Das Burggütl. Ein Haus erzählt

Das Burggütl. Ein Haus erzählt
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Ein Kinderbuch ab 3 Jahren

Mein Name ist Burggütl. Das ist ein besonders schöner Name. Es gibt Häuser in meiner Nähe, die heißen Altenberlbeckerhaus oder „Bloß-aalt’s-Glump“. Wenn man „Bloß-a-alt’s-Glump“ heißt, wird man nicht alt. So habe ich viele gute Freunde verloren, in denen nette Menschen zusammengelebt haben. Aber irgendwann hatten meine Freunde plötzlich einen Dachschaden oder nasse Füße und wurden eines Tages einfach beiseite geräumt.

Engagierte Denkmalpfleger kennen die Interessenskonflikte, die entstehen, wenn ein Haus unter Denkmalschutz steht. Investoren, Politiker, Denkmalinitiativen streiten - und dabei gibt es jemanden, der nie zu Wort kommt: Das ist das Haus, um das es geht.

In diesem Kinderbuch kommt endlich einmal ein Haus zu Wort und erzählt, warum es so wichtig ist, dass es nicht abgerissen wird. Das Burggütl hat nämlich eine lange Geschichte zu erzählen, die nicht verloren gehen soll. Wie der Name schon sagt, ist es im Zusammenhang mit einer Burg entstanden. Zerstörung durch Kriege und Umnutzungen haben das Haus immer wieder verändert und immer wieder hat man das Material genutzt, das noch da war. Zuerst wurde der Bauernhof in die entstehende kleine Stadt integriert; dann wurde es durch eine steinerne Fassade verstädtert, dann durch den Dreißigjährigen Krieg zerstört und mit den Steinen der unnütz gewordenen Mauer als bürgerliches Wohnhaus wieder neu aufgebaut. Später wurde es wieder landwirtschaftlich genutzt und große Tore, die für die Durchfahrt eines Leiterwagens wichtig waren, veränderten das Haus.

Als die Traktoren die Tiere für die Feldarbeit ablösten, wurde es nicht mehr umgebaut, sondern von seinen Bewohnern verlassen. Ein kleines Mädchen ist mit seinem Vater oft an dem Haus vorbeigekommen und hat gesagt, dass es dort gerne wohnen möchte und das Haus fragt sich, ob sie wiederkommt, um es zu retten …

Für das Haus in der Geschichte gibt es ein Vorbild in der Oberpfalz, an das sich die Autorinnen weitgehend gehalten haben. Das konnten sie, weil es archivalische Untersuchungen und eine Baubefundung gibt. Stefania Peter hat es geschafft, aus diesen beiden Quellen die Geschichte des Hauses so anschaulich darzustellen, dass das Haus zu einer Persönlichkeit wird, die allein durch die Zeichnungen zu neuem Leben erweckt wird. Dazu kommen Texte, die erzählen, was das Haus schon alles mitgemacht hat, ohne wehleidig zu werden, aber doch in großer Sorge lebend, wie es mit ihm weitergehen wird.

Den Text verfasste Birgit Angerer, promovierte Kunsthistorikerin und ehemalige Leiterin des Freilandmuseums Oberpfalz. Dort galt ihr Engagement besonders der Museumspädagogik, und hier ist sie neue Wege gegangen, um besonders den jüngeren Besuchern das Leben in den alten Häusern nahezubringen. Sie engagiert sich in vielen Organisationen für den Erhalt unserer Denkmäler.

Die Bilder zeichnete Stefania Peter, die an der TU München Architektur studiert hat und jahrelang in einem Münchner Architekturbüro an der Instandsetzung bedeutender Baudenkmäler beteiligt war. Ihre Zeichnungen werden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Sie thematisieren Verlust und Verfall anonymer historischer Architektur, Bauernhäuser, Betriebsgebäude und Industrieanlagen.

Das Erscheinen dieses Buches passt gut zum 50-jährigen Geburtstag des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes, der nächstes Jahr ansteht. Der Schutz der als Denkmal eingestuften Häuser ist in der Verfassung verankert. Kein Mensch möchte die Frauenkirche in München oder die Burg Neuschwanstein abreißen. Zum Glück! Aber die einfachen Häuser, die davon berichten können, wie die Leute vor 100, 200 oder 500 Jahren gelebt haben, fallen viel zu oft der Abrissbirne zum Opfer, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind.

Viel wird heute über Heimat geredet. Und Heimat ist zum großen Teil einfach das, was noch da ist. Der Bayerische Landesverein für Heimatpfleger ist Herausgeber und unter anderem hat auch die Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB) das Erscheinen des Buches durch einen finanziellen Beitrag unterstützt.

Anger, Birgit; Peter, Stefania: Das Burggütl. Ein Haus erzählt, Volk Verlag 2022, 60 Seiten (gebunden), 282mm x 210mm x 13mm, ISBN-13: 978-3862224456, € 25,00.