Barockhaus in Landau - „Es sind diese Kleinigkeiten, die man lieb gewinnt!“

Wir haben uns direkt vor ihrem Haus, Kramstraße/Ecke Königsstraße in der Altstadt von Landau, verabredet. Das große Gebäude ist unverkennbar eine Baustelle: Dixiklo vor der Tür, die Fenster verbrettert, ein Bauzaun sichert das Ganze. Der Barockbau aus dem Jahr 1763 wirkt auf mich solide, obwohl die Jahrhunderte unverkennbar ihre Spuren hinterlassen haben. Verschiedene Farbproben auf der Fassade zeigen, dass über die künftige, neue Farbgebung noch nicht entschieden ist. Die Tendenz scheint jedoch in Richtung grün-grau zu gehen.

Sonja Behrens, Ende 30 und Architektin, begrüßt mich mit festem Händedruck, dann zieht sie den Schlüssel zur Baustellentür aus einer Mauernische heraus. Sie ist eine zurückhaltende Person, schlank, wirkt sportlich und zunächst eher nüchtern auf mich. Das ändert sich sehr schnell, als wir das Innenleben des L-förmig gebauten Eckhauses betreten. Sonja Behrens führt mich zunächst durch das Haus. Ihre Augen fangen sofort an zu strahlen, das kann ich trotz der dämmerigen Atmosphäre gut erkennen. Routiniert erklärt sie die Besonderheiten ihrer Baustelle, was wofür gedient hat, wie sie sanieren lässt und wie es nach Fertigstellung aussehen wird. Es ist ihr anzumerken, dass sie für ihre Kramstraße „brennt“ und was es ihr bedeutet, endlich ihr eigenes Haus sanieren zu dürfen.

Laubengang und Lamperie

Das Barockhaus hatte zu Erbauungszeiten mindestens drei oder vier Seiten, die sich um einen offenen Innenhof gruppierten. Heute existieren noch zwei Seiten, zwei wurden vermutlich in den 1970er Jahren abgerissen. Der Innenhof hat zur Erschließung des Obergeschosses einen Laubengang, was, so Sonja Behrens, „sehr spannend und selten“ ist. Das ganze Gebäude ist aus drei Gebäudeteilen zusammengewachsen, einem großen Gebäude mit Mansarddach, dem eigentlichen Bürgerhaus über Eck mit entsprechender Ausstattung wie Lamperie und Parkettböden sowie einem weiteren Baukörper in Verlängerung des „Südflügels“. Die 2 ½ Geschosse haben jeweils um die 150 m², das Grundstück selbst umfasst knapp 330 m². Im Erdgeschoss befinden sich ein Ladenlokal, eine große Garage sowie der Innenhof. Ins erste Stockwerk kommen die Wohnräume von Sonja Behrens und ihrem Mann sowie ein Teil ihres Architekturbüros, in den zweiten Stock ebenfalls ein weiterer Büroteil.

Die Bauherrin sieht vor ihrem geistigen Auge bereits jedes Detail, lässt in ihren Beschreibungen den demnächst restaurierten und zurzeit abgebauten Laubengang entstehen. Beschreibt spätere Zwischenwände, Büro- und Wirtschaftsräume sowie die nah am Original zu restaurierenden alten Fenster. Mir als Laiin ringt das eine Menge Fantasie ab, während ich über Leiterstufen steige, provisorische Stege balanciere und versuche, auf dem riesengroßen Dachboden nicht irgendwo daneben zu treten. Überall im Haus finden sich Bigpacks und Dämmplatten aus Lehm, Kabeltrommeln, Kabelschächte und Plastikabdichtungen zum Innenhof hin, weil der Laubengang gerade anderswo restauriert wird. Nach der gut eine Stunde dauernden Baustellenbegehung bei frischen Temperaturen um die 15 Grad lassen wir uns schließlich zum Interview auf einem Stapel Lehmleichtbauplatten nieder. Ich bin sehr froh, dass es Strom für mein Aufnahmegerät gibt, und ich im Auto noch ein Kissen zum Draufsitzen gefunden habe. 

