30.09.2020

Abriss droht! Lösung gesucht für Fachwerkhaus im Vogelsberg nahe Alsfeld!

Ein Haus aus dem 18. Jahrhundert mitten in dem Dorf Ruhlkirchen sucht eine neue Nutzung. Das Dorf gehört zu dem sogenannten „Katzenbuckel", einer katholischen Enklave von vier Dörfern innerhalb eines evangelischen Umfelds in der Nähe der Fachwerkstadt Alsfeld/Hessen. Das typische Einhaus mit Nebengebäuden, Hofplatz und Gartenfläche steht seit etwa 20 Jahren leer. Nach dem Tode des Bewohners hatten die Erben kein Interesse daran. In den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Haus durch eine Heiligenfigurennische , einen neuen Sockel und einer Haustür im Stile des Art Deco „veredelt".

Jetzt gibt es das Interesse eines Nachbarn, das Haus abzureißen, um Freiflächen zu schaffen. Dem ist für ein halbes Jahr ein Riegel vorgeschoben. Das heißt, wenn bis Anfang 2021 nicht neue Nutzungs- und Instandsetzungs-Interessenten gefunden sind, darf das Haus abgerissen werden, eine seltsame Regelung der hiesigen Denkmalpflege. Als wäre das Haus in seiner Geschichte , in seiner Handwerklichkeit und städtebaulichen Wirksamkeit weniger wert, wenn sich kein Interessent findet!

Aufmerksam auf das Haus wurden wir – die lgB-Gruppe Lauterbach/Vogelsberg – im Juli bei der Vorbesprechung zum Lehmbauworkshop in Ruhlkirchen. Stephan Pfeffer renoviert gerade sein Elternhaus von Grund auf – aber behutsam und die vorhandene Bausubstanz berücksichtigend. Beim Ortsrundgang mit Stephan Pfeffer, der zur Geschichte der Häuser im Ort eine Arbeit geschrieben hat und viel zu den Veränderungen im Dorf erzählen kann, gelangten wir zu dem betreffenden Haus.  

Seit den 1970-er Jahren seien 70% der Fachwerkhäuser im Ort abgerissen worden. In der Hintergasse, in der Stephans Haus steht, gebe es von elf Fachwerkhäusern in den 1970-er Jahren jetzt noch 2,5. Stattdessen stehen dort in der Mehrzahl „seelenlose" Neubauten. Das ehemals geschlossene Ortsbild habe sich – auch weil andere prägende Bauten wie vier Kurmainzer Höfe verschwunden seien – in eine Hauslandschaft mit lückenhafter willkürlicher Bebauung verwandelt.

Deshalb sei es so wichtig, die wenigen verbliebenen Fachwerkhäuser, die den Ort über Jahrhunderte prägten, zu erhalten. Darüber hinaus würde der Abriss eine Wunde in den Dorfrand schlagen, bei der nichts sagende Schuppen und Garagen zum Vorschein kämen.

Weitere Infos: J. Michael Ruhl, Tel.: 06631 73119 oder 0162 1944 446