Von der Schleifmühle zur „Kulturmühle Buchhagen“

von Annett Kunberger

Die Exkursion am 1. Mai im Landkreis Holzminden im Anschluss an die IgB-Jahreshauptversammlung gab den Mitgliedern der IgB Gelegenheit, die Schleifmühle Buchhagen kennen zu lernen, die in den letzten Jahren erfolgreich saniert wurde.

Buchhagen ist Teil der Samtgemeinde Bodenwerder und liegt im Norden des Landkreises Holzminden. Dort befindet sich, etwa zwei Kilometer vor der Mündung der Lenne in die Weser, der unter Ensembleschutz stehende ehemalige Gutshof der Familie von Hake. Dieser besteht aus dem Hang aufwärts liegenden „Oberen Gutshof“ mit dem herrschaftlichen Wohnhaus, Kapelle, Gutsverwalterhaus und Scheune sowie dem „Unteren Gutshof“ mit dem Arbeiterwohnhaus, der Schleifmühle und zwei weiteren Scheunen. Dieser untere Gutshof stand Anfang der 1990-er Jahre leer und zum Verkauf.

Baugeschichte und ehemalige Gebäudenutzung

Der Mühlenkomplex in Buchhagen gehörte zum oberhalb gelegenen Gutshof derer von Hake, die seit dem 14. Jahrhundert den `Bochaghen’ als Lehensgut besaßen. 1867 ließen von Hakes unterhalb des Gutshofes das eigentliche Mühlengebäude erbauen. Zeitlich fällt der Bau der Schleifmühle damit in die Epoche des Historismus. Das Mühlengebäude weist eine klare Gliederung in ein erhöhtes Mittelschiff und zwei niedrigere und gleich breite Seitenschiffe auf. In der Ansicht von Süden her entspricht das Gebäude als dreischiffige Anlage in massiver Bauweise der damals üblichen Herrenhausarchitektur.1 Der Mühlenbetrieb in Buchhagen war bei seiner Entstehung als reine Steinmühle konzipiert, um dort Sandsteinplatten für Bodenbeläge zu bearbeiten. An der Giebelseite des westlichen Flügels erfolgte der Antrieb über ein Wasserrad. Über eine Welle, die in einem durch die ganze Länge des Kernbaues laufenden Tunnel an der nördlichen Rückseite gelagert war, wurde die Kraft an die vorgesehenen Stellen im Gebäude weitergeleitet.

1887 wurde zwischen dem östlichen Flügel und einer bestehenden Scheune der so genannte Querbau mit drei Kornböden und einer Schrotmühle errichtet. Der Mittelrisalit erhielt einen zweigeschossigen massiven, und der Westflügel kleinere Pultdachanbauten. In ihnen wurde, wohl um eine größere Unabhängigkeit von der mit dem Wasserstand schwankenden Wasserkraft zu erlangen, eine Dampfmaschine untergebracht.

Um 1907 erfolgte der Umbau des Maschinenhauses zu Wohnraum, das ehemalige Kesselhaus wurde zum Schweine- und Ziegenstall umfunktioniert. An der Ostseite des Gebäudes wurde eine neue Turbinenanlage eingebaut, die Strom für den gesamten Ort Buchhagen, sowie für die Schrotmühle und die Dreschanlage erzeugte. Wann der Betrieb als Sandsteinschleiferei und der landwirtschaftliche Mühlenbetrieb eingestellt wurde, ist allerdings nicht mehr genau zu ermitteln.

Bis in die späten sechziger Jahre hinein sind sowohl die fünf Arbeiterhäuser als auch die Mühle als Wohnungen genutzt worden, ohne jedoch für die notwendige Bauunterhaltung zu sorgen. Die Gebäude wurden allmählich unbewohnbar und verfielen.

