Fachwerk-Fünfeck gegründet

29. November 2013 - Hann. Münden. Diese Kooperation soll die Fachwerkstädte Südniedersachsens stärken. Beim 4. Fachwerktag Südniedersachsen wurde am vergangenen Freitag die Präambel für ein „Fachwerk-Fünfeck“ im Rittersaal feierlich unterzeichnet. In fünf Thesen erklären darin Duderstadt, Einbeck, Hann. Münden, Northeim und Osterode ihre Absicht, in Zukunft gemeinsam an der Erhaltung des Kulturgutes Fachwerk zu arbeiten. Die regionale Zusammenarbeit soll in touristisch-wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und kultureller Hinsicht vorangetrieben werden. Sie betrifft neben den fünf Städten auch 104 Ortschaften auf einer Fläche von 700 Quadratkilometern.
Begleitet wurde die Fachtagung auch von Ministerialdirektorin Oda Scheibelhuber, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Christan Kuthe vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration sowie dem Hann. Mündener Landtagsabgeordneten Roland Schminke, die in ihren Grußworten ihre Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln betonten. Ministerialdirektorin Scheibelhuber machte auf den „Förderbaustein Denkmal“ aufmerksam, auch die Förderung von Personalkosten, etwa einem Sanierungsmanager und der Antragstellung zur Aufnahme der Fachwerklandschaft Südniedersachsen in die UNESCO-Weltkulturerbeliste würden gefördert.

Denn dieses Ziel verfolgt das Fachwerk-Fünfeck, wenn die Vorarbeiten innerhalb der Kooperation so erfolgreich verlaufen, wie von der Planungsgruppe Lange Puche Architektur, Stadt- und Umweltplanung GmbH aus Northeim in Konzeption und Managementplan ausgearbeitet. Etwa 100 Gäste hörten interessiert den Ausführungen von Dirk Puche zu, der gemeinsam mit seinem Kollegen Hans-Joachim Brudniok und den Fachleuten der Stadtverwaltungen die Vorbereitungen zu diesem Regionsprojekt erarbeitet hatten.

Mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, Holzminden und Göttingen (HAWK) kann das Fachwerk-Fünfeck schon jetzt auf einen Partner setzen. Mit den Beispielen, die Prof. Birgit Franz, (HAWK), präsentierte, bekam das Fachwerk-Fünfeck bereits ein paar Anregungen, die zu Projekten werden könnten.

Von der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. (ADF) trat erstmals Diana Joneitis als zukünftige Geschäftsführerin der ADF vor das Fachpublikum. Ihre Darstellung der Arbeitsfelder der ADF und der Deutschen Fachwerkstraße (DFS) zeigte deutlich, dass das Fachwerk-Fünfeck mit der ADF einen starken Partner an seiner Seite hat und diese auch weiterhin eng mit den Städten zusammen arbeiten wird. Bereits im jüngsten Bildband Deutsche Fachwerkstraße, herausgegeben von der ADF, sind die Städte gut präsentiert worden. Gemeinsam mit Andy Stützer, der die erste Fachwerk-App für ganz Deutschland entwickelt hat und sie erstmals in Hann. Münden vorstellte, werden die Destinationen der Fachwerkstraße und des Fachwerk-Fünfecks ab April 2014 auch in dieser modernen Form den Fachwerk-Touristen und Interessenten erreichen können.

Für etwas Zukunftsmusik sorgte Prof. Gerd Weiß, Präsident des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, der über den Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe referierte. Am Beispiel Bergpark Wilhelmshöhe, der seit 23. Juni diesen Jahres das 981 Weltkulturerbe der Welt und das 38 in Deutschland ist, sprach er von der Chance, die so ein Prädikat habe. „Die Touristenzahlen haben sich seit dem verdreifacht“, so Prof. Weiß. Er riet den Akteuren im Fachwerk-Fünfeck die „Stadtgesellschaft als Multiplikatoren und Mitarbeiter“ mit in die Projektentwicklung einzubeziehen, denn nur so sei ausreichend Akzeptanz für dieses Thema zu bekommen.

Dass die Bürger durchaus Eigeninitiativen zeigen, wurde am Beispiel der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt deutlich, die sich im Februar diesen Jahres gegründete und bereits ein historisches Fachwerkhaus vor dem Verfall retten konnte. Impulsgeber Bernd Demandt, Vorsitzender der Bürgergenossenschaft, zeigte am Rande der Veranstaltung Bilder der Bauarbeiten, die vor allem während des Denkmalkunst-Festivals an neun Tagen als Kunstprojekt mit über 140 Mitwirkendenden vorangetrieben wurden. Derlei Projekte zu übertragen und zu unterstützen wird eine Aufgabe des Fachwerk-Fünfecks sein.

“Einige Fachwerkstädte wurden bereits UNESCO-Weltkulturerbe, ein Fachwerk-Fünfeck dieser Qualität gibt es da aber nicht”, sagte Bürgermeister Klaus Burhenne während eines NDR-Interviews. Er kündigte Duderstadt als den nächsten Austragungsort für den 5. Fachwerktag im nächsten Jahr an.

Mit der Unterzeichnung der Präambel ist die Planungsphase abgeschlossen, Anfang nächsten Jahres sollen die Aufgabenfelder mit Personal bestückt, ein Arbeitsplatz geschaffen werden. Die Fachwerklandschaft Südniedersachsen beheimatet zwei Drittel des Denkmalbestandes ganz Niedersachsens. Mit über 500 Fachwerkhäusern, die im 14. bis 16. Jahrhundert errichtet wurden und bis heute erhalten geblieben sind, ist sie ohne Zweifel schon jetzt eine Region, die ein großes kulturelles Erbe besitzt. Dies zu bewahren, ist eine große Herausforderung. Möge das Vorhaben gelingen.

 

Das Foto zeigt v.l. Die Städtische Direktorin Annelore von Hof (Duderstadt), Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (Einbeck), Bürgermeister Klaus Burhenne (Hann. Münden), Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser (Northeim), Bürgermeister Klaus Becker (Osterode). Im Hintergrund v. l. Christian Kuthe, Oda Scheibelhuber und Roland Schminke

 

Diana Wetzestein