Julius-Kraft-Preisträgerin

Wo liegen die Ursprünge für diese starke Affinität zu alten Gemäuern? Als Sonja Behrens sechs Jahre alt war, besuchte sie mit ihren Eltern die Kathedrale in Palma de Mallorca. Sie war vollkommen von der Tatsache fasziniert, dass an einer Ecke noch gebaut und an einer anderen bereits saniert wurde. Mit zehn Jahren stand sie während einer Busreise auf dem Petersplatz in Rom und war hingerissen: „Du läufst und läufst über diesen Platz auf die Säulen zu und er kommt dir nicht wirklich riesig vor. Und plötzlich steht ein Mensch daneben, ganz klein, und du erkennst die wirkliche Größe dieser Säulen. Das hat mit der Harmonie des Platzes zu tun. Er ist einfach stimmig gebaut.“

In der achten Klasse folgte ein Schulpraktikum beim Innenarchitekten, dann noch ein weiteres in einer Schreinerei. Die 14jährige Sonja beschloss, später Architektur zu studieren. Ihr Studium absolvierte sie an der Fachhochschule Holzminden, Vertiefungsrichtung „Dorferneuerung und Sanierung“. Für ihre Diplomarbeit über die Sanierung eines Fachwerkhauses in Bullendorf erhielt sie den Julius-H.-W.-Kraft-Preis der Interessengemeinschaft Bauernhaus. Es folgte ein einjähriges Aufbaustudium über Natursteinsanierung in England mit dem Abschluss „Master of Science“.

Die Menschen sind hier offener!

Seither spielen alte Häuser eine feste Rolle im Leben der Architektin. Sie ist ausschließlich im Bereich der Sanierung tätig und hat sich weit über ihren momentanen Wohnort Weinheim hinaus einen ausgezeichneten Ruf als Expertin erworben. Sie und ihr Mann sind Nordlichter, sie kommt aus Hannover, er aus Hamburg. Die beiden verschlug es vor rund 15 Jahren ins Süddeutsche nach Weinheim. Dort Fuß zu fassen sei nicht leicht, wurde das Paar im Vorfeld gewarnt, Weinheim sei ein Club. „Wir haben das damals nicht verstanden, heute wissen wir, wie es gemeint war. Wenn du da nicht wenigstens seit zwei Generationen wohnst, bleibst du außen vor.“ Ihr Mann und sie seien nicht die Kontaktfreudigsten, doch der bevorstehende Umzug in die Südpfalz nach Landau Ende dieses Jahres wird es ihnen leichter machen. „Ich habe hierhin seit 2001 berufliche Kontakte. Neulich saßen wir bei einem Sommerfest und kannten schon ganz viele Leute. Die Landschaft und die Menschen hier sind wesentlich offener als in Weinheim!“

„Und Sie verwenden wirklich die alten Materialien wieder?“


Ihr künftiges Domizil in der Kramstraße wird ihnen mit Sicherheit noch viel mehr Kontakte bescheren. Das Haus zieht große Aufmerksamkeit auf sich. Als das Paar vor ein paar Jahren am Tag des Offenen Denkmals zum ersten Mal die Baustelle öffnete, „rannten uns die Leute die Bude ein“. Viele zeigten sich jedoch skeptisch, weil das Haus damals in keinem guten Zustand war. „Sie kamen hereingeschlurft und fragten: Was wollen Sie denn mit der alten Bude machen?“ – „Sanieren.“ – „Ja, aber das ist doch alles krumm, da müssen Sie doch alles rausreißen!“ – „Warum?“ – „Ja, da kann man doch keine Schränke stellen.“ – „Na, wir stellen Klötzchen drunter“.  Die Leute hätten allesamt komisch geschaut und gedacht, „wir wären Verrückte“. Dann öffneten sie das Haus mitten in der Sanierung, wieder zum Tag des Offenen Denkmals. „Und wieder rannten sie uns die Bude ein. Viele waren jetzt begeistert und sagten: Super, Sie machen ja Fortschritte, das ist ja toll. Und sie verwenden wirklich die alten Materialien wieder, das geht? Mein Mann ließ sich einmal vom Bahnhof mit dem Taxi zur Baustelle fahren, und der Taxifahrer erklärte ihm, dass er es toll findet, dass und wie wir sanieren. Das ist doch schön!“

