Kontaktstelle Rheda-Wiedenbrück

Es wäre gelogen, wenn wir behaupten würden, wir hätten gewusst, was auf uns in Hinsicht Renovierung so alles zukommen würde. Wir waren froh, ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben und keine Miete mehr zahlen zu müssen.

Dann war uns klar, dass wir in der Baustelle leben würden und schon aus Geldmangel in kleinen Schritten voran kommen würden. Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen.

Und tatsächlich konnten wir uns viel öfter über jeden kleinen Fortschritt freuen, als wenn alles auf einmal fertiggestellt worden wäre. Es macht Spaß, mit Lehm zu arbeiten. Und es macht Spaß, dies gemeinsam zu tun. Wie auf einer Reise haben wir nicht das Ziel, sondern den Weg dorthin genossen. Und so richtig sind wir am Ziel noch nicht angekomen, wir machen gerade mal Pause.

Gern würden wir anderen Mut machen, mit viel Geduld an die Rettung eines alten Gebäudes heranzugehen.

Wer einfach nur schnell schick wohnen möchte, ist mit einem Neubau sicher besser bedient. Bald ist aber auch der Neubau renovierungsbedürftig, nach 30 Jahren oft nicht abbezahlt und 300 Jahre hält er auf keinen Fall!

Ulla Grünewald und Wolf Bredow, Juni 2011

Traum vom Fachwerkhaus verwirklicht

Rheda-Wiedenbrück (dali) - Mehr als zehn Jahre haben Ulla Grünewald und Wolf Bredow ihr Fachwerkhaus saniert. Dabei profitierten sie von Tipps der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB). Als IgB-Kontaktstelle möchten sie ihre Erfahrungen an Mitglieder weitergeben, die eine Sanierung planen.

„Auch wenn ein Haus noch so schlimm aussieht – mit Geduld, Sachkenntnis und angemessenen Baumaterialien kann man es wieder schön machen und für die Zukunft erhalten“, sagt Ulla Grünewald und blickt auf ihr Fachwerkhaus am Berliner Wall 10 in Wiedenbrück. Dort hat sie zusammen mit ihrem Mann Wolf Bredow in kleinen Bauphasen ein Schmuckkästchen geschaffen. „Man braucht Fantasie“, ist sich die 50-Jährige sicher, es sei ein bisschen wie mit dem

Vorher-Nachher-Vergleich bei einer Typberatung.

Tipps kamen wie gerufen Ohne die sachkundige Hilfe der IgB wäre das Ehepaar trotz vieler eigener Ideen und Vorstellungen wohl nicht glücklich geworden. Sie selbst hätten so einige Fehler gemacht, gibt Wolf Bredow zu, „dieses Wissen geben wir gerne weiter“. Bei

einer Kontaktstelle vor Ort würden die IgB-Mitglieder eine bessere Beratung finden, ergänzt Ulla Grünewald: „Wenn sie ein Problem haben und nicht gleich den Architekten anrufen wollen, sind wir für sie da.“ Es ist ihnen wichtig zu zeigen, dass eine umfangreiche Restaurierung nicht nur bei großen Projekten und mit viel Geld möglich ist. Mit Problemen hatte das Ehepaar selbst genügend zu kämpfen. „In jedem Jahr haben wir uns einen Bauabschnitt vorgenommen“, sagt Wolf

Bredow. In Eigenleistung, denn die Berufsanfänger mussten Geld sparen. Wie gerufen kamen die vielen Tipps durch die IgB.

Auf einer Baustelle gelebt

Durch bauliche Sünden – wie dem Kassettenputz mit Zementmörtel – waren viele Riegel des zirka 283 Jahre alten Hauses auszutauschen. „Das Haus war in einem wirklich schlimmen Zustand, aber trotz allem bewohnbar“, erinnert sich Ulla Grünewald. In mühevoller Kleinarbeit begann das Ehepaar mit der Sanierung. „In den ersten sieben Wochen haben wir Einbauten aus den 1930er-Jahren entfernt“, sagt Ulla Grünewald, „danach sind wir auf die Baustelle gezogen“.

Gemäuer mit gemütlicher Atmosphäre

Viel Wert hat sie darauf gelegt, natürliche Baustoffe zu verwenden. „Dadurch haben wir ein gutes Raumklima und es ist richtig gemütlich“, schwärmt Ulla Grünewald. Für sie kommt ein Umzug in einen Neubau nicht in Frage: „Diesen Häusern fehlt oft die gemütliche Atmosphäre.“ Am Sonntag, 19. Juni, 15 Uhr bietet sie mit ihrem Mann einen Stadtrungdgang zum Thema „Fachwerk: Traum oder Trauma? an. Treffpunkt ist vor dem Historsichen Rathaus in Wiednebrück am Stadtmodell

Blick ins bewohnte Haus in der Bauphase 1998
Detail: Lehmbauziegel