1997 wurde der Komplex von einer Gruppe, die sich größtenteils aus ehemaligen reisenden HandwerkerInnen zusammensetzte, gekauft und zunächst wurden die Arbeiterwohnhäuser wieder hergestellt. Dabei wurde der gesamte Dachstuhl erneuert und, in Übereinstimmung mit der Denkmalschutzbehörde, die vorhandene, stark abgängige Sandsteindeckung durch eine braune Ziegeldeckung ersetzt.

Nutzungskonzept

Wie bei vielen ländlichen, ehemals wirtschaftlich genutzten Objekten stellte sich auch in der Buchhäger Schleifmühle die Frage nach einer sinnvollen Umnutzung, die einen langfristigen Erhalt des Gebäudes sichern kann. In Buchhagen gründete sich hierzu ein Kulturverein, dessen Anliegen die Förderung der regionalen Kunst- und Kulturszene, der Gartennutzung unter ökologischen Gesichtspunkten (Permakultur), der Erhalt der Mühle sowie die Belebung alter Bautradition ist.

In diesem Sinne sollte die Mühle als Kulturzentrum Platz bieten für Veranstaltungen und Seminare. Die Wirtschaftlichkeit der geplanten Nutzung musste dabei besonders in Betracht gezogen werden, da die langfristige Unterhaltung des Gebäudekomplexes allein von den Eigentümern nicht geleistet werden kann.

Denkmalpflegerische Bedeutung der ehemaligen Schleifmühle Buchhagen

Die besondere denkmalpflegerische Bedeutung der Schleifmühle Buchhagen liegt in der Tatsache begründet, dass in einem Gebiet, das zumindest im ausgehenden 19. Jahrhundert sehr stark durch derartige Schleifmühlen geprägt war, lediglich die Buchhäger Anlage diese Besonderheit der Region noch anschaulich wiedergibt. Alle übrigen bekannten Schleifmühlen sind inzwischen durch Veränderungen und Umbauten, z. B. zu Wohnzwecken, so weit überformt worden, dass die ursprünglichen Anlagen der Schleiftechnik bei keiner weiteren Mühle mehr in dieser Form vorhanden ist.

Es ist einerseits die technikgeschichtliche Bedeutung der Mühlenanlage einschließlich der noch erhaltenen Maschinenreste sowie die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Bedeutung für die Region, die den hohen Denkmalwert der Gesamtanlage ausmacht.

Die von den Eigentümern erwogene Konzeption für eine Umnutzung des Gebäudes stand von Anfang an in voller Übereinstimmung, mit den Wünschen und Vorgaben des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover.2

Schleifmühlenbetrieb

Schon seit dem 16. Jahrhundert werden Sandsteine in Schleifmühlen maschinell bearbeitet. Je nach Verwendung wurden die Steine in den umliegenden Mühlen geschliffen oder poliert. Die Mühlen mussten sowohl verkehrsgünstig liegen, als auch über einen ausreichenden Wasserlauf in der Nähe verfügen, um das Wasser sowohl zum Antrieb als auch als Hilfsmittel beim Schleifen nutzen zu können.

Geschliffen wurden Deelensteine, Bodenbelagsplatten, Treppenstufen und andere Bauteile. Dach- und Fassadenplatten wurden ungeschliffen verwendet. Der Schleifmechanismus wird von einem Wasserrad angetrieben, von dem aus die weitere Antriebstechnik ins Gebäude und auf die Schleifkränze führte.

Von der Wasserradwelle wurde über eine Umlenkung durch Lederriemen die Kraft auf eine durch das gesamte Gebäude verlaufende Welle übertragen (Wellentunnel). Von dort aus wurde die Kraft an den entsprechenden Stellen mit einem Kammrad abgenommen und auf die Schleifkränze geleitet. Im oberen beweglichen Teil dieses Kranzes waren die zu bearbeiteten Platten fest eingespannt und schliffen beim Drehen über die unter ihnen im Bodenraum liegenden Platten, während Wasser und Sand als Schleifmittel dazwischen gegeben wurden. In der Buchhäger Mühle befanden sich drei Kränze, deren Lage noch deutlich im Boden ablesbar ist. Auch die Lage des Systems der  Wasserrinnen ließ sich noch gut im Boden ablesen.