„Gott, ist das Ding kaputt!“

Sonja Behrens kennt das Haus in der Kramstraße schon lange, weil sie 2003 und 2004 bei einer vom Denkmalpfleger initiierten vollständigen Bestandsaufnahme dabei war und die Dendrochronologieproben genommen hat. „Damals dachte ich, Gott, ist das Ding kaputt, das fasse ich nicht an! Als mein Mann und ich Jahre später anfingen, etwas Eigenes zu suchen und kein passendes Objekt fanden, sagte der Denkmalpfleger, dass die Kramstraße zum Verkauf steht“. Die Architektin war zunächst sehr skeptisch, und zeigte das Gebäude schließlich doch ihrem Mann. Beide wollten unbedingt innerstädtisch wohnen, weil es für sie Lebensqualität bedeutet, samstags zu Fuß den Markt oder andere Geschäfte zu erreichen. In der Zwischenzeit war das Viertel zum Sanierungsgebiet mit den entsprechenden Zuschüssen erklärt worden. Das Haus liegt gut, bringt aufgrund des Ladenlokals Mieteinnahmen und ist als Wohnraum und als Büro nutzbar. Die vorherigen Eigentümer machten ihnen einen guten Preis. Sonja Behrens und ihr Mann kauften die Kramstraße und planen, sich hier endgültig niederzulassen. Sollte jedoch irgendetwas dazwischen kommen („man weiß ja nie!“), können sie das Haus wieder verkaufen, sind sie überzeugt. Landau gehöre zu den wenigen Mittelzentren, die noch wachsen und einen attraktiven Standort bilden. „Hätten wir ein Haus im Odenwald saniert, würden wir das nie wieder loswerden“, so die Architektin. 

„Ich habe es richtig gemacht."

Die Kramstraße ist seither ihre Sonntagsbaustelle, weil sie meist an den Wochenenden vor Ort ist und die Baufortschritte überprüft. Ab und zu legen sie und ihr Mann auch selbst Hand an, doch aufgrund der Größe und des Zustands des Anwesens hat sie Unternehmen beauftragt. Der Zimmermann hat ein Jahr lang gearbeitet, gesichert, gerichtet, Bauschäden repariert. Es folgten die Wände, und selbstverständlich ist auch schon das Dach repariert. Es hat in Teilen eine alte Biberschwanzeindeckung bekommen, die zur Historie des Hauses passt. Am Osterwochenende konnten Sonja Behrens und ihr Mann unfreiwillig zwei Männer auf der Straße belauschen, weil sie drinnen arbeiteten und sie durch das verbretterte Fenster hörten. Folgender Dialog fand statt: „Die hier machen ja auch mit ihrer Baustelle Fortschritte, die sind fertig“ – „Nein, die Fassade ist fertig, aber das Dach ist doch noch gar nicht gemacht, es ist doch alt!“ Und Sonja Behrens wusste: „Ja, ich habe es richtig gemacht mit der Dacheindeckung mit alten Biberschwänzen, weil Laien es gar nicht als neu gemacht wahrnehmen“.

Möglichst nach Befund instand gesetzt

Im Haus selbst wird moderne Technik einziehen, die sich aber gekonnt in die restaurierten Räume einfügen wird. Die Denkmalliebhaberin hat versucht, möglichst viel nach Befund instand zu setzen. Gerade bei den alten, einfach verglasten alten Fenstern hat sie sich viele Gedanken gemacht und schließlich eine für sie akzeptable Lösung gefunden. Die wenigen barocken Fenster werden ausschließlich restauriert und erhalten ein neues Innenfenster, das die modernen Wohnwünsche nach Wärmedämmung und Dichtheit erfüllt. Der größte Fensterbestand stammt aus den 1920er Jahren. Hier wird die Einfachverglasung gegen Isolierglas ausgetauscht, Dichtungen eingebaut und der Rahmen geringfügig verstärkt. Vereinzelt werden auch ganz neue Holzfenster eingebaut. Hier freut sich Sonja Behrens besonders über die erschwinglichen Holzsprossenfenster aus Eichenholz aus dem Pfälzerwald. Alle Fenster erhalten einen Leinölanstrich. Auch die vorhandenen Klappläden werden liebevoll in der Werkstatt repariert, neu gestrichen und wieder aufgehängt. Die Bauherrin ist überzeugt: „Ich glaube, viel ökologischer können Fensterbau und Fenstersanierung nicht sein.“

