Nachruf - Gunnhild Ruben, Architektin

Von Stefan Haar, Bundesvorsitzender der IgB

Am kommenden 31. Oktober hätte sie ihren 86-sten Geburtstag feiern können – im Mai war sie noch aktiv in Syke beim Frühjahrstreffen und bei der Jahreshauptversammlung der IgB dabei. Gunnhild Ruben ist am 17. Juli 2012 in Braunschweig gestorben. Sie hinterlässt zwei erwachsene Kinder.

Die IgB war ein Teil von ihr selbst. Mitglied unseres Vereins wurde sie am 21.2.1984! Die Gründung der IgB-Außenstelle Südostniedersachsen ist ihrem Engagement zu verdanken. Mein eigener beruflicher Werdegang wäre ohne Gunnhild möglicherweise  ganz anders verlaufen, hätte sie mich nicht bei meinem Start als Architekt in die Selbständigkeit unterstützt.

Ihr Engagement erstreckte sich aber nicht nur auf unsere IgB, sondern auch auf andere ehrenamtliche Bereiche. Dieses vielfältige sich für die Gesellschaft einsetzen können wir oft bei IgB-Mitgliedern beobachten und immer wieder darüber staunen, woher diese  bewundernswerten Leute die Zeit und Energie für all ihre Aktivitäten nehmen.

So war die Architektin im Ruhestand bis vor 4 Jahren noch Ortsheimatpflegerin für die Braunschweiger Ortsteile Lehndorf und Kanzlerfeld. Dieses Amt hatte sie 24 Jahre lang inne und war damit die dienstälteste Heimatpflegerin der Stadt.

Gründlich und hartnäckig, wie sie war, hat sie im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit auch viel Zeit im Niedersächsischen Staatsarchiv in Wolfenbüttel verbracht. Alte Schriften zu lesen war für sie kein Problem. Diverse Veröffentlichungen und Vorträge über die Braunschweigische Landwehr und ihre Türme sowie die Erforschung geschichtlicher Besonderheiten einzelner Gebäude in Lehndorf resultierten daraus.

Im Zuge ihrer Recherchen über die Erweiterung Alt-Lehndorfs in den 1930er Jahren und die Besonderheiten des Baus der Wichern-Kirche in diesem Ortsteil war sie über einen besonderen Schriftverkehr gestolpert – und ließ nicht mehr locker. Auf dieser Basis veröffentlichte Gunnhild 2004 ein viel diskutiertes Buch über die Besonderheiten der Einbürgerung Adolf Hitlers.

„Ganz nebenbei” stöberte sie auch noch für diverse IgB-Mitglieder in ‚Feld-, Wald- und Wiesenbeschreibungen’, alten Kartenwerken und anderen Schriften, um Informationen über ländliche Häuser zu finden. Auch dieses Engagement  soll nicht vergessen werden.

Gunnhild Ruben hinterlässt eine große Lücke – sie wird uns als unverwechselbare, immer hilfsbereite, aber gern auch unbequeme Persönlichkeit fehlen.