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Kontaktstelle Oberweser

In diesem Haus wurde ich am 22.12.1957 geboren, zu dieser Zeit gab es nur 2 Wasserhähne im Haus, Plumpsklos im Stall auf dem Hof und die Diele war noch durchfahrbar (mit Einachsgespann „Agria“). Die Wohnumstände in derartigen Häusern damals sind vielen IGBler sicher nicht fremd, heutigen Jugendlichen dagegen kaum noch zu vermitteln.

Nach Umzug mit den Eltern in eine Hausmeisterdienstwohnung (mit Zentralheizung und Bad)1966 erbte ich zehn Jahre später das Haus und zog nach meinem Studium (Sozialpädagogik in Nürnberg) 1981 wieder dort ein. Damit begann meine Auseinandersetzung mit dem Thema „Fachwerkhaus“.

Das Haus aus dem Jahr 1782 hat noch einen Eichendachstuhl, der durch die „Aufdoppelung“ eines Fichtendachstuhls zur Vergrößerung der Dachfläche um ca. 1/3 nach hinten stark verändert wurde. Diese Hauserweiterung steuerte u.a. mein Geburtszimmer bei, der Anbau überspannte auch einen noch erhaltenen Sandstein-Gewölbekeller.

In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Türbalken heruntergesetzt, in die ehemals bis in den Dachstuhl offenen Diele wurden Zimmer eingebaut. Dreiflügelige Türen ermöglichten noch die Durchfahrt, bis in den Siebzigern eine neue (Wasch-) Küche teilweise in die Diele hineingebaut wurde.

Nach meinem Wiedereinzug begann ich damit, das Haus zu sanieren. Zunächst vom IGB-Virus noch nicht infiziert, gab ich bei einem befreundeten Architekten eine Planung in Auftrag, die u.a. einen Lichtschacht im erweiterten Treppenhaus und einen Dachausbau vorsah. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen wurde diese Planung nicht umgesetzt, sondern ich begann, Zimmer für Zimmer zu renovieren, was auch damit verbunden war, die reichlichen Spuren der früheren Sanierungen rückzubauen bzw. zu entfernen. Vom Nachtspeicherofen bis zu Pertinax-Wandverkleidungen war alles dabei.

Aus heutiger Sicht habe ich da auch noch viele Fehler begangen, aber das Haus ist in seiner Substanz erhalten und wurde ab 1999 von einem jungen Ehepaar (Tischler/Lehrerin) übernommen und weiter ausgebaut.

Zur IGB kam ich durch ein sehr gutes Seminar von Werner Kreitel-Haberhaufe in Bassum, was auch meine weitere Beschäftigung mit natürlichen Baustoffen und bestandschonender Bauweise auslöste. Der Kontakt mit Gerd Ziesemann von „Kreidezeit“ war ebenfalls sehr fruchtbar, seine Marmormehl-Kaseinfarbe verwende ich heute noch sehr gern.

Durch die berufliche Tätigkeit in einer „Übungswerkstatt Bau“ ergab sich die Möglichkeit, ein Beschäftigungsprojekt im Bereich Baustoffrecycling aufzubauen. Dabei bekam ich sehr viel Unterstützung u.a. von Thomas Knapp, Deensen und dem Fachbereich Architektur, SP Denkmalpflege, der FH Holzminden (heute:  „Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim, Holzminden, Göttingen – Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen“ (HAWK). Unter der Leitung von Burghild Januszewski konnten einige verformungsgetreue Aufmaße von abzutragenden Gebäuden, aber auch von den Zehntscheunen und der alten Wassermühle am Mühlenanger in Stadtoldendorf erstellt werden.

Eine der Scheunen konnte im Rahmen der teilgeförderten ABM vor dem Abriss bewahrt werden, was für die Ensemblewirkung sehr wichtig ist. An diesen Scheunen haben dann noch einige Generationen Studenten der Denkmalpflege Lehmbauarbeiten geübt. Leider ist die Vertiefungsrichtung Denkmalpflege der HAWK aus Holzminden zwischenzeitlich nach Hildesheim verlegt worden.