Mühlendach Buchhagen

Die weitaus größten Kosten bei der Sanierung der Mühle verursachten die Erneuerung und Sanierung von Gründung, Dachtragwerk und Dachhaut. Da die
Eindeckung mit Sollingplatten ein wichtiger Punkt war, möchte ich auf die Konstruktion und den Bauzustand der verschiedenen Dächer vor der Sanierung der Mühle näher eingehen.

Das Dachtragwerk der Mühle besteht in fast allen Dachteilen aus Pfettenkonstruktionen mit Mittel- und Fußpfetten und zweifach stehenden Stühlen. Die Verbindungen sind einfache Blätter, Kämme oder Zapfenverbindungen. Verwendet wurde ausschließlich Fichtenholz, für die Sparren zum größten Teil baumkantig mit einem Querschnitt von 13/13 cm. Ihr Sprungmaß betrug durchschnittlich 110 cm. Die Stühle wiesen insgesamt weniger sparsame Querschnitte auf, im Dachbereich ca. 18/18 cm und waren stabil abgezimmert. 

Der Querbau weist eine Dachneigung von ca. 44° auf. Die Dachneigung des Hauptgebäudes beträgt auf allen drei Teilen ca. 28°. Das gleiche gilt für die nördlichen Anbauten. Größtenteils bestand die Eindeckung der Mühle aus Solling-Sandsteinplatten.

Der Anschluss der beiden parallel verlaufenden und deshalb gegeneinander abfallenden Dachflächen des östlichen Flügels und des sich anschließenden Querbaus war als Lagerkehle ausgebildet. Soweit noch erkennbar, war diese als einfache Blechwanne errichtet worden, die im Sohlenbereich zum Zeitpunkt der Untersuchung lediglich auf zölliger Schalung mit einfacher Bitumenbahn auflag.

Bauzustand des Mühlendaches

Insgesamt befanden sich alle Dachkonstruktionen in einem schlechten bis sehr schlechten Zustand. Die Hölzer waren größtenteils nicht entrindet und wiesen Schädlingsbefall und Pilzbewuchs (Fäulnis) auf. Letzteres war auf die überall durch kleine und in einigen Bereichen großflächige Löcher in der Dachhaut und an Anschlusspunkten zurückzuführen.

Die geringen Sparrenquerschnitte und das Fehlen einer Firstpfette, bei gleichzeitig sehr stabilen und aufwendig gemauerten Giebelwänden, bedingten u.a. das Durchhängen der Firste (Mittelrisalit). Ein weiterer Grund lag in der nicht ausreichenden Gründung von tragenden Innenwänden. Ohne die massiven und gut ausgeführten Giebelmauern des Gebäudes wäre der Schaden an den Dächern sicher weit größer – daher der immer noch deutlich zu sehende Durchhang des mittleren Mühlendaches.

Es fanden sich zwar auch Formveränderungen durch Schäden einzelner Holzverbindungen, Auflager- oder Knotenpunkte – hauptsächlich konnte aber von einem langsamen Durchfeuchten und Faulen der gesamten Konstruktion gesprochen werden. Die gravierendsten Schäden waren die Dachanschlüsse am aufgehendem Mauerwerk (Wandkehlen) und die Lagerkehle zwischen Mühlen- und Querbaudach. Letzterer findet sich im von außen nicht einsehbaren Teil des östlichen Flügels, über dem heutigen Café. Große Teile der Dachfläche (über der heutigen Kuchentheke) waren hier bereits eingestürzt.