Starke Nerven gefordert

Ein so großes Objekt selbst zu sanieren, erfordert auch starke Nerven. „Während der Planung haben sich oft die Befunde und Gegebenheiten verändert, und wir mussten umdisponieren. Da muss man auch hinsichtlich der Kosten flexibel bleiben. Bei einem Objekt dieser Größe kann man einem privaten Bauherrn kaum vermitteln, dass seine Kosten gerade um 20.000 Euro gestiegen sind, er aber ruhig Blut bewahren soll. Ich musste nur meinen Mann beruhigen, und selbst er, der weiß, wie ich arbeite, bekam manchmal kalte Füße!“ Das Paar hat während der Bauphase immer wieder kontrovers diskutiert. Olav Behrens möchte zum Beispiel viel mehr Technik als sie in der Wohnung. Männer benötigen häufig mehr Technik als Frauen, ist eine Erfahrung der Architektin. Ihr Mann, der in der IT-Branche tätig ist, könnte auch im Neubau wohnen. Doch er hat sich auf das Haus in der Kramstraße eingelassen und führt Interessierte beim Tag des Offenen Denkmals oder zu anderen Anlässen voller Begeisterung durch die Räume. „Er sieht auch die Vorteile und dass dieses Haus etwas Besonderes ist, dass es zu uns passt.“ Wenn Leute etwas Gebrauchtes kaufen, muss es immer passen. Wenn man etwas Altes kaufe, alles herausreiße und versuche, es zum Neubau zu machen, ist etwas schief gelaufen, so ihre Erfahrung.

„Ich finde modernen Städtebau abscheulich!“

Moderner Städtebau ist gar nicht Sonja Behrens Sache. „Ich finde Städtebau abscheulich, würde nie neuen Städtebau machen wollen. So etwas kann man nicht bauen, weil es gewachsene Gebilde sind. Es gibt Altes und Neues, es entsteht, es wächst, es wandelt sich. Sämtliche Beispiele, in denen Menschen meinten, ganz neue Wohnviertel zu schaffen, sind meiner Meinung nach in die Hose gegangen. Ich kann doch nicht etwas Neues bauen und den Menschen sagen, ihr identifiziert euch jetzt damit. Da ist nichts, mit dem sie sich identifizieren können. Sie haben dort nicht in ihrer Kindheit gespielt, sich auf dem Dachboden versteckt oder dort hat ein Schulfreund gewohnt.“

Die Architektin plädiert dafür, dass wieder mehr Leute in alte Häuser ziehen sollten. Neubausiedlungen seien „supereinfach“ für Bauherren. Viele hätten gar keine Vorstellung, wie sie wohnen wollen. Sie brauchten eine Mustersiedlung und könnten aus dem Katalog aussuchen. Gerade junge Familien hätten das Bedürfnis nach Platz, einem kleinen Garten für die Kinder und den Grill. Diese Wünsche könnten aufgrund der Baupolitik augenblicklich innerstädtisch kaum erfüllt werden. Doch all die Neubaugebiete auf der grünen Wiese hätten auch viele Nachteile. Die Qualität der Häuser wird immer schlechter, das (Dämm-)Material besteht zunehmend aus zukünftigem Sondermüll. Die frühere Idee, dass das Reihenhaus aus den 1970er Jahren später als Alterssicherung dient, hat sich für Viele als Illusion entpuppt.

Mit Altbauprämie mehr Leute zum Leben im Altbau bewegen

Sonja Behrens ist überzeugt, mit einer Altbauprämie ähnlich der Abwrackprämie viele Leute zum Leben im Altbau bewegen zu können. Die Politik und die Städte könnten ihrer Ansicht nach viel dafür tun, Leben in den Städten attraktiver zu machen. Gemeinden müssten sagen, wir haben hier alte Häuser mit sehr erhaltenswerter Bausubstanz. Sie haben sich schon lange bewährt und werden auch noch lange halten. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kämen auch die Leute. Bürgermeister müssten umdenken in dem Sinne: „ich will nicht, dass meine Stadt verwaist“. Das Land hätte kein Interesse, die boomende Bauindustrie zu stoppen, die an den Neubausiedlungen verdient. In Norddeutschland stünden bereits viele solcher Siedlungen nach 15 Jahren wieder leer. Sie seien zu jung für eine Sanierung, entsprechen aber auch in keiner Weise der Energieeinsparverordnung.

