichtmuseum das Gebäude haben will und dass der jüngst verstorbene Leiter der IgB-Außenstelle Grafschaft Ravensberg-Senne, Alexander von Spiegel gesagt haben soll, dass diese Gebäude nicht erhaltenswert seien. Dies finden wir fadenscheinig. Es ist unzweifelhaft der letzte historische Hof in Bielefelds Westen. Ein genaue bauhistorische Untersuchung z.B. eines Hausforschers hat offensichtlich nicht stattgefunden.

Fakt ist, dass Bethel den ganzen Stadtteil Gadderbaum durch seine Bautätigkeit extrem verändert hat. Bethel sollte sich zu sein Wurzeln bekennen und bei der Nutzung bzw. Umgestaltung mehr Mühe geben.

Im Stadtrat in Bielefeld regt sich ebenfalls Kritik gegen die Neubauwut der Stiftung. Alle 14 Heimatvereine in Bielefeld und der Teutoburger-Wald-Verein Bielefeld e.V. haben per Brief die Stiftung gebeten die Entscheidung zu überdenken. Bethel ist nicht interessiert am „Erhalt von Kultur-Erbe“, wie dem Qellenhof. Es geht hier nur ums Geld. Der Verfall ist eigentlich schon vor 20 Jahren eingeleitet worden.

Wir sind der Meinung, mit etwas mehr Willen ließe sich zumindest das Haupthaus und vielleicht auch das Gebäude aus dem 20 Jhd. erhalten. Abriss ist im Gegensatz zu Erhalt und Nachnutzung nicht nachhaltig!

Die Stadt Bielefeld ist - trotz ihres Bauernhofmuseums - insgesamt nicht am Erhalt ihres „bäuerlichen kulturellen Erbes“ interessiert. Wir erinnern an den Abriss der Hofes Kulbrock in Bielefeld Brackwede durch die Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH im Jahr 2017. I