Die einhüftige Lagerkehle hatte dem Anfall der Regenwassermenge
offensichtlich als erstes nachgegeben. Die steilere Dachseite ließ das Wasser stärker auf die flachere schießen als umgekehrt. Die eindringende Feuchtigkeit hat zunächst die zum Mühlenhauptbau gehörige Dachfläche zum Einsturz gebracht, und im Anschluss daran das Einbrechen der darunter befindlichen Geschossbalkenlagen im Ostflügel verursacht. Die Einbrüche dort reichten zum Teil bis in den Wellentunnel hinein. Die Balkenköpfe im Auflagerbereich der Kornböden des angrenzenden Querbaus waren dadurch ebenfalls schon stark beschädigt. Die sehr massive 60 cm starke ehemalige Mühlenaußenwand, die direkt unter der Lagerkehle liegt, hatte ebenfalls schon starken Schaden genommen. Hier waren die ersten Durchgänge und Balkenauflagerbereiche eingebrochen.

Ob konstruktive Fehler, mangelnde Ausführung, oder fehlende Bauunterhaltung letztlich Hauptursache für den großen Schaden waren, ließ sich nicht mehr nachweisen.

Unterlassene Reparaturen der Dachrinnen und Fallrohre, Moosbewuchs und Feuchtigkeit im Stein, dadurch verursachte Wurzelsprengung der Dachplatten und Lücken in der Deckung haben zu unkontrolliertem Wasserablauf und -stau geführt, und so dem Mühlendach in jahrelanger Feinarbeit den Rest gegeben. An einigen Stellen ließ sich auch sehr schön feststellen, wie kleine „VerbesserSchlimmerungen“ – falsches Einschieben von Blechplatten in der Dachhaut – über Jahre zum Einbrechen ganzer Wand- und Deckenteile führen kann. 

Forderungen aus dem Bauzustand

Da die Dächer durch Feuchtigkeitsschäden und des in Folge aufgetretenen Fäulnisbefalls bereits stark geschädigt waren, wurde die komplette Neuerstellung der Sparrenlagen, Balkenlagen und teilweise der Stuhlkonstruktionen geplant.

Die Dächer des Hauptgebäudes und der südliche Teil des Querbaudaches erhielten eine Neueindeckung aus Sandsteinplatten. Das zweistöckige Maschinenhaus auf der Nordseite bekam eine braune Ziegeleindeckung. Das nordöstliche Pultdach wurde mit einer geringeren Neigung wieder errichtet, um die Fensterreihe des Westflügels wieder vollständig nutzen zu können. Da die Neigung dann für eine Deckung in Sandstein nicht mehr ausreichend war, wurde das Dach als Blechdach ausgeführt. 

Die Zimmerei-Scheune hatte bereits ein neues Dach erhalten. In diesem Zuge wurde auch die nördliche Hälfte des Querbaues mit einer neuen Ziegeleindeckung versehen.

Forderungen aus dem Denkmalschutz

Wie schon eingangs erwähnt, lag und liegt der denkmalpflegerische Wert des Gebäudes in erster Linie in seiner regionalen Bedeutung und den Resten der Schleifmühlentechnik. Diese befindet sich ohne Ausnahme in den unteren Teilen der Mühle. Die Sandsteineindeckung sollte bei einem Gebäude dieser Bedeutung und Ausformung auf jeden Fall erhalten werden.

Insgesamt stellte das Dachtragwerk der Mühle aber kein besonders erhaltenswertes Bauteil dar. Dachkonstruktionen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dieser Art und Größe sind keine Seltenheit. Gegen das Abtragen schadhafter Sparren- und Dachbalkenlagen, oder Stuhlkonstruktionsteile gab es von denkmalpflegerischer Seite keine Einwände. Im Sinne der Bestandserhaltung wär es zwar wünschenswert gewesen, das bauzeitliche Dach in seiner damals üblichen Verzimmerung zu erhalten, doch schien der Aufwand einer Reparatur unangemessen hoch.