Vor einigen Jahren hat sie für eine jüngere Familie einen Altbau geplant. Der Mann ist Gartenlandschaftsbauer und hat in den Wintermonaten viel Zeit, sein Haus zu sanieren. Das Haus war früher im Familienbesitz. Als Sonja Behrens zur Bestandsaufnahme kam, saß sie bei den Eltern des Mannes mit am Mittagstisch. Sie waren skeptisch nach dem Motto: was will man mit dem alten Ding noch machen. Der Sohn hat dann das Haus überwiegend in Eigenleistung saniert, die Oma passte auf die drei kleinen Kinder auf. Der Opa machte die Bauleitung. „Am Ende saß der Opa mit den Enkeln da, und sie haben gemeinsam mit Lehm die Gefache ausgebessert. Und ich konnte ihm auf seine anfängliche Frage, ob man das mit dem ollen Lehm, dem Dreck, überhaupt noch macht, antworten: Ja, es gibt nichts Besseres, deswegen hat es auch so lange gehalten!“

Nur ökologische Baustoffe verwendet

In der Kramstraße hat die Architektin nur ökologische Materialien verwendet. „Ich arbeite in der Altbausanierung nur mit Stoffen, die bereits früher in den Häusern waren. Wenn ich im Haus einen Kalkputz habe, wird er mit Kalkputz repariert. Ich muss ihn auch nicht komplett herunterschlagen, warum denn, ich kann ihn genauso gut reparieren.“ Das Eigentümerpaar hat nicht nach der Energieeinsparverordnung gedämmt. Trotzdem ist die Sanierung ökologischer, als wenn sie einen Neubau auf der grünen Wiese gebaut hätten. „Wir versiegeln keine neuen Flächen, das Haus wurde schon vor langer Zeit gebaut und verbraucht keine neuen Materialien. Ich habe hier im Haus so viele „goodies“ eingebaut, dass ich in ökologischer Hinsicht die nächsten 20 Jahre nicht über meine CO2-Einsparung sprechen muss!“ Außerdem hat sie die gesamte Planung des Hauses gleich denkmalverträglich geplant. Dadurch gab es nur wenig Ärger, und der Denkmalpfleger ist sehr zufrieden mit den Arbeiten und dem Zustand des Hauses.

Sonja Behrens ist glücklich mit ihrer Entscheidung für die Kramstraße. Das Haus hat ihr viel abgerungen, sie musste oft umplanen, unkonventionelle Lösungen finden. Doch es ist gerade die Krummheit, die Schiefheit, die sie liebt. An ihrer Barocktreppe wackelt eine Stufe, und man erschrickt sich furchtbar, wenn man das erste Mal darauf tritt. Sie wird sie so belassen: „Es sind diese Kleinigkeiten, die man lieb gewinnt!“

Unser Interview ist beendet, ich schüttele mir, ziemlich durchgefroren, den Baustellenstaub aus den Kleidern und bin beeindruckt darüber, dass sich eine zutraut, mit diesem riesigen Haus fertig zu werden. Sie wird es mit Sicherheit schaffen und ein Schmuckstück aus der Kramstraße machen. Eine Zeit lang werden sie und ihr Mann dort leben, vielleicht den Rest ihres Lebens. Doch Sonja Behrens hat die Sanierung so angelegt, dass noch viele Generationen nach ihr in diesem heute knapp 250 Jahre alten Haus leben können. Ich ziehe im Geiste meinen Hut vor dieser Haltung!

Michaela Töpfer, Öffentlichkeitsreferentin IgB
(Das Interview wurde im April geführt, mittlerweile ist die Familie Behrens sowie Sonja Behrens Architekturbüro in der Kramstraße eingezogen.

 

(Alle Fotos: S. Behrens)

Kramstraße, Gesamtansicht
Kramstraße in der Straßenflucht
Kramstraße und Nachbargebäude
Kramstraße, Vorder- und Seitenansicht
Laubengang
Fenster Kramstraße
Fenster Erdgeschoss Kramstraße
Fensterläden
Fenster im neuen Gewande
Hausherr bei der Arbeit
Heizschlaufen
Innenansicht Wohnzimmer
Innenansicht Kramstraße: Wohnzimmer
Alter Dielenboden
Deckendetail
Detail Kramstraße
Treppenaufgang