"Der Erhalt des historischen Ensembles kostet Unsummen"

Gerheide Knüttel

Details und Anekdoten bei der Führung auf dem Rittergut Stemmen.

 

Seit 1998 gibt es das Angebot „Calenberger Landsommer“. Christa Seidel und Christa Thies gehörten zu den ersten Gästeführerinnen, die Interessierten die Schönheiten und Besonderheiten den Menschen näher bringen wollten. 119 verschiedene Termine standen in diesem Jahr auf dem Programm. Es gab viel Interesse bei den bisher 96 Veranstaltungen. Das war nur zu schaffen, weil inzwischen die Zahl der Gästeführer/Innen auf eine Arbeitsgemeinschaft von über 30 angestiegen ist. Einmal monatlich treffen sie sich zur Fortbildung und so kann es geschehen, dass Altbekanntes in einem völlig neuem Licht erscheint.

Wenn nun aber der Hausherr persönlich die Führung übernimmt, hat die beste Gästeführerin wenig Chancen. So ist es Christa Thies ergangen, als sie eine kleine Gruppe Interessierter vor dem Rittergut Stemmen – einem Ortsteil von Barsinghausen - erwartete. Hausherr Jahn Friedrich Freiherr von Rössing zog alle Register: So zeigte er Bilder von der ursprünglichen Ansicht des ehemaligen Fachwerkhauses, das etwa in der Zeit von 1560 bis 80 erbaut worden sein soll. Südlich vom Eingang steht der ehemalige Schafstall, nördlich das frühere Kutscherhaus.

Von Rössing erzählte im malerischen Innenhof anschaulich - und wie stets äußerst humorvoll – von den aufwendigen Renovierungsarbeiten in den Jahren 1963 und 1999. Die Besucher, die das Angebot des Calenberger Landsommers nutzen wollten, kamen auch aus Hannover und Gehrden. Sie erfuhren, wie das Leben nach dem Kriege auf dem Rittergut war. Mit 60 Kühen, Schweinen und Ackerpferden. Schon lange gibt es für die große Längsdurchfahrtsscheune keine Möglichkeit der Nutzung mehr, da der Torbogen, durch den man auf das Rittergut gelangt, zu klein für die heutigen Maschinen ist. „Der Erhalt kostet Unsummen“, so von Rössing, der die Bezeichnung Rittergutsbesitzer gar nicht mag. „Das klingt nach Reichtum“. Das gesamte Anwesen steht nicht nur unter Denkmal- sondern auch unter Ensembleschutz.

Der Hausherr führte die Gäste auch in die freitragende ehemalige - von wildem Wein umwucherten - Mühle, die zur Wassergewinnung diente. Gezeigt wurde der Platz, wo sich einst eine Gärtnerei befand. Die Führung endete im Park. Kaum bekannt: Ein Eingang in der Erde, wo sich ein 1943 erbauter Bunker befindet.

Nach Beantwortung aller Fragen führte der Weg zur Stemmer Kirche, deren Patron von Rössing ist. Und auch hier gab es interessante Informationen.

 

Gerheide Knüttel, IgB, 16. September 2013

 

 

Alle Fotos: G. Knüttel