Kontaktstelle Seeth

Die Landschaft Stapelholm ist eine unverwechselbare und eigenständige schleswig-holsteinische Natur- und Kulturlandschaft, die namentlich erstmals 1260 erwähnt wurde. Sie zeichnet sich noch heute durch ihre geschlossenen Dorfkerne mit ihrem z.T. einzigartigen baukulturellen Erbe aus. Neben niederdeutschen Fachhallenhäusern, das älteste wurde auf das Jahr 1492 datiert, und jütischen Querdielenhäusern finden wir auch einen Haubarg auf dem Stapler Holm. Dabei weist das Dorf Seeth, in der Nähe von Friedrichstadt, mit allen drei wichtigsten, in situ vorhandenen Haustypen ein absolutes Alleinstellungsmerkmal aus und gewinnt Bedeutung aufgrund seiner zahlreichen denkmalgeschützten Gebäude.

Der Arbeitskreis Baupflege und Regionalentwicklung
1988 wurde von den Mitgliedern der IGB Stapelholm (s. Kasten) im Rahmen der europäischen Kampagne für den Ländlichen Raum der Förderverein Landschaft Stapelholm e.V. aus der Taufe gehoben, in dem die IGB Stapelholm als Arbeitskreis weitergeführt wurde. Themen der Regionalentwicklung, die Bewahrung der Hauslandschaft, die Erhaltung der gewachsenen Dorf- und Landschaftsbilder sowie die Stärkung unserer kulturellen Identität stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Kulturhistorisch wertvolle und ortsbildprägende Bauernhäuser, die vor dem Verfall standen, konnten mit Unterstützung des Vereins neuen Nutzungen zugeführt und damit im Bestand gerettet und saniert werden. Nach dem Auslaufen der staatlichen Förderprogramme (Dorferneuerung, Ländliche Struktur- und Entwicklungsanalyse - LSE) war erneut die wertvolle Bausubstanz in unserem ländlichen Raum bedroht, mit allen daraus resultierenden negativen Folgen für die Eigentümer, die Ortsbilder und für den Tourismus.

2007 stellte sich der Arbeitskreis Baupflege und Regionalentwicklung neu auf und intensivierte seine Aktivitäten. Bei wöchentlichen Arbeitstreffen werden aktuelle Themen der Region behandelt.

Einen großen Erfolg erreichte der Arbeitskreis 2009 mit der Initiierung des Leuchtturmprojekts „Erhalt der Baukultur in den Landschaften Eiderstedt und Stapelholm“ gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen und dem Heimatbund Landschaft Eiderstedt. Fördergelder in Höhe von 750.000 Euro wurden eingeworben, 62 Sanierungsmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 3 Mio. Euro konnten bezuschusst werden.

Seit 2017 bringt die Veranstaltungsreihe „Von Diele zu Diele“ Besitzer, Bewohner und Interessenten historischer Häuser in Stapelholm zum gegenseitigen Kennenlernen und Erfahrungsaustausch zusammen. Die Treffen werden in regelmäßigen Abständen in jeweils wechselnden Häusern durchgeführt.

2019 wurde zur Erforschung und Vermeidung der aktuellen Reetdachproblematik (Algenbildung und frühzeitige Verrottung) ein runder Tisch mit Betroffenen, Experten und Behörden eingerichtet. In Kürze soll ein Forschungsprojekt starten, das sich mit Untersuchungen zum Algenbefall auf neuen Reetdächern und Entwicklung umweltverträglicher Gegenmaßnahmen befasst.

Derzeit bereitet der Arbeitskreis ein Konzept zur langfristigen Sicherung der reichen Stapelholmer Hauskultur vor. Dabei geht es zunächst um die Aufarbeitung, Aktualisierung und den Abschluss der umfangreichen Arbeiten von Arnold Lühning und anderen Hausforschern. Wissenschaftler der Uni Kiel sind dabei einbezogen. Mit diesem Kataster sollen grundlegende Informationen zum Zustand der historischen Hauslandschaft gewonnen werden, die in die kommunale und regionale Entwicklungsplanung einfließen können. Ziel ist es letztlich, eine kontinuierliche und nachhaltige öffentliche Förderung zum Erhalt des wertvollen Gebäudebestands zu erreichen.

Der Einsatz des Arbeitskreises für die Erhaltung der Baukultur in Stapelholm wurde 2019 mit einem Preis der Akademie für die Ländlichen Räume in Schleswig-Holstein gewürdigt, den die Arbeitskreismitglieder als Ansporn für ihre weitere Tätigkeit zum Wohle der Landschaft Stapelholm verstehen.

Aufgrund eigener umfangreicher Erfahrungen bei der Instandsetzung historisch wertvoller Bausubstanz bieten wir allen Bauherren, Restaurierungswilligen und Handwerkern unter den Mitgliedern eine unverbindliche Initialberatung zum Thema Instandsetzung und Renovierung an. Unsere Zeitschrift „Die Bauernglocke“ dient der Öffentlichkeitsarbeit und erscheint zweimal jährlich. Wir freuen uns, mit Euch gemeinsam die einzigartige, über 500-jährige Baukultur in Stapelholm zu erleben und zu erhalten!

Über mich:
Nach meinen Bauingenieurstudium an der TU Hannover arbeitete ich mehrere Jahre im Stahlbau, Brückenbau und Parkhausbau, bevor ich mich 1983 in Seeth als Beratender Ingenieur selbständig machte. Seit 1992 wohne und arbeite ich in dem von meinen Eltern geerbten Haubarg, der 1980 als besonderes Kulturdenkmal unter Schutz gestellt worden war.

Neben meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich mich intensiv mit der Instandsetzung und Rettung historischer Gebäude beschäftigt und war ununterbrochen ehrenamtlich in den Bereichen Baupflege und Regionalentwicklung in Stapel holm tätig. Jetzt freue ich mich, (wieder) als Kontaktstelle für die Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. (IgB) tätig werden zu können.

Deert Honnens, April 2020

Eines der nördlichsten Hallenhäuser in Deutschland, wenige Kilometer nördlich der Eider. Der Fluss gilt gemeinhin in Deutschland als nördliche Grenze des Verbreitungsgebietes des Hallenhauses. (Foto: Deert Honnens)
Das jütische Querdielenhaus ist typisch für die historische Hauslandschaft der Geest. (Foto: Deert Honnens)
Deert Honnens vor dem von ihm bewohnten Haubarg Jacobshof in Seeth. Der Haubarg ist typisch für die westlich gelegene Halbinsel Eiderstedt. Der Haustyp hat sich wahrscheinlich aus dem ostfriesischen Gulfhaus entwickelt.
(Foto: Deert Honnens)