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Kontaktstelle Otzberg

Ein großer Walnussbaum, ein Hausbaum, entschied letztendlich die Wohnfrage für den dringend benötigten Platz unserer gewachsenen Familie und über den neuen Wohnsitz. Bei den Überlegungen ob „Alt oder Neu“ –mit „Balkon oder Garten“ – in der „Stadt oder auf dem Land“ punktete ein Resthof unter anderem durch seinen geschützten Innenhof. Was für ein Erlebnis, wenn man aus der aufgeheizten, verkehrsüberlasteten Stadt in einem typischen hessischen Dorf mit Bachlauf ankommt, vor einem Vierseithof steht , das Hoftor öffnet und sofort die Wohltat dieses kühlenden großen schattenspendenden Hausbaumes erlebt. Da mag man eintreten und bleiben. Der Wechsel aus unserer Studentenbude mitten in der Stadt, war mit aufgeweckten Kindern, die möglichst nah an der Natur aufwachsen sollten, gewünscht. Grün sollte es um uns herum sein. Die Kinder sollten natürlich und selbständig sowie gefahrenarm aufwachsen.

Bei den doch attraktiveren Immobilienpreisen im ländlichen Bereich sahen wir weitere Wege zur Arbeit, nur 30 Fahrminuten von Darmstadt oder 45 von Frankfurt in den Vorderen Odenwald, ganz entspannt. Wir fanden „Unser Haus“ auf einem der großen alten Bauernhöfe. Ein ehemaliges Mühlenanwesen mit ca. 600 Jahren Geschichte, das von einer WG vor dem Verfall seinerzeit gerettet wurde und nun 15 Jahre später neue Besitzer in der Eigentümergemeinschaft suchte.

Das Gesindehaus war genau richtig für uns. Gegenüber des Haupthauses hatten wir somit das „Kleine Haus“ ganz für uns alleine und doch auch Gemeinschaft. Darüber hinaus bot es drum herum noch wesentlich mehr Platz, als in jeder Neubausiedlung. Auch wenn wir beim Haus selbst gar nicht so genau hinschauten. Denn wie schon gesagt, verliebt in den „Hof mit Baum“, sahen wir dort die Kinder spielen und wollten die nötigen Renovierungen und Sanierungen mal so nebenbei erledigen.

Von vornherein kamen auch ohne damaliges Material- und besonderes Fachwissen nur nachhaltige Baustoffe zur Auswahl. Das Haus steht nicht als Kulturdenkmal unter Schutz, sondern lediglich als Gesamtanlage. Eine Fachberatung erhielten wir vor Ort nicht. Vieles wurde angelesen, denn auch in meinem Studium als Innenarchitektin kam dieses Fachwissen nicht vor. Der Holznagel hat uns damals den entscheidenden Tipp zur Wandheizung gegeben. Stück für Stück führte uns das Haus an Wissen und viel Erfahrung heran. Von der Baugeschichte 1881 als Auszugshaus 3-zonig mit Backhaus geplant und auf Sandsteingeschoss mit Krichkeller (nur zur Belüftung) nah an der Bachfurt errichtet, besaß es ursprünglich zur Küche im Ern eine Stube und drei Kammern im Obergeschoss. Der Dachboden mit stehendem Stuhl diente Lagerzwecken und ist nun in zwei zusätzliche Räume ausgebaut.

Die Vorbesitzer nahmen schon die ehemals separat zugängliche Backstube mit zum Wohnraum hinzu, wodurch leider auch der ehemalige Backofen und der zweite Kaminzug mit verschwanden. Ein bauzeitlich angebauter Schuppen erweitert jetzt den Bedarf an Wohnfläche, so dass uns dieses Haus nun über 18 Jahre gut beherbergt hat. Im Rückblick hat uns unsere anfängliche Blauäugigkeit geschützt, um nicht gleich vor dem doch in der Summe tatsächlichen Sanierungsaufwand zurück zu schrecken. So sind manche unvorhersehbaren Überraschungen wie Wasserlecks, oder massive Schäden durch Sanierung der Gemeindestrasse überstanden.

Ganz sicher ist es aber auch für das Haus und selbstverständlich auch für uns gut gewesen, sich ausreichend Zeit für Entscheidungen zu lassen. Dem Bedarf und den finanziellen Mitteln entsprechend, wurde das Haus langsam und behutsam in 18 Jahren Eigenleistung saniert. Zwischendurch haben wir auch einfach mal eine „Atempause“ benötigt. Diese hat schließlich für neuen Schwung und Kreativität gesorgt. Viele alte Handwerktechniken und ursprüngliche Materialien wurden in diesen Jahren ausprobiert sowie verarbeitet. Als letztes bekommt in diesem Frühjahr noch die Fassade, nachdem die Riss-Sanierung funktionierte, einen ökologischen und historischen Anstrich sowie die für diese Gegend typischen Klappläden wieder zurück.

So dürfen dann im Sommer die Füße entspannt unter unserem Hausbaum ausgestreckt werden, wenn nicht gerade ein IGB-ler vorbeischaut, um an unseren Erfahrungen teilzuhaben und unser gesammeltes Wissen in der ganz neuen Kontaktstelle in Otzberg für den Raum Darmstadt Dieburg und Vorderen Odenwald zu nutzen.

 

 

Kontextspalte

Auszughaus linke Hofseite ca.2002
Haupthaus rechte Hofseite zur Jahrhundertwende
Archivplanausschnitt von 1881
2 Eingänge-2 Kaminzüge und Backofen
Risse verpressen und verputzen nach Kanalbauarbeiten der Gemeinde.