Der Verlust der Bausubstanz durch eine großzügige Erneuerung des Daches war durch den Zugewinn einer stabilen und dichten Dachhaut zu geringeren Kosten zu vertreten.

Forderungen aus der geplanten Nutzungsänderung Es wurden im Obergeschoss des Hauptgebäudes Büroräume, im mittleren und westlichen Gebäudeteil der Veranstaltungsbereich, und im östlichen das Café vorgesehen. Die Dachräume des Mittelrisalits, des Maschinenhauses und des östlichen Flügels sind lediglich als Speicherraum eingeplant.

In diesen Bereichen wurde nur die Decke gedämmt, die Dachhaut blieb bis auf den Einzug eines wasserführenden Unterdaches unverändert. Sie bekam über dem Cafébereich eine Ausstiegsluke, um Reparaturund Reinigungsarbeiten (Lagerkehle!) zu erleichtern.

Um die „Bespielbarkeit“ des Saales zu erleichtern, wurde ein Paar Stützen unter der doppelten Stuhlkonstruktion entfernt, und zwar das der Bühne am nächsten stehende. Die Lasten werden heute von zwei weiß verkleideten Stahlträgerkonstruktionen abgeleitet. 

Diese Umbau stellt eine typische Veränderung des vorhandenen Baues zugunsten seiner weiteren Nutzung dar und dient somit mehr dem weiteren Erhalt des Gebäudes als dem Festhalten am Vorhandenen um jeden Preis.

Zum Dachschaden

Abschießend lässt sich sagen, dass es sich bei den meisten Schwachpunkten des Mühlendaches um nachträglich eingebaute Baufehler handelte. Welche Gründe vorlagen, z. B. beim Errichten des Querbaues die vorliegende Dachform zu wählen, lässt sich nicht nachvollziehen. Fest steht, dass für zwei der Anschlusspunkte an andere Gebäude bauliche Lösungen gewählt wurden, die auf Dauer nicht funktionierten. Allein die Verbindung zur heutigen Zimmereischeune hat mit ihren geneigten Kehlen eine bautechnisch zufrieden stellende Lösung. Die im Großteil des Gebäudes relativ flache Dachneigung ist für die gewählte Sandsteindeckung sicher nicht optimal. Vielleicht wurde daher auch das später errichtete Querbaudach steiler konzipiert.

Lagerkehlen stellen ein eigentlich zu verhinderndes Baudetail dar. Es sollte bei dieser Art von Kehlen auf eine besonders gute Abdichtung und sorgfältige Ausführung der Arbeiten geachtet werden. Möglicherweise war das aber mit den bauzeitlichen Arbeitsmitteln nicht zu leisten.

Auf stärker geneigten Dachflächen abfließendes Wasser fließt schneller ab und Dachrinnen, die mit ähnlichem Gefälle wie diese Lagerkehle angelegt sind, liegen in der Regel außerhalb eines Gebäudes. Die Hauptproblematik einer solchen fast waagerechten Entwässerung liegt also darin, dass langsam abfließendes Wasser aus undichten Stellen sich schnell im Inneren des Gebäudes findet und zwar meist an empfindlichen Knotenpunkten der Konstruktion. Im Fall des Schleifmühlendaches haben dieser Fehler, die Ausbildung der Lastabtragung und die unterlassene Pflege des Gebäudes einen Schaden verursacht, der den Bestand des Baues in seiner Substanz gefährdete. Einen vergleichbaren Schaden hätte das Dach wohl auch über kurz oder lang mit anderen Deckungsmaterialien erlitten, es liegt allerdings nahe, dass abgerutschte feuchte Sandsteinplatten den Dacheinbruch erheblich beschleunigt haben.

Zu guter Letzt

Ein Sandsteindach wiederherzustellen stellt heute ein Unterfangen dar, das umfassende Kenntnisse der alten Technik, eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten und hohe Geldmittel (ca. das dreifache einer modernen Ziegeldeckung) erfordert, da selten Standardlösungen herkömmlicher Dächer unverändert angewendet werden können. 

