Herbsttreffen 2009 der IgB in Bad Langensalza

Bernd Froehlich, IgB

Traditionell findet das Herbsttreffen der IgB immer am zweiten Wochenende nach dem „Tag des offenen Denkmals“ im September statt. Dieses Jahr war das nun etwas anders: Die Organisatorin des Treffens, Sabine Pönicke, Leiterin der IgB-Kontaktstelle Mühlhausen, konnte das Herbsttreffen in die thüringische Landesschau „Mensch, Natur und Städtebau“ integrieren. Dadurch mußte zwar der Termin auf das Wochenende vom 16.–18. Oktober verschoben werden, brachte aber den Vorteil, dass die IgB das Friederikenschlösschen in Bad Langensalza kostenlos für eigene Veranstaltungen nutzen konnte.

Das Herbsttreffen begann am Freitagabend eher inoffiziell mit dem Eintreffen der Mitglieder der Außenstellen (AS) und Kontaktstellen (KS) im Gasthaus „Zur Weintraube“. Nach dem gemeinsamen Abendessen zeigte uns Sabine Pönicke in einem sehr interessant bebilderten Vortrag die Siedlungsentwicklung im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal und im Nationalpark Hainich.

Am Samstagvormittag begann dann der offizielle Teil des Treffens. Diesjähriger Schwerpunkt war die Vorstellung der Außen- und Kontaktstellen aus Thüringen und ihrer jeweiligen Projekte bzw. Arbeitsschwerpunkte.

Den Anfang machte Dr. Annette Braun-Lüllemann von der KS Eichsfeldkreis, gefolgt von Thoralf Nothnagel (KS Suhl), Sabine Pönicke (KS Mühlhausen), Christine Biedermann (AS Thüringen Holzland) und Erich Reiche (KS Buttstädt).

Anschließend stellte Gabriele Höppner von der AS Spreewald den Stand des „Möbusprojektes“ im Spreewald dar. Sie berichtete über den erfreulichen Fortgang bei der Umsetzung, aber auch über den oft dornigen Weg der Realisierung: Anträge für Fördermittel, Finden und Aktivieren von Mitstreitern und die begleitende Pressearbeit waren dabei wesentliche Stichworte.

Als übergeordnete Erkenntnis kann gelten: „Man braucht Geduld, nichts geht von heute auf morgen”. Gabriele Höppner wurde mehrfach gefragt, wieviel Zeit sie und ihre MitstreiterInnen bisher in das Spreewald-Projekt gesteckt haben, das immerhin schon seit einigen Jahren läuft. Die ehrliche Antwort war sinngemäß: „Ich weiß es nicht – ich mache einfach!“

Anschließend stellte Ralf Femmer von der KS Freiberg das bereits als Druckvorlage allen AS und KS zugesandte Projekt Niederschöna als ersten Entwurf vor. Beide vorgestellten Projekte wurden intensiv und teilweise auch kontrovers diskutiert. Der „rote Faden“ der Diskussion war die mögliche Übereinstimmung des jeweiligen Projekts mit den Zielen der IgB und die Erkenntnis, dass mit derartigen Projekten grundsätzlich IgB-Arbeit in einzelnen Regionen dezentral sinnvoll ist.

Am Samstagnachmittag stand dann eine Exkursion auf dem Programm: „Langensalza – Stadtentwicklung einer mittelalterlichen Fachwerkstadt“ mit Besichtigung ausgewählter Häuser. Frau Elke Laufs von der Denkmalbehörde und Herr Rohbock als Vertreter des Sanierungsträgers informierten kenntnisreich über die Erhaltung und Entwicklung der mittelalterlichen Fachwerkstadt hin zur lebendigen Kurstadt.

Bad Langensalza ist eine der historisch bedeutendsten Städte im Thüringer Becken. Zeugnis dieser Bedeutung ist eine reichhaltige historische Bausubstanz in der Altstadt, die bereits seit 1990 umfangreich restauriert wurde. Ihren früheren Reichtum verdankte die Stadt dem Färberwaid (Indigo).

Die Pflanze wird seit dem Altertum als Färberpflanze kultiviert und in Deutschland seit dem 9. Jahrhundert, hauptsächlich in Thüringen, angebaut. Neben Erfurt, Arnstadt, Gotha und Tennstedt gehörte Langensalza zu den fünf Waidstädten Thüringens. Seit der synthetischen Herstellung von Indigo im Jahr 1880 ist diese natürliche Farbe fast vom Markt verschwunden. Es gibt aktuell jedoch einige Initiativen, den Waidanbau in Thüringen wieder zu intensivieren, da die Nachfrage nach der blauen Farbe aus Färberwaid steigt, insbesondere zur originalgetreuen Restaurierung.

Ein weiteres Wirtschaftsgut von größerer Bedeutung war und ist der Langensalzaer Travertin, der in der Nähe der Stadt abgebaut wird. Die Stadtmauer und viele sakrale und weltliche Gebäude wurden aus diesem Kalkstein erbaut, sodass man ihn getrost als prägend für das Stadtbild betrachten kann. Dieser Baustoff war auch eine Art Exportschlager – u. a. wurden das Verwaltungsgebäude der Sektkellerei Henkell & Söhnlein in Wiesbaden und das Rathaus Charlottenburg in Berlin aus Langensalzaer Travertin erbaut.

Der Samstagabend klang aus mit einem Vortrag von Michael Happe, Museumsleiter des Thüringer Freilichtmuseums Hohenfelden mit dem Thema: “Vielfalt des ländlichen Bauens – Gemeinsamkeiten und regionale Besonderheiten in Thüringen”. Herr Happe zeigte dabei auch die Entwicklung des Museums von den kleinen Anfängen bis zur heutigen Größe. Eine angeregte Diskussion ergab sich aus unterschiedlichen Definitionen des Begriffs “Weller”, die anscheinend sehr regional geprägt sein können. Zu diesem Thema dürfte es in Kürze von den Hausforschern der IgB weitere Stellungnahmen geben.

Am Sonntag stand dann eine weitere Exkursion an, die durch einen Stadtteil Bad Langensalzas führte, das ehemalige Dorf Ufhoven, das 1950 eingemeindet wurde. Die Ersterwähnung des Ortes Ufhoven wird in die Zeit von etwa 1047–1050 datiert. Von der ehemaligen Burg in Ufhoven stehen heute nur noch wenige Mauerreste.

Die Exkursion begann mit einer Besichtigung der Werkstatt der IgB-Mitglieder Kerstin und Silvio Hellmundt. Die Zimmerei und Tischlerei besteht seit 1900. Frau Hellmundt, geb. Krieghoff und Ur-Enkelin des Firmengründers P. Krieghoff, erzählte sehr facettenreich aus der Familien- und Werkstattgeschichte, insbesondere von den fast täglichen Schwierigkeiten eines selbständigen Betriebs zur DDR-Zeit. Anschließend führte dann Herr Hellmundt kenntnisreich durch den Ort und die Baugeschichte einzelner Häuser.

Für die knapp 20 letzten Unentwegten ging es am Nachmittag noch einmal hoch hinaus – auf den Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich. Nachdem der sanft ansteigende Pfad bewältigt war, gab es von der oberen Plattform des Turms im Nationalpark (42 m über dem Waldboden) zum Abschluss einen imposanten Blick über den Park und das Thüringer Becken. Ein Besuch von Stadt und Park kann nur empfohlen werden.

Friederikenschlösschen (erbaut 1749/50)
Keller mit Travertin-
"Herkuleshaus"
Sog. “Trompe-l’oeil”
Kirche von Ufhofen
Baumkronenpfad im Nationalpark