In dem Areal tummelt sich jetzt die Mannschaft des Stadtoldendorfer Heimatpflegers Helmut Walter, die dort u.a. eine alte Feldbahn nachgebaut haben, die bis in die 50er Jahre Gips aus den örtlichen Gipsbrüchen zum Bahnhof und zu den drei örtlichen Gipswerken brachte..

Auf alten Dachböden der Region gibt es häufig noch Gipsestrichböden aus dieser Zeit.

Bei den Gipsbrüchen unter der alten Homburg fand ein  Mitglied der Archäologie-AG des sehr rührigen Heimat- und Geschichtsvereins für  Landkreis und Stadt Holzminden e.V. (HGV) Gipsbrennstellen aus mehreren Epochen, vermutlich schon aus der Bauzeit (um 1100) der Burg (Sandsteinmauerwerk mit Gipsmörtel!) bis ins vorletzte Jahrhundert, als die Öfen schon mit Kohle befeuert wurden (1865 Bau der Bahnlinie Altenbeken –Kreiensen).

Die vielen Funde um die Burg herum bewogen das Landesamt für Denkmalpflege, Geld für das sog. „Airborne Laserscanning“ bereitzustellen. Dabei wurden der Dasseler Burgberg, die Erichsburg bei Dassel, die Homburg, das Kloster Amelungsborn sowie der Everstein (mit der Ruine der Burg der Grafen von Everstein, die auch Holzminden und Polle gründeten) bei Negenborn erfasst und es gab viele spannende Aufschlüsse zur Regionalgeschichte.

Durch unsere Region führte im Mittelalter eine wichtige Ost-Westverbindung, zunächst von Holzminden über Stadtoldendorf nach Gandersheim, nach dem Bau des Amtes Wickensen aus Steinen der aufgelassenen Homburg, ab Lobach über den Everstein und Negenborn an Escherhausen vorbei nach Osten (Damals Hellweg, heute B 64).

Ein anderer, in den Ortsbildern der weiteren Region (noch) sehr präsenter Baustoff, ist der rote „Sollingsandstein“, der u.a. in seinem spaltbaren Vorkommen auch als Dach-, Außenwand- und Bodenplattenbelag genutzt wurde und teilweise noch wird. Leider verschwinden immer mehr solche Dächer und werden aus Kostengründen mit billigeren Materialien gedeckt.

Es gibt noch Häuser in der Region, die bis auf Deckenbalken und Fußbodendielen, Dachstuhl, Türen und Fenstern komplett aus diesem Material gebaut sind. Es gibt Überlegungen, über die Verwendung dieses Materials zu Bauzwecken einen weiteren Bildband beim Regionalverlag Jörg Mitzkat, Holzminden, zu erstellen. Ein Band über die Sandsteinbrüche liegt bereits seit Langen vor („Im Stein“, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, leider vergriffen, kann aber bei mir ausgeliehen werden).

Die Idee, solche Platten wieder herzustellen und damit diese alte Handwerktechnik vor dem Aussterben zu bewahren, brachte der frühere Bezirksdenkmalpfleger Dr. Thomas Kellmann ins Spiel. Im Rahmen der Sanierung eines denkmalgeschützten Deelenhauses in Deensen am Solling Foto s. unten)  könnte dieses Projekt einen praktischen Nutzen bekommen.

Dieses Objekt soll zu einem Kristallisationspunkt der IGB- und Denkmalpflege in der Region werden. Dabei ist eine Zusammenarbeit mit dem HGV und weiteren Institutionen geplant.

Die Bereiche Erkundung/Erhalt der Kulturlandschaft, Denkmalpflege sowie Umwelt- und Naturschutz sind hier in der Region  mit ihrem (noch) reichhaltigen Bestand (z.B. auch an Wölbäckern, Grenzsteinen, Waldglashütten, Backhäusern etc.)  eine lohnende und spannende Aufgabe, die sozusagen die „Klammer“ meiner ehrenamtlichen Aktivitäten bilden.

Interessenten sind herzlich eingeladen, mitzumachen!!!!

Carlo Böker (Februar 2014)

Foto: C. Böker

Kontextspalte

Carlo Böker vor seinem Geburtshaus