Aufgrund der hohen Kosten wird sich die Anwendung dieser Technik wohl im Weiteren auf die zu erhaltenden Dächer in dieser Region beschränken.

Im Fall der ehemaligen Schleifmühle Buchhagen traten bei der Sanierung des Daches noch zusätzlich konstruktive Mängel in Erscheinung. Der daraus resultierende Verlust an Originalsubstanz war wegen der starken Gefährdung des Baues zu vertreten. Wäre nicht bald mit der Sanierung begonnen worden, hätte ein zunehmend schneller Verfall das Ende der Mühle bedeutet. 

Aufgrund der soliden Bauweise, vor allem beim Sandsteinmauerwerk, war die Schleifmühle aber trotz der starken Schäden durchaus sanierbar. Diese Ansicht wurde von den zuständigen Behörden der Denkmalpflege in Holzminden und Hannover geteilt.

Ein weitere Grund in der geglückten Sanierung der Schleifmühle Buchhagen liegt sicher in der Tatsache, dass die Eigentümergruppe in einer wirtschaftlichen Gemeinschaft lebt (Kommune), und es somit einer Einzelperson ermöglicht werden konnte, sich über den Zeitraum von zwei Jahren in das Thema Mittelbeschaffung / Fundraising einzuarbeiten. Sie wurde in dieser Zeit von den anderen Bewohnern „mit durchgezogen“. Dies war überhaupt erst die Voraussetzung für die mehrjährige Baustelle. Diese Gründlichkeit und Leidenschaft haben zum Erfolg des Ganzen maßgeblich beigetragen und alle Vereinsmitgliedern – trotz zahlreicher Rückschläge – immer wieder motiviert, weiter an der etwas irren Idee der Mühlensanierung festzuhalten und weiterzumachen. Ob es heute noch mal gelingen würde, diese Mittel in den „unterfinanzierten“ Landkreis Holzminden zu bekommen ist fraglich … 

Den Erfolg weiterzuführen bedeutet aber auch für einen kleinen Verein eine nicht zu unterschätzende Verantwortung. Durch die große Bereitschaft der Denkmalpflege, uns zu unterstützen – vor der so genannten Bankenkrise und ohne die Anna-Amalie-Bibliothek zu sein – liegt natürlich auch ein großer Druck auf den Vereinsmitgliedern, in Ihrer Freizeit Veranstaltungen und Kulturevents durchzuführen. Kaum eine Veranstaltung ohne Sponsoren und die drohende GEMA … In diesem Bereich waren wir alle – im Gegensatz zum Bauhandwerk – Anfänger.

Mit einem Besuch in der Kulturmühle Buchhagen tragt Ihr ein großes Stück dazu bei, dass dieses Engagement nicht ins Leere läuft, und die Mühle als lebendiges Gebäude auch weiter für Kultur von unten erhalten bleibt. Bis bald in Buchhagen!

www.buchhagen.org

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1 Vergl. A. Formann Alte Schleifmühle Buchhagen, Denkmalpflegerische Zielstellung, Ottenstein 2001

2 Vergl. NEß, Dipl. Ing. W., Denkmalpflegerische Bedeutung der ehem. Schleifmühle in Bodenwerder-Buchhagen, Hannover 2001, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege

 

Fotos: Annett Kunberger

Die südliche Ansicht der Mühle vor …
… und nach der Sanierung.
Konstruktionsschema der Schleifmühle Buchhagen
Blick auf die Dachlandschaft der Mühle von Südosten
Nutzungsbereiche der ehemaligen Schleifmühle
Der Saal während der Sanierung
Sommerrauschen – das alljährliche Sommerfest

Die Autorin

Annett Kunberger ist Zimmerin & Schreinermeisterin und staatlich geprüfte Technikerin für Altbauerhaltung & Denkmalpflege.