Kontaktstelle Obercunnersdorf

Erst auf der Suche nach einem Haus bin ich nach Obercunnersdorf gekommen. Doch der Denkmalort, der dieses Jahr sein 800-jähriges Jubiläum feiert, hatte es mir sofort angetan. Was für ein schöner und gediegener Ort! Trotz einigen Leerstandes und des ziemlich offensichtlichem Sanierungsbedarfes an einem (damals noch nicht meinem) Umgebindehaus, genau zwischen Barockkirche und Viadukt, war ich sofort begeistert und bin es bis zum heutigen Tage.

Dass die anstehende Sanierung nicht einfach werden würde – wenn auch nicht in welchem Ausmaß – war von Anfang an klar und dennoch möchte ich die dabei gemachten Erfahrungen nicht missen. Ich erhielt einen exklusiven Einblick in das Leben vergangener Jahrhunderte und lernte einiges über nachhaltiges Sanieren und ökologisches Bauen. Darüber hinaus war es mir möglich, mir mit einer denkmalgerechten Sanierung ein „authentisches“ Heim in einem weit über 300 Jahre zählenden, historisch wertvollen Bestandsbau zu schaffen. Insofern empfinde ich es als Privileg, dass ich neben beruflicher Selbständigkeit immer wieder Zeit für die Arbeit an meinem „Häusl“ aufbringen konnte. Dass ich für die gründliche Sanierung des Gebäudes den Deutschen Fachwerkpreis erhielt, hat mich natürlich sehr gefreut. Meinen Großvater, einen Zimmermann, hätte es sicher ungemein gefreut. Er war der Erste, der mir als Kind erklärt hatte, was ein Umgebindehaus ist, nämlich „drei Häuser unter einem Dach. Ein Blockhaus und ein Steinhaus im Erdgeschoss und ein – manchmal verschiefertes – Fachwerkhaus im Obergeschoss.“

Auch, wenn das Umgebinde sehr gefährdet ist, Block- und Lehmbau an sich scheinen nicht vor dem endgültigem AUS zu stehen. Der Umgang mit den endlichen Rohstoffen unseres Planeten spricht dafür, dass wir es beim Umgebindehaus nicht nur mit einem liebenswertem Kleinod der Vergangenheit, sondern auch mit einem Wegweiser für zukünftiges Bauen zu tun haben. In dieser Hinsicht sind „Umgebindehäusler“ wie auch „Fachwerker“ nicht die Letzten von gestern, sondern die Ersten von morgen. Schon aus diesem Grund sollte man sich in Zukunft auf sie und ihre Erfahrungen besinnen. Viele von Ihnen sind schon lange Mitglieder in der IgB. Und auch ich freue mich, mit ihnen in der IgB ein Qualitätsforum für tradiertes Bauen gefunden zu haben.

Als Kontaktstelle im Denkmalort Obercunnersdorf empfinde ich es als Privileg, die Anliegen der IgB vortragen zu können, aber auch Anregungen aufnehmen zu dürfen. Die Erfahrung zeigt, dass man mit jedem Gespräch eine neue Sichtweise kennen lernt. Oder anders: Es lohnt sich in Kontakt zu kommen.